Stand: 12.01.2018 von Egmond Haidt 5 Kommentare

Der Hype um Bitcoin hat 2017 das Interesse vieler potenzieller Gold-Investoren von dem Edelmetall abgelenkt. Dabei bietet Gold ebenso wie die Kryptowährung die Möglichkeit, sich vor einem schwachen Dollar zu schützen. Von umso größerer Bedeutung könnte daher die aktuelle Entwicklung bei Bitcoin für Gold sein.

Mit Kursen von um die 1.320 Dollar je Unze ist die Goldpreisentwicklung auf das höchste Niveau seit Mitte September 2017 gestiegen: Für Rückenwind sorgte zuletzt die Meldung, dass China seine Käufe von US-Staatsanleihen drosseln oder sogar ganz einstellen könnte.

Wenn der größte Gläubiger der USA – China besitzt 1,2 Billionen Dollar an US-Staatsanleihen – seinen Worten Taten folgen lassen sollte, dürfte das erhebliche Folge für den Dollar und die US-Zinsen haben.

So waren in einer ersten Reaktion die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen bis auf knapp 2,6 Prozent nach oben geschossen, ehe sie bis auf 2,55 Prozent gesunken sind. Hingegen hatte der Dollar deutlich nachgegeben, was den Goldpreis beflügelt hat.

Möglicherweise hat China den USA aber nur einen Wink mit dem Zaunpfahl gegeben, soll doch US-Präsident Donald Trump darüber nachdenken, in den nächsten Wochen zusätzliche Einfuhrzölle auf verschiedene chinesische Produkte anzukündigen, womit sich der Handelskrieg mit China verschärfen würde. Davon ist China nicht gerade begeistert und droht daher vorab mit Gegenmaßnahmen.

Südkorea geht gegen Bitcoin vor

Im Gegensatz zum Goldpreis war jener von Bitcoin zuletzt deutlich unter Druck und notiert um rund 30 Prozent unter dem Rekordhoch. Zuerst hatte Südkoreas Justizministerium ein Verbot des Börsenhandels mit Kryptowährungen angekündigt, was den Bitcoin-Kurs deutlich belastet hat. Dabei machte Südkorea zuletzt nur noch 4,5 Prozent des weltweiten Bitcoin-Handels aus. Allerdings hat das südkoreanische Finanzministerium wenige Stunden später beteuert, dass es mit der „vorschnellen“ Entscheidung des Justizministeriums nicht einverstanden sei.

Trotz der Verwirrung zeigen die Nachrichten aber, dass das Land die Daumenschrauben bei Bitcoin weiter anzieht. Das schürt bei Investoren die Sorge, dass andere Länder, wie die USA einen ähnlichen Weg einschlagen könnten, zumal wenn sich der Kursrückgang des Dollar deutlich beschleunigen sollte.

Futures-Handel entscheidet über die Kursentwicklung bei Bitcoin

Viel wichtiger als die Nachrichten aus Südkorea ist allerdings die Aufnahme des Handels mit Bitcoin-Futures an der US-Derivatebörse CBOE am 10. Dezember 2017 und bei dem Wettbewerber CME Group am 18. Dezember. Seit damals scheint die Einbahnstraße nach oben bei Bitcoin vorbei zu sein, denn nun können Spekulanten auf steigende und auf fallende Kurse setzen, wobei die Spekulanten zuletzt vor allem auf fallende Kurse gewettet haben.

So besaßen die Spekulanten, wie Hedgefonds, in der Handelswoche, die am 2. Januar endete, 3.044 Futures auf sinkende Kurse (Short), denen nur 1.356 auf steigende Kurse (Long) gegenüber standen. Damit lag die Netto-Short-Position bei 1.688 Kontrakten, was bei einem Preis von 14.000 Dollar je Bitcoin rund 23,6 Mio. Dollar entsprach – eine Menge Holz. Mit einem täglichen Handelsvolumen von jeweils rund 60 Mio. Dollar an der CME und der CBOE können die Spekulanten den Kurs von Bitcoin in die eine oder andere Richtung bewegen, obwohl sich der Handel mit Bitcoin selbst auf 17,5 Mrd. Dollar pro Tag beläuft.

Wenn man das mit so wenig Geld tun kann, muss man möglicherweise die Regulierungskeule gar nicht mehr rausholen.

Kehrt das Interesse an Gold zurück?

Damit ist das Spielfeld zwischen Gold und Bitcoin endlich eben. Viele Investoren sind schon lange der Überzeugung, dass etliche im Sinne der Notenbanken handelnden Banken den Goldpreis über den Futures-Markt künstlich nach unten manipulieren. Ansonsten macht der jahrelange Kursrückgang gar keinen Sinn.

Wenigstens ist es in den vergangenen zwei Jahren beim Goldpreis jeweils aufwärts gegangen. Sollte die tägliche Rekordfahrt bei Bitcoin wegen des Futures-Handels vorbei sein, könnte sich der Blick der Investoren wieder allmählich auf Gold richten.

Goldpreis auf Gold.de
Bitcoin-Preis auf Gold.de
Spielfeld zwischen Gold und Bitcoin ist endlich eben
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [5]
  • von blo-rakane | 17.01.2018, 12:17 Antworten

    Unvernunft gepaart mit Gier ergibt die bittere Erkenntnis, dass jeder durch Bitcoin&Co Millionär werden kann , aber nicht alle! Und erst die große Masse der „Bitcoin-Jünger“ befördert quasi als „Steigbügelhalter“ wenige von den „Bitcoin&Co-Jünger“ zu Reichtum.

  • von Mr. Silver | 17.01.2018, 10:41 Antworten

    Mal sehen wa der Bitcoin noch macht. Die 200 Tage Linie liegt bei ca 6000 Dollar, Da kann es eine Gegenreaktion geben. Doch denken Sie an die Personen die 1000 und mehr Bitcoin haben. So langsam verstehen diese, das man Buchwert in Geld verwandeln muss. Das kann man nur wenn man den Bitcoin verkauft. Die Leute mit Marktvisionen haben zwischen 10 und 100 Dollar gekauft. Der große Pusch machte viele Menschen erst richtig aufmerksam und die Bitcoin Profis nutzten dies aus, um richtig Geld einzusammeln. Der Mensch der jetzt mit 10.000 Euro oder mehr gekauft hat, kann zusehen wie sein Vermögen schrumpft.

  • von bling bling | 12.01.2018, 16:01 Antworten

    bei bitcoin konnte man in den letzten wochen, seit einführung der futures, regelmäßig mit daytrades verdienen. that´s all. es ist zwar bargeldlos, aber anders (härter) als giralgeld. man sollte nicht vergessen, dass trump einen schwachen dollar wollte. das warum möge er vielleicht nochmal erklären. manche seiner erklärungen erscheinen mir so wechselhaft wie der bitcoin-kurs.
    die wechselnden koreanischen temperamente plus dimons einknicken werden den bit-kurs wahrscheinlich wieder beflügeln. was mir langfristig mehr sorgen macht ist ein möglicher trend zu einer alltagstauglicheren k-währung. selbst wenn diese nicht so sicher sein sollte: die pille wird ja auch täglich verwendet (rein statistisch - nicht diskriminierend).

  • von Shaggy Zack | 12.01.2018, 14:31 Antworten

    Moin, sehr guter Beitrag.
    Wer es "kryptisch" mag, ich würde es eher beim Namen nennen "bargeldlos", kann auch physisch in Gold investieren und dazu mit der Flexibilität der Kartenzahlung nutzen mittels Goldmoney.Inc.
    Rechnet man als Goldinvestor in der Euro-Zone mit einem anziehenden Euro (bis 1,50USD drin) und dem parallelen Anstieg des Goldpreises (ca. 1650$) würde Gold in € unverändert da stehen. Dazu noch mit der Euro-Inflationierung durch die EZB theoretisch ein Minusgeschäft. Praktisch auch, jedoch muss man Gold als das sehen was es ist eine Absicherung. Was ich bei Goldmoney interessant finde, dass man dort mit seinem physischen Gold/Silber Ratiotrading betreiben kann - nein soll keine Werbung sein aber praktisch ist es.
    Ein Drücken habe ich bei Goldmoney dennoch - es ist ein Aktienunternehmen und wenn da ein zahlungskräftiger Finanzklopps wie Goldman Sucks den Laden feindlich übernimmt dann ist es mit der Sicherheit vorbei denke ich - aber ich will nicht schwarz malen, das tuen schon zu viele ;)

  • von Gerhard Seubert | 12.01.2018, 10:27 Antworten

    Das mit den Bitcoin ist so eine Sache.....momentan denke ich beginnt eine Kehrtwende und kann enorme Verluste bescheren. Gold dagegen ist doch der sichere Hafen und sollte auch nicht verlassen werden.

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