Stand: 11.02.2021 von Hannes Zipfel
Die Wiederbelebung der globalen Konjunktur sowie die Erholung der Schmucknachfrage soll in diesem Jahr gemäß der jüngst veröffentlichten Prognose des The Silver Institute und des Beratungsunternehmens Metals Focus zu einem Anstieg der Gesamtnachfrage um 11 Prozent führen.
Steigende Silbernachfrage in 2021

Silbernachfrage soll 2021 auf ein Achtjahreshoch ansteigen

Im Jahr 2021 feiert der seit 1971 tätige Lobbyverband der Silberproduzenten und der silberverarbeitenden Industrie, das Silver Institute, ihr 50-jähriges Jubiläum. Auch in diesem Jahr wartet die gesamte Silber-Branche und die Silber-Investoren mit Spannung auf den am 22. April zur Veröffentlichung anstehenden Jahresbericht „The Silver Survey 2021“, den das Institut in Zusammenarbeit mit dem Research-Unternehmen Metals Focus erstellt.

Bereits gestern, am 10. Februar, haben beide Häuser ihre in Kooperation erstellten Jahresprognosen für die Silbernachfrage sowie das zu erwartende Silberangebot für 2021 abgegeben.

Die Grundannahme (Kernszenario) dieser Prognosen ist eine sich in diesem Jahr konjunkturell bedingt erholende Industrienachfrage, eine sich graduell belebende Schmuck- und Geschirrnachfrage sowie eine robuste Investmentnachfrage aufgrund weiterhin günstiger Rahmenbedingungen für Save-Haven-Investments (Inflationsschutz in Folge laxer Geldpolitik).

Die Minenproduktion soll weitgehend befreit von den Einschränkungen durch die Pandemie um ca. 10 Prozent ansteigen.

Insgesamt rechnen die Analysten beider Häuser für dieses Jahr mit einem Anstieg der Gesamtnachfrage auf ein Achtjahreshoch in Höhe von 1,025 Milliarden Unzen Silber.

Der Silberverbrauch steigt durch die Elektrifizierung und 5G

Die industrielle Nachfrage wird voraussichtlich in diesem Jahr ein Vierjahreshoch von 510 Millionen Unzen erreichen, was einem Anstieg von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die steigende Nachfrage aus dem Elektroniksektor soll dazu den überwiegenden Teil beisteuern.

Hintergrund dafür sind v. a. hohe staatliche Subventionen für die Elektromobilität sowie eine schnell voranschreitende Umstellung der Modellpalette der Automobilproduzenten auf Elektrofahrzeuge. Das Wachstum in diesem Segment sollte dem Metall mit der besten elektrischen Leitfähigkeit auch in diesem Jahr zugutekommen.

Insgesamt wird prognostiziert, dass sich der Einsatz von Silber in der weltweiten Automobilindustrie im Jahr 2021 stark erholt und auf etwas mehr als 60 Millionen Unzen ansteigt.

Mit der zunehmenden Verbreitung der 5G-Technologie in der Unterhaltungselektronik wird erwartet, dass dieser Sektor weiterhin signifikant zum industriellen Nachfragewachstum nach Silber beiträgt. Nach vorläufigen Daten stieg die Verwendung von Silber in dieser schnell wachsenden Sparte des Telekommunikationssektors bereits im Jahr 2020 um 7 Prozent auf ganze 300 Millionen Unzen an.

Im Bereich der Photovoltaik (PV) erholte sich die Nachfrage nach Silber bereits im zweiten Halbjahr letzten Jahres deutlich. Diese Dynamik sollte sich auch 2021 fortsetzen. Der Gesamtbedarf für die regenerative Energiegewinnung aus Sonnenlicht wird für 2021 auf 105 Millionen Unzen geschätzt. Obwohl der Silberanteil in PV-Anlagen weiter sukzessive sinkt, wird der Sektor von dem starken Wachstum in immer mehr Staaten der Welt, wie zum Beispiel in China, profitieren.

In einer wachsenden Anzahl von Industrie- und Schwellenländern werden zur Erreichung der Klimaziele und zur dezentralen Stromversorgung PV-Anlagen verstärkt eingesetzt. In vielen Entwicklungsländern stellen PV-Anlagen die einzige Möglichkeit zur Elektrifizierung ländlicher Gegenden dar.

Die weltweite Schmucknachfrage wird sich voraussichtlich auf 174 Millionen Unzen erholen, aber noch unter dem Niveau von vor der Corona-Pandemie verharren. Dazu trägt auch eine nur graduelle Erholung der Schmucknachfrage in Indien bei, wo die Nachfrage von hohen und volatilen Rupien-Silberpreisen negativ beeinflusst wird.

Ein ähnliches Ergebnis ergibt sich bei der Nachfrage nach Silbergeschirr, die vom indischen Markt dominiert wird. Obwohl für die Herstellung von Silbergeschirr in diesem Jahr ein zweistelliger prozentualer Zuwachs von ca. 10 Prozent auf 45 Millionen Unzen prognostiziert wird, sollte die weltweite Gesamtnachfrage aufgrund der Herausforderungen in Indien noch deutlich unter dem Niveau von 2019 in Höhe von 62 Millionen Unzen verharren.

Investoren bleiben wichtiger Nachfragefaktor 

Die Verfasser der Jahresprognose sind davon überzeugt, dass die physischen Investitionen auch in diesem Jahr ihren Aufwärtstrend weiter fortsetzen werden. Durch den Kauf von Silberbarren und Silbermünzen sollen 257 Millionen Unzen am Silbermarkt absorbiert werden. Dieses Volumen entspräche einem Sechsjahreshoch.

Aufgrund der starken Nachfrage wird trotz Wiederherstellung der Lieferketten sogar mit Produktknappheiten bei Münzen und Barren im Einzelhandel in den USA und Europa gerechnet.

In Bezug auf Investitionen in börsengehandelte Silberprodukte (ETPs) fallen die Prognosen ebenfalls positiv aus. Bereits bis Ultimo 2020 wuchsen die globalen ETP-Bestände um beeindruckende 331 Millionen Unzen Silber auf einen Gesamtbestand von 1,04 Milliarden Unzen an. Seit Jahresbeginn 2021 haben die globalen ETP-Bestände weiter zugenommen. Bis zum 3. Februar stiegen diese um weitere 137,6 Millionen Unzen auf ein neues Rekordniveau der Gesamtbestände von 1,18 Milliarden Unzen.

Deutlicher Zuwachs auch bei der Minenproduktion

Die Produktion durch Silberminen dürfte sich ebenfalls erholen und zweistellig über das Niveau des vergangenen Jahres auf 866 Millionen geförderte Unzen ansteigen. Gegenüber 2019 war die Minen-Produktion im Jahr 2020 um 6 Prozent auf 780 Millionen Unzen eingebrochen.

Die meisten der im Jahr 2020 von pandemiebedingten Beschränkungen betroffenen Minen sollten von dem Erreichen ihrer vollen Produktionskapazität in diesem Jahr profitieren. Das Wachstum soll auch von einer höheren Produktion der Primärsilberminen und von neuen Projekten in Mexiko und Australien getragen werden.

Das Angebot an Silberschrott durch Recycling wird voraussichtlich zum fünften Mal in Folge ansteigen, was zum Teil auf die relativ hohen Goldpreise und Silberpreise zurückzuführen ist, die das industrielle Recycling forcieren.

Aus diesem Grund wird auch mit einem Anstieg des Recyclingvolumens bei Schmuck und Silbergeschirr gerechnet.

Obwohl der Silbermarkt voraussichtlich 2021 einen physischen Überschuss erzielen wird, dürfte dieser der niedrigste Überschuss seit dem Defizit des Jahres 2015 sein. Ob es wie im letzten Jahr zu einem Gesamtdefizit am Markt kommt, hängt erneut stark von den physischen Zuflüssen in börsengehandelte Silberprodukte (ETPs) durch Investoren ab.

(Quellen: The Silver Institute, Metals Focus)
Autor: Hannes Zipfel
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von Frank | 11.02.2021, 12:48 Antworten

Es ist noch gar nicht so lange her, da hieß es hier in den Kommentaren "Silber kommt mir nicht mehr ins Haus", u. "Silber ist tot". Einige Wochen danach ist es um 100% gestiegen. :D

von Silber Chris | 11.02.2021, 13:08 Antworten

Silber ist die Eierlegendewollmilchsau Tausende Jahre war Silber Geld
bis ca 1800 bis 1870 in einen Goldstandard und der von ca 1900 bis 1970 in einen reinen Papierstandard gewandelt worden. Silber wurde ausverkauft + verseibelt
Silber ist Geld, das keiner dem Silber nemen, Silber ist das Blut der Elektronik
unverzichtbar, davon wird immer mehr gebraucht und verbraucht. Wenn sich jeder Mensch nur 1 Unze Silber anschaft werden dafür 9 Jahresproduktionen benötigt.
Dann ist Silber nicht mehr günstig. Leset mal über Silber ein spandendes schönes Invest ! Im übrigen es hat noch keiner gewagt ein Buch gegen Silberinvest zu schreiben
bzw. noch kein Autor hat ein Verlag gefunden der so ein Buch druckt

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"