Stand: 02.10.2019 von Egmond Haidt 1 Kommentare

US-Präsident Donald Trump behauptet regelmäßig, dass es der US-Wirtschaft besser gehe als je zuvor. Allerdings zeichnen die jüngsten Konjunkturdaten ein ganz anderes Bild. Umso mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed ihren Zinssenkungszyklus fortsetzen dürfte.

Wie oft haben in den vergangenen Monaten sogenannte Experten gesagt, dass sich die US-Wirtschaft von der schwachen Weltwirtschaft abkoppeln und trotz des Handelskriegs mit China weiter gut laufen werde? Unzählige Male. Nach den neuesten US-Konjunkturdaten dämmert vielen Investoren allerdings, dass das ein Trugschluss war und die US-Wirtschaft vielmehr zügig in eine Rezession abrutschen dürfte. 

So war der Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie, einer der wichtigsten Frühindikatoren für die US-Wirtschaft, im September von 49,1 auf 47,8 Punkte eingebrochen – das war das niedrigste Niveau seit Juni 2009. Sie lesen richtig: seit Juni 2009! Damit ist der Index noch tiefer unter die 50er-Marke gesunken und zeigt damit ein Schrumpfen des Sektors an.

Nach der Veröffentlichung der Daten sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen, DAX und S&P500 eingebrochen, während der Goldpreis einen Kurshüpfer nach oben gemacht hat. Besonders besorgniserregend ist, dass die Indexkomponente mit den Auftragseingängen aus dem Ausland auf nur mehr 41 Punkte kollabiert ist – das ist der niedrigste Wert seit März 2009 und signalisiert damit eine Beschleunigung der Rezession in dem Sektor.

US-Wirtschaft ist auf dem Weg in eine Rezession

Da die 2008/09er-Schuldenkrise in den USA unmissverständlich gezeigt hat, dass die Schwäche aus der Industrie üblicherweise innerhalb weniger Monate auf den viel größeren Dienstleistungssektor überschwappt, leuchten bei Investoren alle Warnlampen dunkelrot. Ich bin daher weiterhin der Überzeugung, dass die US-Wirtschaft insgesamt zügig auf dem Weg in eine Rezession ist. Das sollte eine weitere Talfahrt der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen in Richtung der Rekordtiefs von 1,34 Prozent vom Juli 2016 klar widerspiegeln.

Dass die schwache Konjunktur inzwischen sogar auf den Arbeitsmarkt übergeschwappt ist, zeigt der Arbeitsmarktbericht von ADP. Demnach hat die US-Privatwirtschaft im September lediglich 135.000 Jobs geschaffen, was unter den Vorhersagen der Volkswirte von 145.000 lag. Zudem sind die Zahlen für August von 195.000 auf 157.000 nach unten korrigiert worden. Die Daten haben für zusätzlichen Verkaufsdruck auf DAX und S&P500 gesorgt, während der Goldpreis weiter beflügelt worden ist.

Offensichtlich geht es der US-Wirtschaft und damit dem Arbeitsmarkt längst nicht so gut, wie US-Präsident Donald Trump bei jeder Gelegenheit behauptet. Umso nervöser warten Investoren auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht am Freitag, 4. Oktober 2019. Sollte er ebenfalls enttäuschen, dürften die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen, DAX und S&P500 weiter einbrechen, wohingegen Investoren weiter zu Gold greifen dürften.

US-Notenbank muss Zinssenkungskurs fortsetzen

Die Sorge vor einer möglichen Rezession bringt die Fed zusehends unter Druck, die Zinsen weiter zu senken, zumal Trump die Notenbank immer stärker kritisiert. Zuletzt ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte bei der nächsten Sitzung am 30. Oktober auf rund 80 Prozent nach oben geschossen. Das wäre die dritte Reduktion der Zinsen innerhalb weniger Monate. Viele Analysten gehen ohnehin davon aus, dass die Fed ihren Zinssenkungszyklus in den nächsten Monaten fortsetzen dürfte.

Das würde das weltweite Volumen von Anleihen mit Strafzinsen von zuletzt umgerechnet 14,8 Billionen Dollar weiter nach oben treiben. Im Gegenzug wird physisches Gold zusehends attraktiver, weil man damit Strafzinsen umgehen kann. Zudem ist es für mich nur noch eine Frage der Zeit, bis die Fed zum Gelddrucken, sprich dem Kauf von Anleihen, zurückkehren wird. Das würde für zusätzlichen Abwärtsdruck auf die Zinsen sorgen.

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Sorge vor US-Rezession stützt Goldpreis
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [1]
  • von Goldhamster | 03.10.2019, 07:41 Antworten

    Klasse Artikel und besser als jeder Blick in eine Glaskugel als technische Analyse......

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