Stand: 12.08.2016  1 Kommentare

Vor knapp 400 Jahren wurde sie in Deutschland geprägt - und zwar aus purem Gold, das aus einem Bergwerk im Harz stammte. Erst im vergangenen Jahr erzielte sie bei einer Auktion einen Preis von rund 1 Million Euro. Damit ist diese Schaumünze die teuerste und wertvollste Münze, die jemals in Deutschland geprägt worden ist. Jetzt ist der so genannte Jakobslöser in einer Sonderausstellung in Braunschweig zu sehen.

Vor wenigen Tagen hat im Schlossmuseum Braunschweig die Sonderausstellung "Schatzkammer Harz" ihre Pforten geöffnet. Neben zahlreichen historischen Exponaten, die aufzeigen, welchen Einfluss die Braunschweigischen Herzöge auf die Entwicklung des Harzes, und insbesondere auf den dortigen Bergbau, die Tierwelt und die Wissenschaften hatten, wartet die am vergangenen Freitag eröffnete Ausstellung mit einem ganz besonderen Highlight auf. Dabei handelt es sich um den so genannten Jakobslöser (Bild hier), einer schweren Schaumünze aus dem frühen 17. Jahrhundert, die der damalige Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel (1591 - 1634) aus dem Gold einer Harzer Grube anfertigen ließ. Am 30. Oktober 2015 erzielte das Prachtstück auf einer Auktion in London mit umgerechnet rund 1 Million Euro den bisher höchsten Preis, den jemals eine in Deutschland geprägte Münze erreichen konnte. Zuvor lag der Preisrekord für deutsche Münzen beim so genannten Brandenburger Portugalöser aus dem Jahr 1584, der auf einer Auktion im Jahr 1999 für damals sagenhafte 375.000 D-Mark den Besitzer gewechselt hatte.

Jakobslöser bringt fast 60 Gramm Gold auf die Waage

Wie der Name bereits sagt, gehört der betreffende Jakobslöser zum Münztypus der "Löser", die erstmals vom Welfen-Herzog Julius (1528 - 1589) ab dem Jahre 1574 in Silber herausgegeben wurden. Auch der allererste Juliuslöser in Silber ist auf der Sonderausstellung im Braunschweiger Schlossmuseum zu sehen. Im Allgemeinen waren die Löser aber kein offizielles Zahlungsmittel, sie dienten vornehmlich der herzoglichen Selbstdarstellung und als Machtdemonstration. Dennoch waren sie auch finanzpolitisch von großer Bedeutung, denn sie wurden als Geldanlage von wohlhabenden Bürgern gehalten und konnten im Falle einer finanziellen Schieflage des Herzogtums von den "Anlegern" zurückgefordert beziehungsweise "eingelöst" werden, woraus sich auch die Namensgebung für diese Art von Münzen ergibt. Der Jakobslöser allerdings wurde nicht aus Silber, sondern aus purem Gold gefertigt, was ihn über alle Maßen selten und außergewöhnlich macht. Darüber hinaus stammte das Gold für den Jakobslöser aus einer Harzer Grube namens St. Jakob, woraus sich schließlich der gesamte Namen dieser wertvollen Münze ableiten lässt. In dieser Grube in der Gemeinde Lauthenthal, die im Jahr 1538 von Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel als Bergmannssiedlung gegründet wurde, war nahezu 400 Jahre lang und noch bis in die frühen 1960er Jahre hinein Erz abgebaut worden. Geprägt wurde der mächtige Jakobslöser im Jahr 1625 vom damaligen Goslaer Münzmeister Hermann Schlanbusch, der dafür insgesamt 59,32 g Gold aus der St. Jakob-Grube verarbeitet hat.

Münze ist "seltenes Exemplar einer besonderen Prägung"

Der Jakobslöser hat zudem einen Durchmesser von 67 Millimetern und sticht mit dieser enormen Größe unter den anderen Münzen der Sonderausstellung deutlich hervor, wie die Leiterin des Braunschweiger Schlossmuseums, Ulrike Sbresny, in einem Interview mit dem NDR vom vergangenen Freitag betonte. Die Münze sei ein "ganz seltenes Exemplar dieser besonderen Prägung", sagte Frau Sbrensy dem Sender. Schon das Motiv der Münze weise mit der Darstellung des Apostels Jakobus des Älteren auf die St. Jakob-Grube hin. Der heilige Jakobus ist auf der Münze barfüßig mit einem Pilgerstab, einem groben Gewand und Schlapphut unter einer strahlenden Sonne dargestellt, in deren Mitte sich der hebräische Schriftzug JHWH (Jehova) befindet. Noch zum Motivfeld gehörend findet sich rechts und links des Jakobus der lateinische Schriftzug "SINE DEO NIHIL FELICITER SVCCEDIT" (Ohne Gott gelingt nichts glücklich). Der um den gesamten Münzrand verlaufende lateinische Schriftzug wiederum verweist in der Umschrift auf die reichen Metallfunde in der St-Jakob-Grube. Auf der anderen Seite der Münze ist das Wappenschild von Braunschweig-Wolfenbüttel abgebildet, das von einem "wilden Mann" getragen wird. Darüber prangt das Prägejahr 1625, darunter die Initialen HS für den Münzmeister Hermann Schlanbusch. Der Münzrand wird auch hier vollständig und dicht gedrängt von dem lateinischen Schriftzug FRIDERICUS ULRICUS DEI GRATIA DUX BRUNCUICENSIS ET LUNEBURG (Friedrich Ulrich von Gottes Gnaden Herzog von Braunschweig und Lüneburg) gefüllt.

Über die Sonderausstellung "Schatzkammer Harz"

Neben dem Jakobslöser sind in der Sonderausstellung "Schatzkammer Harz" noch weitere kostbare Goldmünzen sowie zahlreiche Löser-Münzen aus Silber zu bewundern. Weitere Schwerpunkte der Ausstellung sind außer Münzen und Medaillen zudem die Themen Bergbau, Jagd und Geologie, die allesamt für das Leben und Wirken der Braunschweigischen Herzöge von großer Bedeutung waren. So konnte das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel, also die Welfen, vor allem in finanzieller Hinsicht vom Bergbau im Harz nachhaltig profitieren. Mit zahlreichen und vielfältigen Exponaten aus Museen in Braunschweig und dem gesamten Harz geht die Ausstellung der Frage nach, welchen Einfluss die Braunschweigischen Herzöge auf die Entwicklung der Region Harz bis heute haben. Die Sonderausstellung läuft noch bis zum 3. März 2017. Wer vorab schon ein bisschen mehr sehen möchte, darunter auch den Jakobslöser als teuerste Münze von Deutschland, kann sich ein kurzes, vom NDR bereit gestelltes Video ansehen. Preise und Öffnungszeiten sowie die Möglichkeit zu kostümierten Führungen unter persönlicher Teilnahme des Herzogs Carl Wilhelm Ferdinand oder Herzogin Marie können hier eingesehen werden.

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Kommentare [1]
  • von irgendwo im Nirgendwo | 12.08.2016, 23:11 Antworten

    Interessanter Artikel, vielen Dank

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