Stand: 19.10.2017 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Nach einem kurzen Ausflug über die Marke von 1.300 Dollar hat der Goldpreis wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Bei Investoren hat die Nervosität zugenommen, wen US-Präsident Donald Trump als Nachfolger von Janet Yellen nominieren könnte. Sind die Sorgen berechtigt?

Kurzfristig beschäftigt Investoren vor allem ein Thema: Wer wird der neue Chef der US-Notenbank werden? Anleger befürchten, dass Donald Trump innerhalb weniger Tage einen geldpolitischen Falken zum Nachfolger von Janet Yellen nominieren könnte.

Er könnte die Leitzinsen möglicherweise stärker erhöhen, als die Fed bislang angekündigt hat. Yellen und ihre Kollegen haben bislang immer drei Erhöhungen für 2018 signalisiert. In dem Umfeld sind der Dollar und die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen deutlich gestiegen, woraufhin der Goldpreis Gegenwind bekam.

Taylor-Regel bedeutet viel höhere Leitzinsen

Die Sorgen begannen nach einem Medienbericht hochzukochen, dass Trump von einem Treffen mit John Taylor beeindruckt gewesen sei. Taylor ist laut Trump einer der fünf Kandidaten für Yellens Nachfolge.

Taylor war unter George W. Bush im US-Finanzministerium und hat erhebliches Gewicht bei den republikanischen Abgeordneten. Der Wirtschaftsprofessor an der Stanford University hat die Taylor-Regel erfunden, anhand derer sich der Leitzins orientieren soll. Die Regel basiert auf etlichen Kennzahlen, wie dem neutralen Zinssatz, der Inflation und der Arbeitslosenquote. Der neutrale Zinssatz gibt an, bei welchem Zins die Wirtschaft weder gebremst noch stimuliert werden würde.

Auf Basis dieser Regel sollten die Leitzinsen bei 3,7 Prozent sein und damit meilenweit über dem aktuellen Niveau von 1,0 bis 1,25 Prozent, wo sie derzeit liegen.

Wie schön wäre es, wenn die Fed mal wieder klar sagen würde, ob der der Zinssatz nun bei 1,0 oder bei 1,25 Prozent liegt, so wie es früher einmal war. Aber das nur am Rande.

Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen will die Fed das aber nicht mehr. Die Anwendung der Taylor-Regel würde deutlich höhere Leitzinsen bedeuten, weshalb die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen und der Dollar deutlich gestiegen sind.

Wer wird Yellens Nachfolger?

Ehe die Korrektur bei der Goldpreisentwicklung Anleger nervös machen sollte, sollten sie allerdings erst einmal darüber nachdenken, ob Taylor wirklich Yellens Nachfolger werden könnte. Wie ich wiederholt geschrieben habe, sind steigende Zinsen das Allerletzte, was Trump gebrauchen kann. Immerhin hat das Schuldenmachen zuletzt deutlich Fahrt aufgenommen, woraufhin die Staatsschulden auf den Rekord von 20,42 Billionen Dollar gestiegen sind.

Staatsverschuldung USA erstmals über 20 Billionen Dollar
Staatsverschuldung USA erstmals über 20 Billionen Dollar

Laut der US-Website predictit.org, auf der Kunden auf den Ausgang politscher Ereignisse in den USA wetten können, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Ernennung Taylors bei lediglich 19 Prozent. Damit liegt er abgeschlagen auf Rang vier, hinter Jerome Powell, Janet Yellen und Kevin Warsh. Investoren befürchten allerdings, dass auch die anderen Kandidaten im Gegensatz zu Yellen Falken sind.

Yellens Nachfolger sind die Hände gebunden

Wer auch immer Yellens Nachfolger werden wird - er kann nicht kräftig auf die Bremse treten. Denn nicht nur die Schulden des Staates, sondern auch die der privaten Haushalte und der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors steigen auf immer neue Rekordhochs.

Dennoch haben Investoren begonnen zuletzt zu spekulieren, dass die Fed im nächsten Jahr tatsächlich deutlich auf die Bremse treten könnte. Nach Amtsantritt des neuen Fed-Chefs könnten die Sorgen aber bald verfliegen, denn er dürfte nur sehr behutsam zur Tat schreiten, weil er kein Interesse haben kann, die Wirtschaft mit zu starken Zinserhöhungen in die Rezession zu schicken.

In dem Umfeld müsste er die Zinsen nämlich schnell wieder senken oder sogar ein neues Gelddruckprogramm QE4 auflegen. Der Neue könnte bereits vor seiner Nominierung betonen, dass er „flexibel“ sein werde. Taylor hat zuletzt selbst gesagt, dass durch seine Regel Notenbankern nicht die Hände gebunden werden dürften. Er signalisierte zudem die Bereitschaft, seine Schätzung für den neutralen Zinssatz anzupassen. Damit kann nur eine Anpassung nach unten gemeint sein, was wiederum einen nicht ganz so hohen Leitzins bedeuten würde, wie die derzeitige Anwendung der Regel signalisiert. Taylor scheint offenbar „flexibel“ zu sein.

Anleger sollten den Dollar und die US-Zinsen genau im Auge behalten. Und dann wird es spannend werden, wen Trump nominieren wird.

Sorge wegen Yellen-Nachfolge drückt den Goldpreis
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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