Stand: 06.01.2016  2 Kommentare

Kürzlich wurden die China Gold und Silber Panda Münzen für das Jahr 2016 vorgestellt. Erstmals werden diese Münzen nicht wie bisher üblich in Unzen-Einheiten angefertigt, sondern in Gramm-Stückelungen. Das könnte sich langfristig als Todesstoß für die Feinunze erweisen. Doch auch für den US-Dollar stehen Konsequenzen an.

Die Feinunze (oz) ist eine wichtige Masseeinheit für den Handel mit Edelmetallen. Die Preise für Gold, Silber, Platin und Palladium werden üblicherweise in US-Dollar je Feinunze (engl. troy ounce) angegeben. Auch und gerade Goldmünzen oder Silbermünzen werden üblicherweise in Unzen-Einheiten ausgegeben. Neben der Einheit Feinunze (31,103 g) kann es sich auch um Bruchteile dessen wie etwa ¼ oz oder ½ oz handeln, oder um Vielfache wie zum Beispiel 2 oz, 5 oz oder 10 oz. Für den Laien ist dies anfänglich etwas undurchsichtig, aber man gewöhnt sich relativ schnell an die rund 600 Jahre alte Praxis, die weltweit Anerkennung findet. Doch zumindest in China will man jetzt davon abrücken. Und nicht zuletzt aus gutem Grund, wie man dort meint. Denn anders als in europäischen Gefilden gab es historisch betrachtet diese Masseeinheit im Reich der Mitte nicht. Und auch heute noch sind dort - außer für Edelmetalle - Unzen oder Feinunzen keine Begriffe. In China gilt, wie übrigens in Indien auch, das metrische System. Und dieses will man nun auch für Edelmetalle etablieren. Der erste Schritt dafür ist bereits getan. Erstmals sind jetzt die beliebten China Gold und Silber Panda Münzen in Gramm-Stückelungen ausgegeben worden. Was auf den ersten Blick als Randnotiz des ausgehenden Jahres erscheinen mag, könnte in einigen Jahren das Aus für die traditionelle Feinunze bedeuten. Aber auch für den US-Dollar dürfte sich deshalb schon bald einiges ändern.

Goldmünzen in Gramm-Stückelungen kündigen Größeres an

Einer Pressemitteilung der People's Bank of China zufolge (in chinesisch, aber mit Bildern) wurden jetzt neun verschiedene Gramm-Stückelungen für den Gold Panda (1g, 3g, 8g, 15g, 30g, 50g, 100g, 150g, 1kg) und drei verschiedene Gramm-Stückelungen für den Silber Panda (30g, 150g, 1 kg) herausgegeben. Demnach bedeutet dies unter anderem, dass der vormalige Gold Panda zu einer Feinunze jetzt durch eine Goldmünze ersetzt wurde, die 30 Gramm Gold mit einem Reinheitsgrad von 99,9 Prozent aufweist. Auch die anderen Stückelungen weisen entsprechend weniger Gewicht auf, wobei die entsprechenden Grammangaben auf allen Münzen aufgeprägt sind.

Jetzt könnte man natürlich denken, wen kümmert schon ein paar Gramm Unterschied im Goldgehalt einer Münze? In der Tat, die neuen Goldmünzen und Silbermünzen aus China werden keinen Numismatiker vom Hocker hauen. Das sollen sie auch nicht. Was viel bedeutender wiegt, ist die Umstellung von Feinunzen auf Gramm an sich. Denn es wird ja nicht nur bei Prägungen von Sammlermünzen bleiben. Die jüngst bekannt gegebene Prägung von Goldmünzen und Silbermünzen in Gramm-Stückelungen ist nur ein Detail, das heimlich Größeres ankündigt.

Feinunze und US-Dollar verschwinden von der Schanghaier Goldbörse

Was wirklich bekannt gegeben wurde - und das dürfte so manchen Goldhändler vom Hocker hauen - ist die im April kommenden Jahres anstehende Umstellung der Schanghaier Goldbörse (Shanghai Gold Exchange - SGE) vom bisherigen Goldhandel in Feinunzen auf den Handel in Gramm-Einheiten, genauer gesagt, in 1000-Gramm-Einheiten (oder 1 kg bzw. 32,15 Feinunzen). Und diese Umstellung wird von zwei wichtigen Merkmalen gekennzeichnet sein. Zum ersten soll es sich um einen physischen Goldhandel mit sofortiger Auslieferung handeln. Und zweitens wird neben der Preisfindung auch der komplette Goldhandel ausschließlich in der chinesischen Landeswährung, der künftigen Weltreservewährung Yuan stattfinden. Andere Währungen werden für den Handel dort nicht zugelassen. Damit ist ab April 2016 nicht nur die Feinunze vom SGE-Tisch, sondern auch der US-Dollar. Man merkt schon, ein paar Gramm Unterschied im Goldgehalt einer Sammlermünze kann letztlich eine Nachricht von Weltrang sein.

Auch Indien könnte sich von der Feinunze trennen

Zu all dem gesellt sich noch die Nachricht, dass auch Indien eine eigene Goldbörse für den physischen Goldhandel ins Leben rufen will. Bereits im kommenden Juni soll es soweit sein. Und auch in Indien herrscht das metrische System, wenngleich man aufgrund der Vergangenheit als britische Kronkolonie eine engere Verbindung zum Unzensystem als China hat. Wenn aber der mächtige Nachbar auf der anderen Seite des Himalayas eine Goldbörse auf der Basis von 1000-Gramm-Stückelungen betreibt, dann ist nicht gesichert, dass man auf dem noch zu gründenden Parkett in Mumbai der Feinunze treu bleiben wird. Zwar dürfte man sich dort nicht so weit aus dem Fenster lehnen wie in Schanghai und den US-Dollar gleich mit in die Wüste schicken.

Aber wenn sowohl China als auch Indien als die zwei größten Goldkonsumenten der Welt eine eigene Preisfindung für Gold anhand des metrischen Systems betreiben, dann werden schon bald auch andere fernöstliche Staaten nach Shanghai und Mumbai blicken. Die Ausgabe von Goldmünzen in Gramm-Stückelungen hat die Lawine ja nur losgetreten. Bis diese so richtig ins Rollen kommt, können durchaus noch ein oder zwei Jahrzehnte vergehen. Aber wenn es soweit kommt, dann dürften die Tage der Feinunze - ob's einem gefällt oder nicht - gezählt sein.

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Kommentare [2]
  • von Wanderer 2 | 20.02.2018, 15:21 Antworten

    Solange die Unzen in Überzahl sind, wird das mit dem Aus noch sehr sehr lange dauern...

  • von Wanderer | 08.01.2016, 18:42 Antworten

    Es wird Zeit , das die Comex und die fordlaufenden Manipulationen
    verschwinden und nur noch echtes verfügbares Gold und Silber
    verkauft und gekauft werden kann und der ganze Papiermarkt - Scheiss
    verschwindet .Der größte Betrug aller Zeiten . Menschen mit Papier zu
    betrügen ,das man beliebig drucken kann . Alle Papierwährungen sind
    immer wieder auf null gefallen und haben Millionen Menschen nur Armut
    gebracht . Aber mit frisch gedruckten Geld lassen sich gut Kriege finazieren mit Menschen ,die noch an diesen Scheiß glauben .

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