Gold: 1.539,60 € 0,00 %
Silber: 20,89 € +0,01 %
Stand: 23.09.2021 von Hannes Zipfel
Fundamental gestaltet sich das Umfeld für Gold und Silber zunehmend positiv. Doch welche Signale kommen von der Charttechnik und den Terminmärkten für die weitere Entwicklung der beiden Edelmetalle?
Technische Verfassung des Gold- und Silbermarktes

Dazu eine kompakte Vorabübersicht:

  • Die Charttechnik sieht für beide Edelmetalle konstruktiv aus.

  • Die Situation an den Terminmärkten ist gemäß der COT-Daten für Silber deutlich positiver als für Gold.

  • Das Bedürfnis und die Gründe für eine Absicherung gegen unvorhersehbare Risiken an den Finanzmärkten steigt.

Chartanalyse in US-Dollar dominiert

Kurz der Hinweis, dass unter rein charttechnischen Aspekten die Analyse der Gold- und Silberpreise in der Währung US-Dollar deutlich zuverlässigere Signale generiert als die Untersuchung der Preise in Euro.

Der Grund dafür ist die überwältigende Dominanz angelsächsischer Analysten und automatischer Handelssysteme (sog. Algos), die den Edelmetallmarkt observieren und nach technischen Signalen primär in der Welthandelswährung Ausschau halten.

Daher orientiert sich auch diese Analyse an den Preisverläufen in der Währung US-Dollar, in der weltweit (noch) alle wichtigen Rohstoffe bepreist und gehandelt werden.

Ungeachtet dieser Tatsache ist für deutsche und europäische Anleger natürlich die Wertentwicklung der Gold- und Silberpreise in Euro bzw. Schweizer Franken etc. für die Entwicklung ihres eigenen Vermögens entscheidend.

Fibonacci-Retracements, Oszillatoren und COT-Daten

Seit 58 Wochen konsolidiert der Goldpreis den vorherigen starken Anstieg um ca. 900 US-Dollar pro Unze vom August 2019 bis zum August 2020 bis auf 2.063 US$/Unze (Allzeithoch) aus. Nach einer Wertsteigerung von über 70 Prozent innerhalb eines guten Jahres ist das eine völlig normale technische Gegenreaktion.

Geschuldet war die ausgedehnte Korrektur auch den Gewinnmitnahmen von professionellen Spekulanten und kurzfristig orientierten privaten Anlegern, die stark momentumgetrieben agieren, nach dem etwas modifizierten Motto:

„The Hype Is Your Friend“ (Im Original: The Trend Is Your Friend“).

Läuft ein Hype nicht weiter, wird ungeduldig verkauft und in neue "Hypes“ umgeschichtet. Das bedeutet aber auch, dass Gold und Silber sehr schnell auch wieder auf den Radarschirmen der digitalen Neo-Trader auftauchen können, die ständig auf der Suche nach Märkten mit hohem Momentum sind.

Der nachhaltige Trend zur soliden Nachfrage nach Münzen und Barren bleibt von den Zockereien an den Börsen ohnehin größtenteils unberührt.

Der Chart des Goldpreises in US-Dollar auf Tagesbasis zeigt nach der frustrierend langen Preiskorrektur nun deutliche Anzeichen einer Stabilisierung. Im Zuge eines nach wie vor intakten Bullenmarktes mehren sich die Zeichen einer Wiederaufnahme des Primärtrends.

Erst wenn der Goldpreis in US-Dollar nachhaltig unter die Marke von 1.630 pro Unze fallen würde, wäre das Hausse-Szenario in Gefahr.

Goldpreis in US-Dollar pro Unze

Doch bis dahin haben die Notierungen noch ganze 144 US$/Unze bzw. gut 8 Prozent Luft. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, ist geringer als das gegenteilige Szenario eines Preisanstiegs, denn

  1. Der Goldpreis hat die über dieser Marke liegende signifikante horizontale Unterstützungslinie bei ca. 1.680 US$/Unze bereits drei Mal erfolgreich verteidigt und

  2. Bei ca. 1.684 US$/Unze verläuft das 61,8 Prozent Fibonacci-Retracement.

Dieses 61.8er Retracement hat sich generell als besonders starkes Preislevel herausgestellt. Hier ist in 99 Prozent der Fälle mit einer Gegenbewegung des jeweiligen Vermögenspreises zu rechnen. Je nach Chartmuster kann der Kurs hier sogar nachhaltig drehen – also eine Wiederaufnahme des Primärtrends vollziehen.

Das Umfeld für eine solche Trendwende ist auf breiter Front, nicht nur charttechnisch, für den Goldpreis gegeben.

Die Oszillatoren "Relative Stärke" (RSI) und Stochastik, zeigen auf Basis des Tagescharts aktuell eine "Überverkauftheit" an. Auch dies ist aufgrund der Charakteristik von RSI und Stochastik als Kontraindikatoren in Richtung steigender Preise zu interpretieren.

Die Konsolidierung beim Silberpreis ähnelt der des Goldes zwar von der zeitlichen Ausdehnung her, verlief bisher aber weniger signifikant. In der Spitze erreichte der Preis des weißen Edelmetalls das Korrekturniveau auf dem Level der Tiefststände aus dem September und November 2020.

Mehr als 50 Prozent der vorherigen Aufwärtsbewegung seit März 2020 korrigierte der Silberpreis dabei nicht.

Silberpreis Chart - US-Dollar pro Unze

Im Zuge weiterer Irritationen und Verwerfungen an den Finanzmärkten aufgrund diverser unkalkulierbarer Risiken, könnte der Silberpreis in dem relativ engen und liquiditätsarmen Markt nochmals kurz auf das bedeutende 61,8 Prozent Retracement abrutschen.

Dies wären dann aber absolute Kaufkurse, zumal bereits jetzt der Terminmarkt klare Kaufsignale für Silber generiert.

Wie beim Goldchart zeigen auch bei Silber die Oszillatoren eine klare "Überverkauftheit" an, was zumindest eine Gegenbewegung in den kommenden Tagen wahrscheinlich macht.

COT-Index mit Kaufsignal

Die von der US-Terminmarktaufsichtsbehörde CFTC auf wöchentlicher Basis veröffentlichten Statistiken zur Positionierung der Terminmarktteilnehmer, genannt Commitments of Traders (COT), offenbaren momentan ein relativ geringes Engagement spekulativer Anleger auf steigende Silberpreise (rote und blaue Linien im zweiten Chartabschnitt von oben).

Zudem verharrt die Gesamtzahl spekulativer Kontrakte (OI) nahe eines mittelfristigen Rekordtiefs. Vonseiten des wichtigsten Silber-Terminmarktes her ist weiterer potenzieller Verkaufsdruck also stark begrenzt.

Dies bestätigt auch der im unteren Chartsegment rot dargestellte COT-Index, der mit Ständen über 80 ein klares Kauf-Signal abgibt.

COT - Daten Silber in US-Dollar per OZ

Beim Goldpreis befindet sich der COT-Index hingegen momentan im Verkaufen-Bereich, was den zuletzt stärkeren Engagements spekulativer Marktteilnehmer und damit einhergehend steigender Kurse geschuldet ist.

Fazit und Ausblick

Nachhaltiges Potenzial für Preisrückgänge geben die Märkte für Gold und Silber nach der ausgedehnten Preiskorrektur der letzten Monate nicht mehr her. Kurzfristig könnte es gleichwohl nochmals zu deutliche höherer Volatilität kommen.

Wichtige Entscheidungen und Entwicklungen auf politischer und ökonomischer Ebene sind in der Lage, technische Marken bei Gold und Silber zu pulverisieren. Das gilt vor allem im Zuge eines kurzfristigen Liquiditätsschock.

Dieses Risiko sollten Anleger mit einkalkulieren.

Gleichzeitig wäre ein solcher liquiditätsbedingter Sell-Off in Anbetracht der übergeordneten Rahmenbedingungen und der anhaltend aggressiven Geldpolitik eine klare Opportunität für den Auf- und Ausbau von Edelmetallpositionen.

Zusätzlich zu der vielversprechenden technischen Verfassung des Marktes erhöht die sich weiter zuspitzende Risikolage an den Finanzmärkten die Chancen einer Wiederaufnahme des Edelmetallpreisanstiegs.

Eine ganze Reihe von Themen ist dabei geeignet, die Stimmung rasch wieder in Richtung Investments in Gold und Silber zu drehen. Dazu gehören unter anderem:

  1. Die Abkühlung des chinesischen Wirtschaftswachstums als Konjunkturmotor der Welt,

  2. Das auf Eis legen der geldpolitischen Trendwende bei der US-Notenbank Fed,

  3. Der drohende technische Staatsbankrott der USA im Oktober,

  4. Die massenhaft auslaufenden Pandemiehilfsprogramme (Stimulus-Klippe),

  5. Die anhaltenden globalen Lieferengpässe,

  6. Die europäische Energiekrise,

  7. Die historisch negativen Realzinsen,

  8. Die hartnäckige Preisinflation,

  9. Das Vertrauen belastende Schönreden der Inflation durch die "Währungshüter" (v. a. bei der EZB).

Diese Ballung unterstützender Impulse für die Preisentwicklung von Gold und Silber lässt für das gelbe Edelmetall neue absolute Kursrekorde im Bereich von 2.400 bis 2.500 US-Dollar pro Unze als absolut realistisch erscheinen.

Silber, dass stärker mit der Konjunkturentwicklung assoziiert ist, hat das Potenzial, neue zyklische Höchststände im Bereich jenseits der 30 US-Dollar Marke zu erreichen.

Autor: Hannes Zipfel
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"