Stand: 15.04.2014  4 Kommentare

Greift Russland nach der Krim nun auch nach weiteren Teilen der Ukraine? Die Finanzmärkte stehen unter Druck, nachdem ein Ende der Krim-Krise nicht absehbar ist und neue Drohkulissen aufgebaut wurden. Der Goldpreis gewinnt als "sicherer Hafen? an Bedeutung - belastend wirkt sich die geopolitische Lage hingegen auf Silber aus, der "kleine Bruder? von Gold verliert weiter an Wert.

Der Goldpreis hat einen erfolgreichen Start in das Jahr 2014 hingelegt - bislang hat Gold etwa zehn Prozent an Wert zugelegt. Allerdings folgte nach einer kleinen Hausse, die vor allem durch die politische Unsicherheit auf der Krim getrieben wurde, eine Entspannungsphase. Denn als die große Eskalation zwischen Russland und der Ukraine ausblieb, kühlte sich auch der Goldpreis wieder ab. Jetzt, wo weitere Unruhen in der Region wahrscheinlich sind, werden die Rohstoffmärkte kräftig durcheinander gewirbelt. Die Tageszeitung "DIE WELT" beschreibt, dass die Folge der politischen Unsicherheit seit Tagen auf den Kursgrafiken der wichtigsten Indizes zu erkennen: Die Aktienmärkte stehen unter Druck. Der US-Technologieindex Nasdaq hat die stärkste Verlustserie seit 2011 erlitten.

"Hilfe? für den Nachbarn oder Imperialismus?

Gold profitiert dagegen von dem Konflikt, der Preis pro Feinunze Gold stieg zu Wochenbeginn zeitweise um fast zehn Dollar auf 1330 Dollar. Auf Jahressicht steht bislang ein Zuwachs von etwa zehn Prozent. Und von einer Entspannung ist die Ukraine dem Bericht zufolge noch weit entfernt - die Ost-Ukraine wird von bewaffneten Protesten und Besetzungen von öffentlichen Gebäuden erschüttert. Wladimir Putin denkt inzwischen auch offen über Hilfe nach, westliche Regierungen warnen vor einem Einmarsch in das Nachbarland.

Weil die Ukraine eine wichtige Durchgangsstation für Ölexporte in den Westen und Russland einer der größten Energieproduzenten der Welt ist, hat der Konflikt direkte Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Die "WELT" erinnert an den Einmarsch der Sowjets in Afghanistan 1979, als sich der Goldpreis verdoppelte. Noch ist ein solcher Schritt eher unwahrscheinlich, doch die Börsianer haben dem Bericht zufolge die Ukraine-Krise auf die leichte Schulter genommen. Nun schichten sie ihr Geld wieder verstärkt in Sicherheit um.

Während der Goldpreis von den Unruhen profitieren kann, zeigt Silber in die entgegen gesetzte Richtung. In der jetzigen geopolitischen Lage wird es nicht mehr als Krisenwährung angesehen, zudem wird bei Auswirkungen auf die Weltwirtschaft auch weniger Silber in der Industrie benötigt. Die Befürchtung von verschärften Handelsbeschränkungen lastet auf dem Silberpreis. Die Stimmung für Gold hellt sich also auf, wie beispielsweise das aktuelle "Citi-Investmentbarometer" zeigt. Hier gaben 56 Prozent der befragten Anleger an, dass sie auf Sicht von drei Monaten mit einem steigenden Goldpreis rechnen. "Die Investoren wittern offenbar eine Trendwende beim Goldpreis", sagt Citi-Manager Dirk Heß dem Bericht zufolge.

Starker Euro belastet Krisenländer

Während der Dollar durch die jahrelange Nullzinspolitik der US-Notenbank FED sowie durch die Ausweitung der Geldmenge infolge der Anleihekäufe immer mehr an Wert verliert, strahlt die europäische Gemeinschaftswährung: Der Euro ist inzwischen rund 1,40 US-Dollar wert und hat zwei Jahre seit seinem Tiefpunkt einen guten Ruf. Doch was USA-Urlauber freut und als Lichtblick in der Eurokrise verstanden werden könnte, lastet auf der wirtschaftlichen Entwicklung der Eurozone. Wie "Spiegel Online " berichtet, will EZB-Präsident Mario Draghi den Euro mit allen Mitteln drücken - die Stärkung des Wechselkurses werde eine weitere Anpassung der Geldpolitik nötig machen, sagte er jüngst in Washington. Denn durch den starken Euro werden die Produkte der Euroländer im Ausland zu teuer und verkaufen sich deutlich schlechter. Und darunter leiden vor allem die Krisenländer wie Spanien, Portugal und Griechenland, die im Export punkten wollen. Unter Druck stehen auch klassische Exportnationen wie Italien und Frankreich. Durch den hohen Wechselkurs droht zudem weiteres Ungemach - in einigen Euro-Ländern fallen die Preise bereits, Deflation belastet die Volkswirtschaften und könnte eine Spirale aus niedrigeren Investitionen und sinkenden Löhnen in Gang setzen.

Und die Möglichkeit einer Deflation, also eines gefährlichen Preisverfalls, sei realistischer denn je, denn die Inflationsrate entfernt sich immer weiter vom Zielwert der EZB, der bei knapp unter 2 Prozent liegt. Erst bei diesem Wert gehen Ökonomen von einer gesunden Preisstabilität aus. Doch das Schneckentempo bei den Preissteigerungen deutet aktuell eher auf eine Deflation hin, die Wirtschaft und Konsum lähmt - wenn Verbraucher und Firmen immer weiter sinkende Preise erwarten und weniger konsumieren, lahmt die Wirtschaft. In anderen Ländern wie Griechenland und Spanien ist die Deflation längst angekommen. Die EZB hatte erst im November den Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt, es besteht also nur noch wenig Spielraum beim Zeitzins. Eine Lockerung könnte lediglich durch neue Schritte eintreten, beispielsweise den Ankauf von Wertpapieren im großen Stil. Dadurch würde mehr Geld in die Märkte fließen - Aktienbesitzer hoffen also auf eine weitere Lockerung der EZB-Zinspolitik.

Charttechnik: Gold hat "goldenes Kreuz" bezwungen

Der Goldpreis kämpft seit Wochen mit zwei charttechnischen Marken, nämlich dem sogenannten "goldenen Kreuz" und dem "Todeskreuz ". Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung " erklärt, was dahinter steckt: Hierbei wird die Linie des kurzfristigen 50-Tage-Trends in den Blick genommen - wenn diese den langfristigen 200-Tage-Trend positiv nach oben überwindet, liegt ein "goldenes Kreuz" vor. Entwickelt sich der 50-Tage-Trend dagegen negativer als der 200-Tage-Trend, ist von einem "Todeskreuz" die Rede. Beide Chartformationen haben in der Vergangenheit maßgeblich die weitere Entwicklung des Goldpreises beeinflusst, weil Charttechniker beim "Todeskreuz" weitere Kursverluste prognostizieren und auch Handelsprogramme sich nach diesen Formationen richten und Verkaufssignale auslösen. Bei einem "goldenen Kreuz" erwarten Charttechniker dagegen steigende Preise. Und das goldene Kreuz wurde bereits mehrfach erreicht. Rückenwind hat der Goldpreis durch die Klarstellung der US-Notenbank Fed bekommen, die deutlich gemacht hat, dass eine Zinswende auf mittlere Sicht nicht bevorsteht. Auch die Eskalation im Ukraine-Konflikt sorgt dafür, dass die Nachfrage nach dem "sicheren Hafen" wieder zunimmt.

Entsteht auf dem chinesischen Häusermarkt die nächste Blase?

Die Aktienmärkte dürften in den kommenden Wochen wegen einer Entwicklung ins Trudeln geraten, die schon lange absehbar war, jedoch in Deutschland weitestgehend ignoriert wurde: Die Situation auf dem Immobilienmarkt in China spitzt sich zu - die Immobilienpreise sind massiv in die Höhe geschossen, sodass sich die meisten Chinesen inzwischen eine eigene Wohnung nicht mehr leisten können. Die "Wirtschaftswoche " beleuchtet die Crash-Gefahr und erinnert an den Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller, der bereits im Jahr 2009 auf die Verwerfungen am Immobilienmarkt hingewiesen hatte. Kreditexzesse und Preisübertreibungen sowie ein massives Überangebot an Wohnungen hätten die Situation weiter verschärft, doch die Planungen für neue Großprojekte reißen nicht ab. Im Jahr 2013 wurde fünfmal mehr Wohnfläche geschaffen als noch im Jahr 2000. Der Grund für den Bau-Boom: Die lockere Geldpolitik der Notenbank. Sie leiht frisches Geld praktisch zum Nulltarif und begünstigt somit neue Bauprojekte. Doch entsprechender Bedarf an Wohnflächen ist offenbar nicht vorhanden - jede vierte Wohnung steht dem Bericht zufolge leer.

Experten-Prognose: Silber-Schwäche sollte bald überstanden sein

Für Silber sehen die Prognosen allerdings langfristig nicht allzu pessimistisch aus, wie ein Kommentar auf "Focus Online " deutlich macht. Dort erklärt der als "Silberjunge" bekannte Edelmetallexperte Thorsten Schulte, warum er dem weißen Metall auch weiterhin die Treue hält. Er glaubt, dass das Potenzial der Aktien fast ausgereizt ist, bei Silber dagegen große Chancen warten. Schulte beleuchtet das Verhalten der Investment-Bank Goldman Sachs kritisch, die wiederholt mit Abgesängen auf Gold und Silber für Kursrückgänge gesorgt hat. "Die Welt ist viel zu hässlich, als das Gold und Silber wirklich schwach werden könnten", resümiert Schulte. Er rechnet vor, dass der Wert der Aktien in den USA im ersten Quartal 2014 stolze 127 Prozent der Wirtschaftskraft erreicht habe und so nur noch knapp unter dem Hoch während der großen Aktienblase zur Jahrtausendwende liegt. Schulte erinnert, dass sich während der allgemeinen Hausse der Rohstoffe seit Oktober 2001 Gold in der Spitze fast versechsfachen und Silber fast verelffachen konnte. Nach seiner Berechnung bietet sich zwischen 17,5 und 20 Dollar mittel- bis langfristig ein einzigartiges Chance/Risiko-Profil. Die meisten Anleger warten allerdings noch auf starke Wertzuwächse, bevor sie selbst wieder Gold kaufen. Wer dem Markt einen Schritt voraus sein will, sollte nun antizyklisch handeln und bereits jetzt seine Silberbestände ausbauen.

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Kommentare [4]
  • von silver1000 | 16.04.2014, 14:25 Antworten

    Wir können doch Eines feststellen...

    Der Preis von Gold und Silber spiegelt nicht dessen Wert wieder.
    Hier ist nichts mit Nachfrage und Angebot!
    Man möge unterscheiden, was derzeit unter- oder überbewertet ist.
    Siehe Vergangenheit.

    Ich gebe wylli mit dieser Tatsache vollkommen Recht.

    Und Peter... Sie haben zwei Fragezeichen vergessen.

  • von copa | 16.04.2014, 14:07 Antworten

    Das nächste Ziel der Nato...
    Wo leben sie Peter?

  • von Peter | 16.04.2014, 08:11 Antworten

    Sie Träumen wohl???????????????

  • von wylli | 15.04.2014, 19:30 Antworten

    Schaut sich mal einer die neue "Regierung" in der Ukraine an!!
    Damit ist die EU zufrieden? Das ist lächerlich...
    Ein weiteres Land im Chaos.
    Wer ist Schuld?
    Mit Blick nach Westen über den Ozean, United Banksters.

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