Gold: 1.593,32 € +0,06 %
Silber: 20,16 € +0,19 %
Stand: 29.11.2021 von Hannes Zipfel
Ein Vorgeschmack auf das, was in den kommenden fünf Handelstagen auf die Finanzmärkte zukommen könnte, bot bereits die letzte Handelswoche: Kollaps der türkischen Lira, Einbruch des Ölpreises, Minicrash am Aktienmarkt, Ausbreitung der Delta-Welle, Grenzschließungen, Lockdowns und zu allem Überfluss noch das Auftauchen einer neuen Vielfachmutante des Coronavirus.
Die spannendste Woche des Jahres

Mit Argusaugen werden die Anleger in der KW 48 daher auf diese Daten und Entwicklungen schauen

  • Ausbreitung der Delta-Welle sowie der Omikron-Variante

  • Montag: Deutsche Inflationsrate (e: Sprung über die 5-Prozent-Marke)

  • ienstag: Chinesischer Einkaufsmanagerindex (e: unter 50)

  • Freitag: Türkische Inflationsrate (e: Sprung über die 20 Prozent-Marke)

  • Freitag: US-Arbeitsmarktdaten (Nonfarm Payrolls)

Turbulenter Advent

Die besinnliche Adventszeit wird zum zweiten Mal im Verlauf der Corona-Pandemie von der Dynamik der Herbst-/Winterwelle und den daraus resultierenden Restriktionen überlagert.

Eigentlich hatten die professionellen Anleger ebenso wie viele Privatanleger das Jahr gedanklich bereits abgehakt und sich auf eine Jahresendrallye eingestellt. Die Investitionsquote liegt weit über dem historischen Durchschnitt.

Die Aktien-Kredite in den USA erreichten am letzten Donnerstag sogar einen neuen Rekordstand.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die ambitionierten Erwartungen vieler Marktteilnehmer auf die nüchterne Realität treffen. Eine zuerst in Südafrika nachgewiesene neue Variante des Corona-Virus brachte das Fass der ohnehin vorhandenen Marktrisiken am vergangenen Freitag an den Börsen schließlich zum Überlaufen.

Die Mutante namens „Omikron“, benannt nach dem 15. Buchstaben des griechischen Alphabets (Ὄμικρον), sticht durch zahlreiche Mutationen, einen hohen Ansteckungswert (R-Wert 2) und der potenziellen Gefahr von Impfdurchbrüchen hervor.

Bereits in den letzten Tagen und Wochen konnte man absehen, dass die Delta-Welle ungewöhnlich dynamisch verläuft. Doch die an den Finanzmärkten tonangebenden Amerikaner fühlten sich davon wenig tangiert.

Stattdessen stürzte man sich ohne nennenswerte Kontaktbeschränkungen in einen viertägigen Thanksgiving-Urlaub – eine der reiseintensivsten Zeiten des ganzen Jahres in den Vereinigten Staaten. Noch vor einem Jahr hatte man bewusst auf dieses Virusverbreitungsrisiko verzichtet.

Die Impfquote ist jenseits des Atlantiks mit 59,1 Prozent niedriger als in Deutschland mit aktuell 68,4 Prozent. Der Thanksgiving-Leichtsinn könnte sich im Nachhinein als fataler Fehler für die größte Volkswirtschaft der Welt erweisen.

Bereits seit Ende Oktober steigen die Werte auch in Teilen der USA wieder deutlich an – noch vor dem Erntedankfest und vor dem Eintreffen der Omikron-Variante. In den letzten Tagen sanken die Zahlen zwar deutlich, was die Börsen heute feiern, dies dürfte gleichwohl lediglich der Tatsache geschuldet sein, dass während der US-Feiertage die Datenweitergabe nur unvollständig erfolgte. Spätestens in vierzehn Tagen wird sichtbar werden, welchen Preis die US-Gesellschaft für das diesjährige Beisammensein zu Thanksgiving wird zahlen müssen.

Wie so oft reagieren die Amerikaner mit Zeitverzögerung auf das, was den Rest der Welt längst in Sorge umtreibt, dann aber umso heftiger – wie bereits im März 2020 zu Beginn der ersten Corona-Welle.

Umdenken auch beim Goldpreis

Seit Anfang November reagierte der Goldpreis durch steigende Notierungen auf die heraufziehende Gewitterfront für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft. Gegenwind für das gelbe Edelmetall kam jedoch aus den USA, wo die Annahme dominierte, dass sich die Lage weltweit normalisiere und die US-Notenbank zügiger als erwartet ihr Anleihekaufprogramm reduziert (Tapering) und die Zinsen im kommenden Jahr drei Mal anhebt, um die sich beschleunigende Preisinflation zu bekämpfen.

Die Verlängerung der Amtszeit von Jerome Powell verstärkte zuletzt den Abverkauf von Gold, was in Anbetracht der von Powell betriebenen Geldpolitik bizarr anmutet. Der Mann ist ein Garant für historisch hohe reale Negativzinsen und eine explodierende US-Dollar-Geldmenge und damit perspektivisch auch ein Garant für steigende Goldpreise.

Von einer schnellen Zinswende ist aktuell keine Rede mehr.

Noch gibt es jedoch namhafte US-Investmentbanken, die keinen Grund für eine Änderung ihrer Prognosen oder gar für eine Anpassung ihrer Portfoliozusammensetzungen sehen. Sie blenden die Realität und die offensichtlichen Risiken wohl aus Angst vor Reputationsverlusten aus. Verlassen sollte man sich auf deren Rat also nicht.

Wahrscheinlicher ist aus heutiger Sicht ein Szenario, bei dem die Inflation weiter ansteigt, da die Lieferkettenverspannungen durch neue Corona-Restriktionen nochmals zunehmen. Erst heute Morgen veröffentlichte das Münchner ifo-Institut eine Umfrage unter deutschen Firmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, die diesbezüglich zur Vorsicht mahnt: 74,4 Prozent der Befragten berichtet für den November 2021 von Engpässen bei der Materialbeschaffung.

Das sind vier Prozentpunkte mehr als noch im Oktober.

Heute Morgen hat zudem Japan als drittgrößte Industrienation der Welt seine Grenzen hermetisch abgeriegelt. Österreich befindet sich bereits im Lockdown. Deutschland steuert auf weitere harte Restriktionen zu, da die bundesweite Überlastung des Gesundheitssystems nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) nur noch wenige Tage entfernt ist.

Es droht auch hierzulande ein Total-Lockdown, wenn auch unter anderer offizieller Bezeichnung.

Die bedeutendsten Notenbanken der Welt, die sich bislang mit Händen und Füßen gegen eine Straffung der Geldpolitik wehrten, werden die neuerlichen Belastungen für die Konjunktur zum Anlass nehmen, um ihre ultralaxe Geldpolitik beizubehalten.

Eine Normalisierung der Geldpolitik ist somit weiterhin nicht in Sicht.

Das gilt auch für die US-Notenbank Fed – auch wenn das in den USA die Mehrheit der Anleger noch nicht wahrhaben will.

Für die Preise der Edelmetalle aber auch für alle anderen Vermögenswerte bedeutet dies weitere Unterstützung durch eine anhaltend ultralaxe Geldpolitik. Aber wie so oft an der Börse, könnte es zunächst heftige Turbulenzen geben, bevor die Zentral- und Notenbanken als Retter in der Not ihren großen Auftritt bekommen.

Dieser 180-Grad-Schwenk, vor allem der US-Geldpolitik, wird dann jedoch sehr schnell erfolgen. Entweder, wenn die Aktienmärkte von der Erdanziehungskraft erfasst werden oder die Konjunkturdaten sich signifikant verschlechtern.

In der folgenden Übersicht finden Sie wichtige Termine, die in der aktuellen Handelswoche richtungsentscheidend werden können.

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 14:00 Uhr DE: Verbraucherpreise November (Jahr) 5,2 % 4,5 %
Dienstag 2:00 Uhr CNY: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe (Nov.) 49,6 49,2
Dienstag 9:55 Uhr DE: Arbeitslosenrate (Nov.) 5,3 % 5,4 %
Dienstag 16:00 Uhr USA: Verbrauchervertrauen Conference Board (Nov.) 110,9 113,8
Dienstag USA: Rechenschaftsbericht des Fed-Chefs Jerome Powell vor dem US-Senat - -
Mittwoch 14:15 Uhr USA: ADP Stellenzuwachs im privaten Sektor (Woche) 520k 571k
Mittwoch 16:00 Uhr USA: ISM Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe (Nov.) 61,0 60,8
Mittwoch 16:30 Uhr USA: Öllagerbestände in Mio. Barrel -0,481 1,017
Mittwoch 20:00 Uhr USA: Konjunkturbericht der Fed „Beige Book“ - -
Donnerstag 11:00 Uhr CH: OPEC-Meeting zur monatlichen Ölfördermenge in Barrel - 400k
Freitag 8:00 Uhr TRY: Verbraucherpreisinflation (Nov. / Jahr) 20,7 % 19,89 %
Freitag 14:30 Uhr USA: Neue Arbeitsstellen außerhalb der Landwirtschaft (Nov.) 531k 550k
Freitag USA: Stundenlöhne (Nov. / Jahr) 5,0 % 4,9 %
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Sturmreif | 30.11.2021, 20:04 Antworten

Das 2G (Grundgesetz) wurde heute sturmreif geschossen und zwar von seiner eigenen (vor-)letzten Verteidigungsinstanz. Die Allerletzte wären dann wir.
China und US rüsten derweil auf, gehen sich auf die Pelle und auch Putin rückt näher.
Hier wird man gezwungen sich mit dem übrig geblieben Hab und Gut zu verkrümeln bzw. zu verkriechen - aber nicht ohne die Nadel im A...rm. In 20 bis 25 Jahren werden nach alter Manier die Akten geöffnet und die Historiker werden den Schülern und Leuten von dubiosem Lobbyismus und dessen Folgen für die Menschheit berichten. Sofern es dann noch (freie) Berichterstattung gibt.

von Goldhamster | 30.11.2021, 18:58 Antworten

Es ist schön zu sehen wie sich die Zocker und OS-Spekulanten die Hände verbrennen. Jedem der sein Fiat-Money dauerhaft umrubeln will, kann dies ganz natürlich über gleichmäßige Nachkäufe bei derzeit fallenden Preisen realisieren. Der Wert eines Edelmetallhaufens kann jederzeit einen anderen Papiergeldwert darstellen. Ruhe bewahren und es wird kein Gramm weniger :-)

von Andi | 29.11.2021, 19:24 Antworten

Nach all den "Garantien" und der Inflation müsste der Goldpreis längst bei 2500$ stehen...
Ich sehe eigentlich nur rumgedümple.

Copyright © 2009-2022 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inkl. MwSt. (mit Ausnahme von Anlagegold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.