Stand: 18.12.2014 von Mr. Gini 0 Kommentare

Irre Zeiten! Aktuell ist die Ruhe an den Finanzmärkten derart trügerisch, dass manche Zeitgenossen schon das Ende aller Krisen ausrufen. Seit Wochen kennen die Aktienmärkte nur noch eine Richtung. Und zwar steil nach oben. Andererseits geht es mit den Renditen der Staatsanleihen auf extreme Art und Weise nach unten. Allem Anschein nach scheint also die "Welt" wieder "heil" zu sein. Dem ist aber leider nicht so.

Hausse am italienischen Rentenmarkt

Fakt ist, dass es den Zentralplanern in den Notenbanken wieder mal gelungen ist, Zeit zu kaufen und das System am Leben zu erhalten. Mario Draghi und Co vermochten es mit zahllosen verbalen und auch sonstigen Eingriffen zumindest temporär den Zustand einer heilen Schein-Welt herzustellen.

Renditen auf historischen Tiefständen

Zweifelsohne, die EZB mit Ihrem Chef Mario Draghi hat im Sinne der höchst verschuldeten Krisenstaaten in Europa wahrlich herausragende Arbeit geleistet. Gegenwärtig sind die Renditen für Anleihen von faktisch überschuldeten Staaten wie Italien auf historisch absurde Tiefstände abgesunken. Zur Erinnerung, der Staatsschuldenberg der Italiener liegt gegenwärtig bei 133 Prozent des BIP. Erlaubt wären nach den sog. Maastricht-Kriterien ja nur 60 Prozent. Aber um so "Kleinigkeiten" wie den Bruch des Maastricht-Vertrags oder des "Fiskalpakts" kümmert sich niemand mehr.

Staatsschuldenberg wächst

Im Gegenteil, der italienische Staat schuldet munter weiter extrem auf. Im Jahr 2004 lagen die italienischen Staatsschulden bei 1,449 Billionen Euro. Zehn Jahre später, also 2014, kommen wir in den Bereich von 2,133 Billionen Euro. Wohl gemerkt, binnen zehn Jahren ging es um 684 Milliarden Euro nach oben mit der Staatsverschuldung (siehe auch http://de.statista.com/statistik/daten/studie/167737/umfrage/staatsverschuldung-von-italien/). In diesesem Zeitraum ging die Staatsverschuldung von Italien um gewaltige 47 Prozent nach oben.

Finanzkrise als Schuldenbeschleuniger

Besonders extrem geht es seit dem Beginn der Finanzkrise zur Sache. Also, 2007 lag die Verschuldung des italienischen Staats bei "nur" gut 1,6 Billionen Euro. Seither geht es einher mit einer extremen Wirtschaftkrise und der längsten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg steil nach oben mit den Staatsschulden. Im Jahr 2010, also zum Beginn der Euro-Krise hatte der italienische Staat einen Schuldenberg in Höhe von 1,851 Billionen Euro aufgetürmt. Jetzt, nur wenige Jahre später ist die Wirtschaft weiter in einer tiefen Krise und die Schulden wuchsen unaufhaltsam. Um fast 3000 Milliarden Euro oder knapp 5000 Euro je Italiener. Pro Kopf steigerte sich die Verschuldung auf aktuell 35600 Euro! Wie ist dieser Wahnsinn möglich?

EZB-Geldpolitik im Focus

Ja, hier ist klar zu konstatieren, dass Mario Draghi mit seiner extremen Geld-, ja Nullzinspolitik dies möglich macht. Aktuell liegt die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen auf einem so extrem tiefen Niveau, das es in der Geschichte noch nie gab. Aktuell rentieren zehnjährige Staatsanleihen des hoch verschuldeten Mittelmeerlandes mit nur noch 2,14 Prozent. Ja, Sie lesen richtig. Wer dem maroden italienischen Staat für zehn Jahre sein hart verdientes Geld leiht, bekommt gerade noch gut zwei Prozent Zins dafür. Unglaublich, aber wahr.

Fakt ist ja, dass im historischen Vergleich die Renditen in Italien schon immer deutlich höher waren als in Deutschland zum Beispiel. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lag die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen teilweise noch bei über 20 Prozent. In den 90er Jahren sank sie dann auf ein Niveau von zehn bis 15 Prozent. Ende der 90er-Jahre, also im Kontext mit der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung als Buchgeld am 1.1. des Jahres 1999 ging es dann bis in den Bereich um fünf Prozent nach unten (siehe auch folgender Chart: http://www.markt-daten.de/charts/zinsen/staatsanleihen-eu.htmitalien ).

Seither verharrte die Rendite um die fünf Prozent. Zu Beginn der Eurokrise, also im Jahr 2010, lag sie bei Werten unter vier Prozent. Von dem Niveau aus schnellte dann die Rendite bis zum Ende des Jahres 2011 auf über 7 Prozent in die Höhe. Rumms. Dies führte dann just auch zum Ende der Regierungszeit des Medienmoguls Berlusconi. Mario Monti übernnahm das Ruder.

Und just auch zum 1. November 2011 übernahm - welch ein Zufall - der Italiener Mario Draghi in Frankfurt am Main die Macht an der Spitze der Euro-Notenbank. Und was passierte seither?

Ja, die Renditen der Staatanleihen Italien kennen nur noch einen Richtung. Und zwar nach unten. Eine historische Hausse am italienischen Rentenmarkt setzte ein. Und all jene, die ein Ende der Hausse vorhersagen, werden sich wohl irren.

Mario Draghi hat in jüngster Vergangenheit ja das Tor für den Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB weit aufgemacht. Viele Beobachter der EZB erwarten, dass im kommenden Krisenjahr, also im Jahr 2015 die Euro-Notenbank diesbezüglich zur Tat schreiten wird.

Parallel zu dieser Erwartung gehen die Renditen schon jetzt massiv zurürck. Und vielleicht wird ja im Jahr 2015 die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihe in Richtung ein Prozent tendieren. Nichts scheint mehr unmöglich.

Ja, Herr Draghi ist nicht umsonst mit dem Großkreuz des italienischen Verdienstordens ausgezeichnet worden.

Staatsanleihen Italien rentieren so tief wie nie
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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