Stand: 28.05.2020 von Egmond Haidt
Die EU-Kommission strebt einen Wiederaufbaufonds von 750 Mrd. Euro an. Gleichzeitig dürfte das neueste Anleihenkaufprogramm der EZB bereits im Herbst ausgeschöpft sein. Daher dürfte sie es schon bei der nächsten Sitzung kräftig aufstocken. 
Sparer schauen mit bangem Blick auf EZB-Sitzung

Auf einer kleinen Berg- und Talfahrt war der Goldpreis in den vergangenen Tagen. Zuerst wurde er vom Höhenflug des US-Aktienmarkts und den steigenden US-Zinsen belastet. Hingegen sorgte anschließend der sinkende Dollarkurs für Auftrieb bei der Notierung des Edelmetalls. 

Mit Kursen von rund 1.720 Dollar je Unze liegt der Preis damit nur knapp unter dem höchsten Niveau seit November 2012.

Für Rückenwind sorgt vor allem die Schuldenexplosion in den USA und vielen anderen Ländern und Regionen, wie der Euro-Zone, die immer stärker mit den Notenpressen finanziert werden, um die Zinsen trotz immens hoher Staatsschulden auf extrem niedrigen Niveau zu halten. 

Die Geldpressen dürften in den nächsten Jahren noch schneller laufen als jemals zuvor, womit die Fiat-Währungen, wie Dollar und Euro, noch schneller entwertet werden als ohnehin schon. 

EU-Wiederaufbaufonds ist der Weg in die Schuldengemeinschaft

Zuletzt hat die EU-Kommission einen Plan für einen Wiederaufbaufonds von 750 Mrd. Euro zur Bewältigung der Corona-Pandemie vorgestellt, der Anfang 2021 in Kraft treten soll. Davon sollen 500 Mrd. Euro direkt als Zuschüsse gezahlt werden, die nicht zurückbezahlt werden müssen, zudem sollen 250 Mrd. als Kredite vergeben werden, gerade an die von der Pandemie besonders stark betroffenen Länder. 

Laut der EU-Kommission soll Italien rund 82 Mrd. Euro an Zuschüssen und bis zu 91 Mrd. an zinsgünstigen Krediten bekommen. Auf Spanien entfallen 77 Mrd. an Zuschüssen und bis zu 63 Mrd. an Krediten. 

Um das 750 Mrd. Euro schwere Paket zu finanzieren, soll die EU erstmals in beträchtlichem Umfang Anleihen platzieren können, also eigene Schulden machen. 

Etliche Experten haben das als „Paradigmenwechsel“ bezeichnet, nachdem der finanzielle Spielraum Brüssels bislang dadurch beschränkt war, dass die einzelnen Länder ihre Zahlungen an Brüssel in Grenzen gehalten haben.

Die neuen Papiere sollen zwischen den Jahren 2028 und 2058 von sämtlichen 27 EU-Staaten zurückbezahlt werden. 

Europa schlittert immer tiefer in den Schuldensumpf

Sollten sie sich tatsächlich auf den Deal einigen – dazu müssten auch die „sparsamen Vier“ Österreich, Dänemark, Niederlande und Schweden zustimmen -, wäre das endgültig der Einstieg in eine Transferunion und eine Vergemeinschaftung von Staatsschulden

Denn beispielsweise wird Deutschland deutlich mehr in den Fonds einzahlen als es herausbekommt, denn Deutschland soll lediglich Zuschüsse von 28 Mrd. Euro und keine Kredite bekommen.

Nach der Bekanntgabe des Vorschlags waren die Zinsen für zehnjährige italienische Anleihen bis auf 1,46 Prozent eingebrochen und liegen trotz der anschließenden leichten Erholung mit 1,5 Prozent auf sehr niedrigem Niveau. 

Jedermann sollte zudem Folgendes klar sein: Wenn die EU im Zuge des Wiederaufbaufonds erstmals in großem Stil Schulden macht, dürfte die EU genau diesen Weg in der nächsten Krise erneut gehen, also erneut kräftig Schulden machen, womit die Gemeinschaft allerdings immer tiefer im Schuldensumpf versinken wird. 

Zur Erinnerung: Die EU-Kommission hatte bereits vor der Vorlage des Plans prognostiziert, dass die Schulden der 19 Euro-Länder zwischen Ende 2019 und Ende 2020 von 86,0 auf 102,7 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung explodieren werden. 

Gespanntes Warten auf die EZB-Sitzung

Umso größer wird die Bedeutung der EZB, denn ihre Notenpressen müssen auf Hochtouren laufen, um die Zinsen auf extrem niedrigen Niveaus zu halten, oder sogar noch weiter nach unten zu drücken.  Daher schauen viele Sparer hierzulande mit bangem Blick auf die EZB-Sitzung am kommenden Donnerstag, 4. Juni. 

Die Notenbank hatte im März ein neues „Pandemie-Notfallankaufprogramm“ (PEPP) von 750 Mrd. Euro aufgelegt, mit dem bis Jahresende Staats- und Unternehmensanleihen gekauft werden. Die EZB hat zudem besonders die „Flexibilität“ des Programms betont.

Im Klartext: Damit bekämpft die Notenbank vor allem den vorherigen massiven Zinsanstieg in hochverschuldeten Ländern, vor allem Italien, damit sich das hochverschuldete Land weiter finanzieren kann. 

Gleichzeitig hat die EZB klar gemacht, dass sie das Programm jederzeit aufstocken oder verlängern kann. 

Bis zum 22. Mai hat die EZB für 211,9 Mrd. Euro Papiere gekauft, also im Schnitt rund 100 Mrd. Euro für die Monate April und Mai. Wenn es in dem Tempo weitergeht, dürfte das Programm also im Oktober ausgeschöpft sein. 

Daher gehen etliche Experten davon aus, dass die EZB bereits bei der Sitzung am 4. Juni das Programm um rund 500 Mrd. aufstocken dürfte – damit könnte es ungefähr bis zum März 2021 weiterlaufen. 

Die obigen Zahlen sollten eines klarmachen: die ohnehin hohen Schulden vieler Euro-Länder werden in den nächsten Jahren weiter dramatisch steigen. Umso niedriger müssen laut der Überzeugung der EZB die Zinsen sein, oder umso mehr Strafzinsen muss es geben, und umso schneller müssen daher die Notenpressen laufen, damit das Schuldenhaus nicht zusammenbricht. 

In dem Umfeld wird sich zeigen, ob der Höhenflug des Goldpreises auf Euro-Basis weitergeht. 
Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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von Freddy | 02.06.2020, 12:17 Antworten

Gold + 50% gegenüber Ausverkauf in 2019

von Commander C | 28.05.2020, 20:54 Antworten

EU spricht sich ja "oi". Das ist ein knapper Ausruf, während der Ast bricht.
Vielleicht gibt es ein Ende mit Schrecken, nach einer Achterbahnfahrt im Spukschloss...bis dahin Vola von G+S nutzen...to be continued!

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"