Stand: 16.10.2013  0 Kommentare

Sie haben verhandelt, miteinander gerungen - und offenbar zu hoch gepokert: Der Staatsbankrott der Vereinigten Staaten von Amerika ist inzwischen weniger als 24 Stunden entfernt, um 6 Uhr deutscher Zeit stürzen die USA in den fiskalpolitischen Abgrund - und Demokraten sowie Republikaner haben es offenbar nicht mehr geschafft, einen tragfähigen Haushaltskompromiss zu finden. Eine Lösung in letzter Minute wird immer unwahrscheinlicher - und während die Aktienmärkte unter Druck geraten, schlägt die Stunde der Edelmetalle.

Wie "SPIEGEL ONLINE" direkt aus Washington berichtet, haben die Republikaner erneut einen Kompromiss im Haushaltsstreit verhindert - und rechte Hardliner scheinen zum Äußersten bereit. Experten im US-Finanzministerium gehen davon aus, dass der Staat ab dem 17. Oktober seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann. Die Lage in den USA ist verfahren: US-Präsident Obama lehnt weiter jede Initiative der Gegenseite ab - und die spaltet sich gerade in mehrere Untergruppen auf. Die Hoffnungen ruhen nun auf einem letzten Kompromiss, den gemäßigte Republikaner ausarbeiten könnten. Gefahr geht allerdings noch von den mächtigen Senatoren aus - sie können mit ihrem Rederecht bevorstehende Abstimmungen im Senat aufhalten. Wenn sich nun ein Senator zu einer Marathon-Rede entschließt, würde er die gesamte politische Klasse in den Abgrund reißen.

Wie aussichtslos die Lage in den USA ist, macht eine Nachricht deutlich, die zuerst von vielen US-Medien verbreitet wurde und nun auch den Weg in die deutsche "BILD"-Zeitung gefunden hat: Das Boulevardblatt berichtet, dass erneut die Einführung einer Ein-Billion-Dollar-Münze geprüft wird. Diese Idee wurde ursprünglich geboren, als die Vereinigten Staaten von Amerika zu Beginn dieses Jahres mal wieder an die Schuldenobergrenze gestoßen waren. Demnach sollte das US-Finanzministerium eine Platinmünze mit dem Nennwert von einer Billion Dollar prägen und bei der US-Notenbank hinterlegen. Mit dieser Münze könnte das Finanzministerium dann Schulden bei der FED zurückkaufen und die USA wären praktisch über Nacht schuldenfrei. Was zweifelsohne an die Entwicklung der deutschen Hyperinflation im Jahr 1923 erinnert (damals wurden ebenfalls Münzen mit Milliardenbeträgen ausgegeben), ist trotzdem in dieser Woche gut genug für eine ernsthafte Alternative zum Gezerre zwischen Republikanern und Demokraten. Beide stehen sich ohne greifbare Lösung gegenüber - nun diskutiert bereits eine deutsche Boulevardzeitung die Möglichkeit einer Rettung mithilfe einer Ein-Billionen-Dollar-Münze.

Nach ruhigen Tagen an der Börse nimmt die Nervosität inzwischen merklich zu, viele Anleger haben offenbar den Ernst der Lage erkannt - dies ist inzwischen allerdings auch kaum zu vermeiden, denn die US-Ratingagentur Fitch hat im US-Haushaltsstreit drastische Konsequenzen für die USA angekündigt: Nachdem sich die Ratingagentur bisher zurückgehalten hat, droht sie nun mit einer Herabstufung der wichtigsten Wirtschaftsmacht der Welt. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur "Reuters" setzt Fitch immer noch darauf, dass ein Kompromiss im Haushaltsstreit gefunden wird. Allerdings machten die Analysten auch deutlich, dass eine solche Lösung längst überfällig ist und alle bisher gehörten Kompromissvorschläge nur eine kurzfristige Anhebung der Schuldengrenze von 16,7 Billionen Dollar vorsehen. Diese Schritte reichen Fitch offenbar nicht aus. Die Aktienmärkte reagieren nervös - hier ist längst bekannt, dass ein Entzug der Bestnote "AAA" ein Beben an den Finanzmärkten auslösen wird.

Noch schießen die Kurse für Gold nicht in die Höhe, doch im Laufe des Tages dürfte weitere Bewegung beim Goldpreis zu sehen sein - nicht zuletzt weil die aktuellen Tiefpreise von schlagkräftigen Wirtschaftsnationen wie China zum Nachkaufen genutzt werden. Wie das Internetportal "SaveHaven.com" berichtet, soll China in diesem Jahr bis Ende August bereits 994 Tonnen Gold durch Hongkong importiert haben - im Jahr zuvor waren es noch 511 Tonnen. Dies entspricht nicht einmal der Produktion von Chinas inländischen Minen. Wenn ein weiterer Import von 100 Tonnen pro Monat bevorsteht und die heimische Goldproduktion hinzu addiert, soll China im Jahr 2013 mindestens 1.700 Tonnen auf die hohe Kante geschafft haben. Dies entspricht mehr als der Hälfte des Gesamtbesitzes der Deutschen Bundesbank. Die Chinesen haben den Räumungsverkauf beim Gold offenbar zu massiven Nachkäufen genutzt. Sie haben sich in den vergangenen Tagen auch wiederholt kritisch zum Gebaren der US-Regierung im Haushaltsstreit geäußert. Offenbar sucht China also nach einem Stabilitätsersatz für den in Verruf geratenen US-Dollar.

So ist es dann auch kaum verwunderlich, dass sich inzwischen wieder die Gold-Fans versammeln und dem gelben Metall eine goldene Zukunft vorher sagen: Der Schweizer Investment-Stratege Felix Zulauf spricht mit "finanzen.net " über seine Anlagestrategie und macht deutlich, dass an Sachwerten wie Gold kein Weg vorbei führt. Er hält es für möglich, dass Gold noch leicht fallen könnte, die Korrektur dann aber beenden und einen Boden ausbilden wird. "Nach dem Ausbrechen der nächsten großen Probleme, vermutlich schon im kommenden Jahr, wird Gold meiner Einschätzung nach eine große Erholungsphase beginnen", erklärt Zulauf. Scharfe Kritik übt der Schweizer an den Politikern in den USA, die ihre Glaubwürdigkeit gerade entgültig verspielen. Zulauf erwartet künftig starke Belastungen für den Dollar und vergleicht die Politik des billigen Geldes mit einer gewaltigen Kreditblase: "Diese irrsinnige Liquidität sucht sich ihre eigenen Wege - die Notenbanken haben darauf keinen Einfluss mehr."

Weiterer Rückenwind ist für den Goldpreis von der US-Notenbank FED zu erwarten: Degussa-Chefökonom Thorsten Polleit erklärt gegenüber dem Finanzportal "finews.ch", dass die künftige FED-Präsidentin Janet Yellen dem Gold starken Rückenwind verleihen wird: Yellen gilt als «Taube» und favorisiert eine Politik des negativen Realzinses als Reaktion auf die Schuldenkrise. Der bisherige Kurs des Geldvermehrens dürfte also unvermindert fortgeführt und möglicherweise sogar ausgebaut werden. Polleit erinnert daran, dass die internationale Schuldenkrise keineswegs überwunden sei. Sparer und Investoren sollten daher Finanzvermögensanlagen mit Edelmetall-Beimischungen schützen und absichern. Er weist auch darauf hin, dass der Abbau der börsengehandelten Goldfonds (ETF) gegenüber den letzten Jahren deutlich verlangsamt wurde.

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