Stand: 23.11.2020 von Jörg Bernhard
Am 17. November veröffentlichte der internationale Branchenverband „The Silver Institute“ (Silberinstitut) seinen Jahresausblick hinsichtlich der Perspektiven des Silbermarktes und lieferte interessante Daten zur weltweiten Entwicklung von Angebot und Nachfrage.
The Silver Institute: Aktuelle Prognose zum globalen Silbermarkt

Acht Kernaussagen über den Silbermarkt 

Die Interessenvertretung großer Silberminen, Silberraffinerien, Schmuckhersteller und Händler weist in der Studie acht Kernaussagen aus:

  1. Im MarktsegmentSilberbarren & Silbermünzen“ erwartet das Silberinstitut für das Jahr 2020 einen Anstieg der Verkäufe um 27 Prozent auf ein Fünfjahreshoch von 236,8 Mio. Unzen.

    Dabei soll im weltgrößten Silbermarkt USA ein Plus von 62 Prozent und im zweitgrößten Markt Indien ein Minus von 20 Prozent zu Buche schlagen.

  2. Eine besonders positive Entwicklung attestiert das Silberinstitut vor allem dem ETF-Sektor, der bis Mitte November Zuflüsse in Höhe von 326 Mio. Feinunzen verzeichnet hat. Damit belaufen sich die hinterlegten Silberbestände auf über eine Mrd. Unzen. Auf Gesamtjahressicht sollen sich die Zuflüsse noch auf 350 Mio. Unzen erhöhen.

    Zur Erinnerung: Für 2019 war ein Wert von lediglich 81,7 Mio. Feinunzen gemeldet worden.

  3. Silber war in diesem Jahr nach dem Corona-Crash als „sicherer Hafen“ stark gefragt. Für das laufende Jahr wird ein durchschnittlicher Silberpreis von 20,60 Dollar prognostiziert, nachdem im vergangenen Jahr ein Wert von lediglich 16,21 Dollar registriert worden war.

  4. Auf der Angebotsseite war das Jahr 2020 vor allem von den Lockdowns negativ beeinträchtigt worden, was sich vor allem in den wichtigen Silberfördernationen Mexiko, Peru und China negativ niedergeschlagen hat. Für das Gesamtjahr rechnet das Silberinstitut derzeit mit einem Rückgang der Minenproduktion um 6,3 Prozent p.a. auf 780,1 Mio. Unzen.

  5. Wenig überraschend hat sich die industrielle Nachfrage corona-bedingt – insbesondere in den Monaten März und April – stark negativ entwickelt.

    • Unterbrochene Lieferketten
    • vorsichtiges Bestandsmanagement
    • und personelle Engpässe waren hierfür hauptverantwortlich. 

    Aufgrund dieser Marktgegebenheiten rechnet das Silberinstitut bis Ende Dezember mit einem Nachfragerückgang in Höhe von neun Prozent auf das Fünfjahrestief von 466,5 Mio. Feinunzen.

  6. In wichtigen Industriesegmenten wie der Photovoltaik oder dem Automobilsektor soll sich die Silbernachfrage gegenüber dem Vorjahr sogar um elf bzw. über 17 Prozent reduzieren.

  7. Deutlich schlimmer sehen die Nachfrageperspektiven in den beiden Marktsegmenten Schmuck und Silberware aus. Besonders stark hat vor allem die indische Nachfrage gelitten. Neben dem rekordhohen Silberpreis in Rupien belastete dort vor allem das stark rückläufige verfügbare Einkommen.

    Auf Gesamtjahressicht droht laut Silberinstitut ein weltweiter Rückgang der Schmucknachfrage um 23 Prozent auf 153,6 Mio. Unzen und ein Einbruch um 34 Prozent auf 40,8 Mio. Feinunzen bei Silberwaren.

  8. Besonders wichtig: Für das Jahr 2020 wird zwar beim Angebotsüberschuss ein Zuwachs von 26,0 auf 31,5 Mio. Unzen (+21 Prozent) erwartet, dieser sollte allerdings durch die prognostizierten ETF-Zuflüsse von 350 Mio. Unzen problemlos absorbiert werden (siehe Tabelle).

Silberangebot und -nachfrage 

  globale Nachfrage in Mio. Unzen: 2019 2020 geschätzt Differenz
Schmuckbranche 200,2 153,6 -23,3 %
Silberware 62,1 40,8 -34,3 %
Industrie 510,9 466,5 -8,7 %
Fotosektor 32,7 28,2 -13,8 %
Physische Investments (netto) 187,0 236,8 26,6 %
Hedging (Preissicherung) - 5,0
insgesamt: 993,0 930,9 -6,3 %
  globales Angebot in Mio. Unzen:
Minenangebot 832,3 780,1 -6,3 %
Hedging (Preissicherung) 15,7 -
Recycling 169,9 181,1 6,6 %
insgesamt: 1018,9 962,4 -5,5 %
Angebotsüberschuss 26,0 31,5 21,2 %
Nettozuflüsse in ETFs 81,7 350,0 328,4 %
Angebotsdefizit -55,7 -318,5 471,8 %
Quelle: The Silver Institute / Metals Focus - Hier können Sie den Originalbericht in englischer Sprache herunterladen.

Ausblick für die laufende Woche

In der vergangenen Woche hat die Attraktivität des Krisenschutzes Gold spürbar nachgelassen. Dies kommt unter anderem durch die massiven Abflüsse beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares zum Ausdruck.

Dessen gehaltene Goldmenge hat sich nämlich innerhalb von zwei Wochen von 1.260,30 auf 1.220,17 Tonnen (minus 40,13 Tonnen) reduziert. Auf Basis des aktuellen Goldpreises entspricht dies einem Gegenwert von immerhin 2,4 Milliarden Dollar.

Unter Investoren hat das Schutzbedürfnis aufgrund der Hoffnung auf eine baldige Zulassung mehrerer Covid-19-Impfstoffe offensichtlich spürbar nachgelassen.

Da sich trotz dieser zweifellos positiven Signale die Pandemie auf kurze Sicht nicht in Wohlgefallen auflösen wird und staatliche Hilfsmaßnahmen zur Stützung der Wirtschaft weiterhin benötigt werden, dürfte der altbewährte Vermögensschutz auf Sicht von Jahren bzw. Jahrzehnten Anlegern nach wie vor wertvolle Dienste leisten.

Den internationalen Notenbanken ist es zwar noch nicht gelungen, die Inflation in Richtung zwei Prozent zu treiben. Aber was nicht ist, wird sicherlich in nicht allzu ferner Zukunft noch werden.

Autor: Jörg Bernhard
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von ich | 23.11.2020, 18:37 Antworten

"Unter Investoren hat das Schutzbedürfnis aufgrund der Hoffnung auf eine baldige Zulassung mehrerer Covid-19-Impfstoffe offensichtlich spürbar nachgelassen." Manchmal frage ich mich, ob das hier eine Satire-Seite ist oder ob ich einfach zu blöde bin die Ironie zu verstehen. Aber eins von beiden muss es sein! Nichtsdestotrotz dürfte der Dauerleser hier schon längst gemerkt haben, dass Herr Bernhard eher den Linkssozialismus zugeneigt ist. Der Fall wird tief, hart und er kommt unaufhaltsam näher.

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