Stand: 18.07.2016 von © Gold.de Redaktion JB/GW 0 Kommentare

Der Aufwärtstrend von Silber ist ungebrochen und verläuft ausgesprochen dynamisch. Seinen großen Bruder Gold hat das Edelmetall in diesem Jahr um Längen geschlagen. Trotz der diesjährigen Outperformance von Silber ist eine Konditionsschwäche derzeit nicht in Sicht.

Silber weist unter sämtlichen Edelmetallen für 2016 mit plus 41 Prozent weiterhin die höchste Performance aus, während Gold auf "lediglich" 24 Prozent kommt und sich die beiden Schwestermetalle Platin und Palladium mit 20 bzw. 9 Prozent begnügen müssen. Etwas überrascht hat die Outperformance von Silber schon, da mehr als die Hälfte der Nachfrage aus diversen Industriesektoren stammt – und deren Perspektiven dürften nach dem Brexit-Votum und den gedämpften Perspektiven der chinesischen Wirtschaft nicht gerade zum Silberkauf animiert haben. Möglicherweise haben sich die Silberinvestoren aber auch daran erinnert, dass man dem kleinen Bruder von Gold schon immer eine starke Korrelation zu Gold inklusive Hebelwirkung attestiert hat. Außerdem rutschte das mit Abstand günstigste Edelmetall seit 2011 deutlich stärker ab als Gold und verfügt somit über erhebliches Nachholpotenzial. Während dem Goldpreis nämlich ungefähr 43 Prozent zu seinem im August 2011 erzielten Rekordhoch fehlen, müsste sich der Silberpreis mehr als verdoppeln um sein Rekordhoch von April 2011 wieder zu erreichen.

Doch trotz der erzielten Performance und des vorhandenen Nachholpotenzials weist Silber gegenüber Gold gewichtige Nachteile auf, die es als sicheren Hafen erheblich weniger geeignet erscheinen lassen. Zum einen fällt nämlich beim Kauf von Münzen und Barren aus Silber Mehrwertsteuer an, wodurch sich das Anlageergebnis entsprechend reduziert. Außerdem verbindet man mit einem sicheren Hafen eine Anlageklasse, die relativ geringe Kursausschläge aufweist. Bei Silber ist das aber eher nicht der Fall, schließlich übertrifft dessen von der Terminbörse CBOE berechnete Volatilitätsindex mit fast 30 Prozent die vergleichbare Risikokennzahl von Gold in Höhe von 16,9 Prozent recht deutlich. Nur zur Erinnerung: In den vergangenen zehn Jahren vollzog der Silberpreis innerhalb von weniger als drei Jahren eine Kursexplosion von 8,50 auf fast 50 Dollar und kollabierte danach wieder – vor diesem Hintergrund scheint das Attribut Sicherheit eher nicht gerechtfertigt zu sein.

Terminspekulanten bleiben zuversichtlich

Die markante diesjährige Kursrally des Silberpreises dürfte in hohem Maße von den Transaktionen großer und kleiner Terminspekulanten verursacht worden sein. Allein das hinter Silber-Futures stehende Marktvolumen rechtfertigt diesen Schluss. Da sich an der Commodity Exchange ein Silber-Future auf 5.000 Feinunzen Silber bezieht, repräsentiert die aktuelle Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) – zumindest auf dem Papier – einen "Silberberg" von über einer Milliarde Feinunzen. Zum Vergleich: Der weltgrößte Silber-ETF iShares Silver Trust kommt derzeit auf 343 Millionen Feinunzen Silber. Weltweit haben sich die Bestände physisch besicherter Silber-ETF s im ersten Halbjahr um 44,3 Millionen auf 662 Millionen Feinunzen und somit auf Rekordniveau erhöht. Grundsätzlich sollte man aber nicht vergessen, dass bei Silber-Futures die registrierten physischen Silberbestände mit aktuell lediglich 25 Millionen Feinunzen im Falle einer systemischen Finanzkrise erhebliche Lieferprobleme mit sich bringen dürften.

Große und kleine Terminspekulanten fielen seit dem Jahreswechsel vor allem durch ihr markant gestiegenes Kaufinteresse auf. Mit insgesamt über 214.000 offenen Silber-Kontrakten wurde der Stand zum Jahresultimo um 30 Prozent übertroffen und zugleich ein Allzeithoch markiert. Einmal pro Woche informiert die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (cftc), ob Großspekulanten (Non-Commercials) bzw. Kleinspekulanten (Non-Reportables) mehrheitlich optimistisch (netto long) oder pessimistisch (netto short) gestimmt sind. Seit Ende Dezember haben beide Gruppen von Marktakteuren ihre Long-Seite nach oben gefahren und zugleich ihr Short-Exposure reduziert. Während dieses Zeitraums hat sich die Netto-Long-Position der Großspekulanten von 20.704 auf 87.652 Futures vervielfacht, während bei den Kleinspekulanten der Optimismus von 9.174 auf 12.468 Futures nicht ganz so dynamisch zugenommen hat.

Analystenprognosen – von der Realität überholt

Auf Basis von insgesamt 24 von der Nachrichtenagentur Bloomberg erfassten Silber-Kursziele für das vierte Quartal 2016 wird vor allem eines deutlich: Die jüngste Silberrally kam für die Analysten offensichtlich völlig unerwartet. Deren Q4-Schätzungen reichen nämlich von 13,50 bis 21,00 Dollar und ergeben einen durchschnittlichen Mittelwert von 17,13 Dollar (aktuell: 20,10 Dollar). Die pessimistischste Prognose stammt von Emirates NBD, während die Liechtensteiner Vermögensverwaltung Incrementum AG mit am optimistischsten gestimmt ist.

Silberprognosen Q4 2016 2017 2018 2019 2020
Anzahl 24 24 15 10 8
Durchschnitt (in USD) 17,13 17,76 18,76 23,21 27,60
Tief (in USD) 13,50 13,30 15,80 15,00 16,00
Hoch (in USD) 21,00 26,00 30,00 57,00 68,00

Quelle: Bloomberg; Stand: 15.07.2016

Mit Blick auf langfristige Prognosen fällt vor allem eines auf: die Bandbreite der Analystenprognosen wird immer größer und zeugt somit von einem hohen Maß an Uneinigkeit. Für 2019 schwanken die Kursziele zum Beispiel zwischen 15 und 57 Dollar und für 2020 sogar zwischen 16 und 68 Dollar (siehe Tabelle). Die beiden Höchstwerte kommen übrigens ebenfalls von der Incrementum AG.

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