Stand: 06.12.2015  0 Kommentare

Die Abspaltung des Südsudan vom Sudan im Juli 2011 hat den letzteren wirtschaftlich stark mitgenommen. Denn der bei weitem größte Teil der Ölvorkommen des einst zusammengehörenden Landes liegt im heute unabhängigen Südsudan. Das schwarze Gold, das dort schlummert, ist somit für den Sudan verloren. Den Kopf will man deshalb aber nicht hängen lassen. Wenn all das Öl weg ist, dann will man eben das gelbe Edelmetall fördern. Und die Aussichten dafür stehen nicht mal schlecht.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes (AA) gehört der Sudan zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Land ist aber zugleich ungeheuer reich an Bodenschätzen wie Öl, Erze und Edelmetallen. Vor allem der Export von Erdöl war und ist noch immer der wichtigste Devisenbringer. Dass zuletzt der Ölpreis tief abgestürzt ist, rieb zusätzlich Salz in die ohnehin schon klaffenden Wunden der sudanesischen Staatskasse. Denn auch heute noch wird das Steueraufkommen zu mehr als der Hälfte von den Öleinnahmen getragen. Doch wenn der Preisabsturz bei Erdöl schlimm für den staatlichen Säckel war, dann war die Abspaltung und Unabhängigkeit des Südsudan vor vier Jahren eine Katastrophe. Ganze 75 Prozent der gesamten Ölreserven des vormaligen Sudan liegen heute unerreichbar in der neu gegründeten Republik Südsudan. Dort wiederum verlässt man sich zwischenzeitlich sogar zu 90 Prozent auf das schwarze Gold.

Des Erdöls wegen können sich die zwei Sudans auch nicht besonders leiden. Immer wieder kommt es zu Streit. Vor allem, weil der Südsudan für seine Ölexporte über keinen Zugang zum Meer verfügt und alles durch den Sudan leiten muss. Dafür will dieser ordentlich Geld sehen. Das sieht man im Südsudan aber so nicht ein. Im Februar 2012 wäre es deshalb fast zu einem offenen Krieg zwischen den Brüderländern gekommen. Mittlerweile ist man zwar besonnener, doch die wirtschaftlichen Probleme beider Staaten bleiben bestehen. Vor allem dem Sudan steht das Wasser bis zum Hals. Noch bevor der Ölpreis einbrach, waren laut AA damals über Nacht 75 Prozent der Staatseinnahmen weggefallen. Seither arbeitet man fieberhaft daran, die Wirtschaft zu diversifizieren. Das Augenmerk richtet sich dabei in erster Linie auf den Bergbau, und allem voran auf Gold. Inzwischen sieht man sich sogar auf einem guten Weg. Glaubt man dem sudanesischen Bergbauminister, dann könnte das gelbe Edelmetall dem Erdöl sogar eines Tages das Wasser reichen. Aber der Reihe nach.

Goldproduktion im Sudan steigt rasant

Schon vor rund 4.000 Jahren wurde Nubien, der Vorgänger des heutigen Sudan, von den alten Ägyptern als bedeutender Lieferant von Gold geschätzt. Und jetzt scheinen sich die Sudanesen wieder auf diese Epoche zu besinnen. Denn die Goldproduktion in dem Land steigt rasant. Einem Bericht des Nachrichtenportals Gulf News vom vergangenen Samstag (28.11.15) zufolge förderte man dort im Jahr 2009 gerade mal vier Tonnen Gold. Bis zum Jahr 2013 schwoll dieser Wert auf 34 Tonnen an. Ein Jahr darauf waren es bereits 70 Tonnen, und im vergangenen Jahr 82 Tonnen. Im Jahr 2016 sollen es mehr als 100 Tonnen von dem gelben Edelmetall werden, die aus den nördlichen Wüstenregionen des Landes aus dem Boden geholt werden. Laut der Tageszeitung Sudan Tribune machen diese Zahlen den Sudan schon jetzt zum drittgrößten Goldproduzenten auf dem afrikanischen Kontinent, just hinter Ghana und Südafrika. Doch spätestens bis zum Jahr 2018 will der Sudan Südafrika überholt haben und an der Spitze der afrikanischen Goldproduzenten stehen. Die Marschrichtung wurde vom sudanesischen Präsidenten, Umar al-Baschir, selbst vorgegeben. Unmittelbar nach der Abspaltung des Südsudan sagte er den vielzitierten Satz:

"Wir haben das Öl verloren, aber wir haben Gold"

800 Goldlagerstätten warten im Sudan auf ihre Ausbeutung

Tatsächlich scheint dieses Wachstum gezielt und von langer Hand vorbereitet worden zu sein. Im Jahr 2012 wurde eine neue Scheideanstalt eingerichtet, deren Kapazität bei rund 300 Tonnen Gold im Jahr liegt. Doch dem Anschein nach ist das nur der Anfang. Ein Fingerzeig in die Zukunft sind die rund 800 Goldlagerstätten, die in dem immer noch riesigen Land identifiziert wurden und auf ihre Ausbeutung warten. Derzeit sind im Sudan 132 Unternehmen registriert, die diese Lagerstätten auf den Abbau des gelben Edelmetalls vorbereiten. Erst 13 dieser Minenbetreiber haben die Goldförderung bereits aufgenommen. In Khartoum, der Hauptstadt des Sudan, arbeitet man derweil an einem neuen Regelwerk, das den Goldabbau besser regulieren und effizienter machen soll. Dazu gehört die Einführung neuer Technologien ebenso wie das Hausieren bei großen internationalen Minenbetreibern aus Russland, China und den USA, die man für die Ausweitung der Goldproduktion gewinnen will. Mit Saudi-Arabien hat man sich schon darauf verständigt, gemeinsam eine Mine für Gold, Silber und Kupfer nahe des Roten Meeres auf die Beine zu stellen.

Gold im Wert von 1,7 Billionen Dollar?

Aber damit nicht genug. Und um es gleich vorwegzunehmen: Es sind die Worte des sudanesischen Bergbauministers Ahmed Sadiq al-Karun, der laut der Sudan Tribune einen Bericht der Nachrichtenagentur Business Prime vom vergangenen Juli bestätigte. Demnach habe man letzten Sommer mit einem russischen Minenbetreiber und Investor den größten Investment-Deal in der Geschichte des Sudan abgeschlossen. Bei der Exploration in zwei Provinzen seien gleich zwei gewaltige Goldlagerstätten entdeckt worden, sagte Al-Karun. Zusammen sollen dort rund 46.000 Tonnen Gold liegen, wiederholte der Minister auf mehrfaches skeptisches Nachfragen von Journalisten. Ja, sagte der Minister, es handle sich um die größten Goldlagerstätten der Welt. Zusammengenommen hätten sie einen Wert von 1,7 Billionen Dollar (Engl. 1.7 trillion), betonte Al-Karun. Die Frage, warum nicht bereits die internationalen Medien auf diese Mega-Story aufmerksam geworden seien, ließ der Minister indes unbeantwortet. Sollte diese Meldung auch nur im Entferntesten zutreffen, dann dürften sich die finanziellen Sorgen Khartoums in naher Zukunft in Luft auflösen.

Goldrausch wie einst in Kalifornien

Doch das wirklich Kuriose an dem sudanesischen Versuch, das schwarze Gold mit dem gelben Edelmetall zu ersetzen, ist, dass bislang 90 Prozent des im Sudan geförderten Goldes nicht von Unternehmen, sondern von Privatleuten geschürft wird. Auf Geheiß des Präsidenten kauft die sudanesische Zentralbank jedes privat geförderte Gold auf, veredelt und exportiert es. Meist sind es junge Kerle, nicht selten arbeitslos und ohne Perspektive, die sich in Gruppen zusammentun, in einen Metalldetektor investieren und in die Wüste hinausfahren um dort ihr Glück zu versuchen. Nicht wenige haben auf diese Weise in den vergangenen Jahren ihre bittere Armut hinter sich gelassen. Manche sind gar zu Millionären geworden. Und die Erfolgsmeldungen stecken an. Im Jahr 2010 gab es im Sudan geschätzte 200.000 private Goldschürfer. Jetzt sollen es mehr als eine Million sein. Nochmal mehr sind zugleich in Nebenindustrien tätig und verkaufen Ausrüstung, Nahrung und Trinkwasser an die Goldschürfer. Der frühere sudanesische Bergbauminister Abdelbaqi Al Jaylani sagt, im Sudan spiele sich ein Goldrausch ab wie einst in Kalifornien. Man mag es nennen wie man will. Durch das ehemalige Nubien weht ein neuer Wind der Hoffnung. Man jubelt wieder. Und bei all dem hat die Fahrt gerade erst begonnen.

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