Stand: 24.01.2020 von Egmond Haidt 27 Kommentare

Der ehemalige EZB-Chef Mario Draghi hat während seiner Amtszeit Strafzinsen eingeführt und damit die Schuldensause in der Euro-Zone, gerade bei hochverschuldeten Ländern, am Laufen gehalten, während die deutschen Sparer immer weiter enteignet werden. Obwohl ihn manche deutsche Politiker dafür wiederholt kritisiert haben, erhält er dennoch das Bundesverdienstkreuz. Darüber dürften viele Sparer und Mieter nicht gerade begeistert sein. 

Große Ehre für Mario Draghi: Wenige Monate nach dem Ende seiner Amtszeit wird ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 31. Januar in Schloss Bellevue das Bundesverdienstkreuz verleihen.

Es ist „die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht“, so steht es auf der Homepage des Bundespräsidenten.

„Verdienste um das Gemeinwohl“ Deutschlands?

Während Draghis achtjähriger Amtszeit, die im Oktober 2019 endete, war er häufig von Politikern von CDU/ CSU und FDP dafür kritisiert worden, dass sich hochverschuldete Länder, wie Italien, Spanien und Frankreich, wegen Draghis Strafzinsen und massivem Gelddrucken zu Mini-Zinsen finanzieren und daher dringend notwendige Reformen weitgehend vermeiden könnten. Hingegen wären die deutschen Sparer durch die Strafzinsen enorm belastet worden. 

Umso unverständlicher ist es, dass Draghi nun den Verdienstorden bekommen soll. Das zeigen die folgenden Zahlen unmissverständlich. 

Staat und andere Schuldner profitieren enorm von Zinseinsparungen

Durch Draghis Politik sind die Zinsbelastungen des deutschen Staates drastisch gesunken. Dazu habe ich folgende Berechnungen gemacht: 

Ende 2011, also kurz nach Draghis Amtsantritt, lag die Durchschnittsverzinsung bei Bundesanleihen bei rund 1,5 Prozent. In den Folgejahren hat er sie durch massives Gelddrucken immer weiter gesenkt, woraufhin sie Ende 2019 bei minus 0,2 Prozent lagen. 

Im gleichen Zeitraum sind Deutschlands Schulden, also von Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung, von 2,1 Billion auf zuletzt 1,93 Billionen gesunken. Nun habe ich berechnet wieviel Zinsen der Staat in jedem einzelnen Jahr dadurch gespart hat, dass die durchschnittlichen Zinsen unter dem Stand von Ende 2011 lagen. 

Ergebnis: Die Einsparungen bei den Zinsen beliefen sich in den acht Jahren auf horrende 154,7 Mrd. Euro! Das dürfte viele Politiker sehr gefreut haben. 

Neben dem Staat haben jene privaten Haushalte, die Schulden hatten, massiv von Draghis Politik profitiert. Dabei habe ich den gleichen Zinsrückgang wie beim Staat angenommen, während die Schulden der Verbraucher von 1,5 Billionen Euro auf knapp 1,9 Billionen Euro gestiegen sind.

Genau das ist die Absicht der EZB - durch zusätzliche Schulden die Wirtschaft ankurbeln. Da spielt es keine Rolle, dass viele Verbraucher bereits viel zu hohe Schulden haben. 

Folge: Die Zinseinsparungen der privaten Haushalte erreichten herbe 128,5 Mrd. Euro!

Sparer werden immer weiter enteignet

Allerdings muss jemand den Preis zahlen für die gewaltigen Zinseinsparungen, gerade beim Staat: die deutschen Sparer. 

Dabei habe ich den gleichen Zinsrückgang wie oben angenommen, während das Finanzvermögen der Deutschen, also von Sicht-, Termin- und Spareinlagen, Staatsanleihen und von Lebensversicherungen, in dem Zeitraum von insgesamt 2,9 auf 3,7 Billionen Euro gestiegen ist. 

Ergebnis: den Sparern sind Zinsen von 253,2 Mrd. Euro entgangen – unglaublich! Die Politik Draghis und seiner EZB-Kollegen hat in den vergangenen acht Jahren zur größten Umverteilung aller Zeiten von den Gläubigern zu den Schuldnern geführt. 

Vor dem Hintergrund ist die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Draghi ein Schlag ins Gesicht aller deutschen Sparer.

Zudem hat Draghi versucht den Bürgern weiszumachen, dass Strafzinsen normal seien. Das sind sie aber absolut nicht – Strafzinsen sind etwas Irrwitziges, weil man dafür bestraft wird, dass man Geld besitzt. Wenn es aber keine Sparer gäbe, dann könnten sie auch kein Geld verleihen, womit das Schuldensystem der Euro-Zone schnell kollabieren würde. 

Durch das massive Gelddrucken und die Strafzinsen entwertet die EZB zudem die Fiat-Währung Euro immer weiter, weshalb der Goldpreis zuletzt mit knapp über 1.400 Euro je Unze auf Rekordhochs gestiegen ist.

Physisches Gold schützt also gegen den zunehmenden Kaufkraftverlust des Euro. 

Mieten explodieren

Neben den Sparern zahlen die Hauskäufer und Mieter den Preis für Draghis irrwitzige Politik, denn die Preise für Immobilien und die Mieten explodieren – und das dürfte leider auch in den nächsten Jahren so bleiben.

Das liegt allerdings weniger daran, dass in Deutschland zu wenig gebaut wird. Der Hauptgrund ist vielmehr die wahnsinnige Geldpolitik der EZB. Weil Investoren auf der verzweifelten Suche nach Rendite verstärkt Immobilien kaufen, schießen die Preise in die Stratosphäre und damit auch die Mieten. Leider sagt das kaum ein Politiker im Bundestag in Berlin!

Durch ihre Politik vergrößert die EZB die Ungleichheit zwischen Arm und Reich enorm. Die EZB ist also nicht die Lösung vieler Probleme, sondern vielmehr deren Ursache.

Um das Problem explodierender Mieten abzumildern, müssten die Zinsen in der Euro-Zone deutlich steigen. Dann würden Investoren vom Immobilien- in den Anleihenmarkt umsteigen, woraufhin der Aufwärtsdruck bei Häuserpreisen und Mieten erheblich nachlassen würde. 

Das dürfte allerdings ein Traum bleiben, denn die neue EZB-Chefin Christine Lagarde dürfte Draghis irrwitzigen Weg konsequent weitergehen und höchstwahrscheinlich die Strafzinsen noch tiefer in den Keller drücken und noch viel mehr Geld drucken als ohnehin schon.

Dabei dürfte Lagarde immer neue Gründe finden – sprich erfinden -, weshalb der Wahnsinn noch weiter auf die Spitze getrieben werden müsse. Umso wichtiger ist es, sich mit physischem Gold dagegen zu schützen. 

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Strafzins-Draghi bekommt Bundesverdienstkreuz
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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von Josef Even | 29.01.2020, 21:08 Antworten

Der Italiener Draghi weis ganz genau was er in unserer Finanzwelt angerichtet hat, seine Landsleute lachen sich ins Fäustchen weil er den Bankrott Italiens verhindert hat ( zu mindestens bis jetzt, das böse Erwachen folgt noch ) Die überwiegenden Kosten dieser Umverteilung nach Süden zahlen zum größten Teil die dummen Deutschen.
Wenn Draghi auch nur eine Spur von Anstand, Moral und Stil hätte dann würde er das Bundesverdienstkreuz ablehnen ! Aber diese Attribute haben ihm ja schon in seiner gesamten Amtszeit gefehlt. Dass Heiko Maas den Verleihungsvorschlag gemacht hat schockiert zwar aber wundert nicht. Nur weiter so, wahrscheinlich wird schon in 2020 die Finanzwelt ins Trudeln geraten dann sollten wir uns warm anziehen ! Das Chaos naht.

von Monetenkarl | 28.01.2020, 15:51 Antworten

Eine Schande, der Neoliberalismus-Verbrecher Draghi (gelernt auch bei Goldman Sachs) und alle die hinter dem stehen, wollen Europa wirtschaftlich ruinieren und dann komplett übernehmen. Die roten Sozen, Maas der den Verleihungsvorschlag gemacht und Steinmeier, der den Orden dann verleihen wird, hatten sowieso noch nie eine Moral.
Leider weiß ich nicht, wie dieser Schuldenanhäufungswahnsinn auf den Mittelstand zu stoppen wäre. Es gibt leider zu wenige sachkundige Kritiker, die diesen Wahnsinn stoppen könnten, aber mit den deutschen Spitzenpolitikern und jetzt auch wieder mit der europäischen Spitzengarde sieht es m. E. nach noch schlechter aus, insbesondere für Deutschland.

von Commander Crash | 28.01.2020, 02:13 Antworten

In diesem speziellen Fall ist das Bundesverdienst"+" ein Bundesverdienst"-" und ist mit einer jährlich anzupassenden Schuld belastet, die nach einer Art Inflationsindex berechnet wird (Unken rufen es sei mit einem Fluch belegt)... Fremdlagerung nur gegen Zusatzgebühr möglich.

von Mises | 27.01.2020, 16:36 Antworten

Bundesverdienstkreuz für welche Leistung? Für Entwertung der Sparguthaben und Bestätigung dass Geld nichts mehr wert ist? Die Welt wird immer abnormer!

von Ernst von Rittersgut | 26.01.2020, 18:21 Antworten

In Deutschland muß jetzt mit dem eisernen Besen gefegt werden

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