Stand: 22.04.2016  0 Kommentare

Tansania gehört mit zu den größten Goldproduzenten von Afrika. Doch nicht zuletzt weil das ostafrikanische Land über keine effiziente Goldscheideanstalt verfügt, wandert ein Teil der Profite ins Ausland ab. Um das zu ändern werden jetzt internationale Investoren gesucht.

In Tansania gibt es zahlreiche Goldminen. Seit mehr als hundert Jahren - beziehungsweise seit der Eröffnung der Sekenke-Goldmine durch die damalige deutsche Kolonialmacht im Jahr 1909 - wird in Tansania kommerziell Gold gefördert. Seit Beginn des neuen Jahrtausends hat sich die Goldproduktion des Landes zudem drastisch ausgeweitet. In den letzten 15 Jahren wurden in dem ostafrikanischen Land im Durchschnitt jedes Jahr gut 40 Tonnen des Edelmetalls aus dem Boden geholt. Im Jahr 2013 lag die Goldproduktion laut dem Branchenverband World Gold Council (WGC) sogar bei fast 47 Tonnen. Das entsprach den Angaben zufolge einem Gegenwert von rund 2,1 Milliarden Dollar. Zugleich machte Gold im gleichen Zeitraum 41,5 Prozent aller Exporte des Landes aus. Ohne Zweifel spielt die Goldförderung eine wichtige Rolle in der Wirtschaft von Tansania. Doch abgesehen davon, dass nicht allzu viel des tansanischen Goldreichtums bei der Bevölkerung ankommt, hat der traditionsreiche Industriezweig einen weiteren gewaltigen Haken. Da das Land noch immer über keine effiziente Goldscheideanstalt verfügt, die das gewonnene Golderz zu purem Gold (99,9 %) veredeln kann, wandert ein guter Teil der Wertschöpfung ins Ausland ab. Das schlägt sich nicht nur in der Bilanz nieder, sondern auch bei der Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitsplätzen.

Goldscheideanstalt in Südafrika Teil der Wertschöpfungskette

Einem Bericht des tansanischen Nachrichtenportals The Citizen vom vergangenen Dienstag (19.04.16) zufolge sind die in dem Land verfügbaren Technologien zur Veredelung von Gold zwar in der Lage, das aus den dortigen Goldminen gewonnene Golderz auf bis zu zwischen 80 und 90 Prozent reinen Goldes zu veredeln. Doch die vorhandenen Scheideanstalten haben demnach nicht die Kapazität, die darüber hinaus gehenden Restmetalle, darunter unter anderem auch Silber, aus den angelieferten Erzen zu lösen, wie es hieß. Gezwungenermaßen wird das auf diese Weise minderwertig veredelte Gold an eine Goldscheideanstalt in Südafrika weitergeleitet, wo man über die entsprechende Anlagen und Expertise für die Veredelung von Erzen zu purem Gold verfügt. Dieses zusätzliche und nicht gerade billige Glied in der Wertschöpfungskette einer der wichtigsten Industriezweige von Tansania ist der dortigen Regierung mittlerweile ein Dorn im Auge. Denn sämtliche Goldminenbetreiber in dem Land, ob von der Größe eines AngloGold Ashanti oder Barrick Gold, die dort von Tochterunternehmen repräsentiert werden, bis hin zu Mittelständlern und kleinen Familienbetrieben, kommen nicht umhin, den Umweg über die Goldscheideanstalt in Südafrika in Kauf zu nehmen. Zwar geht die Höhe der so entstandenen Reibungsverluste aus dem Bericht nicht hervor, doch auf lange Sicht haben diese offenbar nicht nur einen spürbaren negativen Einfluss auf die Gewinnmargen der Goldsucher. Das unvollständig veredelte und somit "qualitativ minderwertige Produkt" aus der tansanischen Goldproduktion nagt damit auch an den staatlichen Einnahmen aus dem für Tansania wichtigen Goldgeschäft. Ein Sprecher der zu AngloGold Ashanti gehörenden Geita-Goldmine im Südwesten des Landes - mit durchschnittlich rund 14 Tonnen Jahresproduktion die größte Goldmine von Tansania - sagte laut Bericht:

"Unser Unternehmen kann lediglich Goldbarren mit einer Reinheit zwischen 80 und 90 Prozent verarbeiten. Andere Mineralien, einschließlich Metallen wie Silber, bleiben in den Barren zurück und mindern die Qualität unserer Erzeugnisse".

Regierung auf der Suche nach Joint Venture für Goldscheideanstalt

Dieser seit Jahr und Tag in der tansanischen Goldindustrie anhaltende Um- beziehungsweise Missstand hat nun offenbar auch die Schmerzgrenze der Regierung in der Hauptstadt Daressalam erreicht. Dort wurde jetzt das Bergbauministerium angewiesen, sich auf die Suche nach tragfähigen Lösungen zu machen, mit denen die Erlöse aus den tansanischen Goldminen und den damit verbundenen Arbeitsplätzen vollumfänglich im Land bleiben sollen. Allem vorweg wird deshalb nach internationalen Investoren gesucht, die es dem Land ermöglichen sollen, eine Goldscheideanstalt zu errichten, die in der Lage ist, die aus heimischen Minen angelieferten Erze zu Goldbarren mit einer Reinheit von 99,9 Prozent zu veredeln. Dem "Citizen" zufolge sagte der für den tansanischen Bergbau zuständige Staatssekretär, Al Samaje, am vergangenen Montag:

"Als Regierung sind wir bereit, zur Errichtung einer Anlage für die Aufwertung des (tansanischen) Goldes ein Joint Venture entweder mit Individuen oder mit Unternehmen einzugehen. Das wird dem Land besser zu Gute kommen."

Wie groß die Bedeutung von Gold sowohl für die Wirtschaft als auch die Identität des ostafrikanischen Landes ist, lässt sich derweil nicht nur an der Anzahl der Goldminen und den darin beschäftigten Arbeitnehmern ablesen. Auch in der Währung des Landes, dem Tansania-Schilling, findet die Goldindustrie ihren Niederschlag. So ist etwa auf der Rückseite der zweitgrößten erhältlichen Banknote mit einem Nennwert von 5.000 Schilling (ca. zwei Euro) die bereits weiter oben aufgeführte Geita-Goldmine in großer Prominenz abgebildet. Deren Goldproduktion belief sich im vergangenen Jahr auf insgesamt 527.000 Unzen (knapp 16,4 Tonnen) bei Betriebskosten von lediglich 480 Dollar pro Unze.

Tansania sucht Investoren für Goldscheideanstalt
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