Stand: 11.03.2014  0 Kommentare

Der meistgehandelte Palladium-Future an der New Yorker Terminbörse NYMEX schloss den Handelstag am Freitag, dem 7. März 2014, mit einem Preis von 782,70 Dollar ab. Damit kostete das insbesondere von der Automobilindustrie nachgefragte Edelmetall Ende vergangener Woche so viel wie zuletzt im September 2011, von einem kurzfristigen Hoch im April letzten Jahres abgesehen. Die Ursachen für die jüngsten Preisansteige sind nach Meinung von Analysten in der kontroversen Rolle Russlands bei der Krim-Krise und den andauernden Streiks in südafrikanischen Platin- und Palladiumminen zu suchen. Zusammengenommen stellen Russland und Südafrika ca. 80 % des weltweiten Angebots an Palladium.

Sanktionen und Ausfuhrverbote bedrohen Angebot an russischem Palladium

Der Streit zwischen Russland, der Ukraine und dem Westen über die Zukunft der Krim schürt Ängste der Anleger vor einem Stopp russischer Palladiumlieferungen ins Ausland. Etwa 40 % des weltweit geförderten Palladiums stammen aus den sibirischen Nickelminen von Norlisk. Hinzu kommen die - allerdings inzwischen rapide abnehmenden - Verkäufe aus russischen Staatsbeständen, die noch zu Zeiten der Sowjetunion in Russland aufgebaut wurden.

Eine Unterbrechung russischer Lieferungen von Palladium könnte zweierlei Formen annehmen. Zum einen könnten die USA gemeinsam mit der EU Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängen, von denen das Edelmetall betroffen ist. Die bisherigen Sanktionen haben eher symbolische Bedeutung und stören die Ausfuhren von Palladium nicht.

Die Verschärfung der Sanktionen wäre für den Westen eine mögliche Option, wenn das für den 16. März geplante Referendum über einen Beitritt der Krim zu Russland wie erwartet mit einem prorussischen Votum endet und die Halbinsel dem russischen Staatsgebiet einverleibt wird. Die USA und auch europäische Länder, darunter Deutschland, haben bereits angekündigt, dass sie das Votum nicht anerkennen werden, da das Referendum nicht mit internationalem Recht vereinbar sei. Russland solle stattdessen die territoriale Integrität der Ukraine anerkennen, so die aktuellen Forderungen des Westens.

Andererseits könnte auch Russland selbst die Ausfuhr an Palladium vorübergehend einstellen und so das ohnehin knappe Angebot weiter reduzieren. Ein Großteil der weltweiten Nachfrage nach Palladium stammt aus der Automobilindustrie, die das Edelmetall für den Einsatz in Katalysatoren benötigt. Die Nachfrage der Fahrzeughersteller wird von Analysten als robust eingeschätzt. Von einer Preisexplosion beim Palladium wären westliche Hersteller direkt betroffen, allerdings erst nach einer gewissen Zeit, da die Einkäufe üblicherweise einige Monate im Voraus getätigt werden.

Andauernde Streiks in Südafrika belasten Förderung von Palladium

Laut Informationen des Raffinierers und Herstellers von Katalysatoren Johnson Matthey lag der Anteil des südafrikanischen Palladiums im letzten Jahr bei 37 % des globalen Minenangebots. Südafrika nahm damit hinter Russland einen starken zweiten Platz ein. Das Edelmetall wird in dem afrikanischen Land vor allem als Nebenprodukt der Platinförderung abgebaut.

Sollten sich die inzwischen mehr als sechs Wochen andauernden Streiks in den Minen von Anglo American Platinum, Impala und Lonmin bis Ende März hinziehen, wird sich der Verlust für 2014 laut Schätzungen von Credit Suisse auf 280.000 Feinunzen Palladium belaufen. Das entspräche ca. 4 % der gesamten Fördermenge im letzten Jahr.

Palladium-ETF dürfte Nachfrage beflügeln

Für eine zunehmende Nachfrage nach Palladium könnte die zwar verschobene, aber nicht aufgehobene Ausgabe eines südafrikanischen Palladium-ETFs sorgen. Der Fonds der zu Barclays gehörenden Absa Capital Ltd sollte eigentlich bereits im Januar an den Start gehen. Ein neuer Ausgabetermin ist bisher nicht bekannt. Analysten trauen dem ETF durchaus einen erheblichen Einfluss auf den Palladiummarkt zu.

"Wenn wir eine aggressive Investment-Nachfrage in Südafrika sehen, würde das für eine noch größere Marktenge sorgen", äußert sich zum Beispiel Bart Melek, Rohstoff-Analyst bei TD Securities, gegenüber dem Wall Street Journal.

Palladiumpreis bricht aus Seitwärts-Range aus

Mit dem jüngsten deutlichen Anstieg des Palladiumpreises wurde ein interessantes charttechnisches Signal generiert. Das Edelmetall ist mit starkem Volumen aus einer lange andauernden Seitwärtsbewegung nach oben ausgebrochen. Eine genauere charttechnische Einschätzung zu Palladium können Sie sich in der aktuellen und exklusiv für Gold.de erstellten Videoanalyse von Dr. Hamed Esnaashari ansehen.

Quellen: Wall Street Journal, Financial Times, Spiegel Online

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