Stand: 23.09.2020 von Hannes Zipfel
Sehen wir beim Goldpreis nur eine Korrektur des starken Anstiegs aus dem Frühjahr und Sommer oder eine Trendwende? Die Gemengelage aus politischen, ökonomischen und pandemischen Entwicklungen spricht für eine lediglich temporäre Schwächephase.
Trendwende beim Goldpreis?

Technische Verfassung des Goldpreises

Von seinen Anfang August erreichten Rekordständen hat sich der Goldpreis bereits deutlich entfernt. In Euro hat sich die Unze Gold (31,1 g) seither um 122 Euro bzw. 7 Prozent verbilligt. In der Weltleitwährung beträgt der Abschlag 170 US-Dollar bzw. 8,2 Prozent.

Damit bewegt sich der Goldpreis gleichwohl nach wie vor im Rahmen einer normalen Konsolidierung.

Erst ab einem Minus von 20 Prozent vom Höchststand gerechnet wäre der Bullenmarkt in ernsthafter Gefahr. Bis dahin ist noch viel Luft und die Bereiche um 1.860 US-Dollar sowie knapp über der 1.800er Marke bieten gute Unterstützung.

Die wichtige 200-Tage-Durchschnittslinie (SMA 200) verläuft noch tiefer bei aktuell 1.720 US-Dollar pro Unze Gold. Die Stochastik und der Relative-Stärke-Index (RSI) zeigen zudem bereits eine deutliche „Überverkauftheit“ an, was das Potenzial nach unten begrenzen sollte.

Grafik Goldpreis in US-Dollar pro Unze

Auch ein Blick auf die Terminmarktdaten der weltweit dominierenden Rohstoffbörse COMEX zeigt keine Euphorie oder Überspekulation für den Goldmarkt an, die noch bereinigt werden müsste. Die Zahl der spekulativen Kontrakte der sogenannten „Large Speculators“ auf steigende Preise hatte am 21. Februar bei 353.649 ihren Zenit erreicht. Seitdem hat sich die Zahl dieser Kontrakte auf zuletzt 241.000 reduziert.

Diese Daten beinhalten noch nicht den jüngsten Goldpreisrückgang in dieser Woche. Es ist davon auszugehen, dass sowohl die großen Spekulanten als auch die Kleinspekulanten ihre Kontrakte auf steigende Goldpreise in den letzten Tagen weiter reduziert haben.

Aktualisierte Daten vom Terminmarkt werden von der US-Aufsichtsbehörde CFTC am kommenden Freitagabend veröffentlicht.

Stimuli und Sonderregelungen laufen aus

Es ist davon auszugehen, dass die ökonomischen Schäden aus der ersten Pandemiewelle erst mit Zeitverzögerung in Form von stark zunehmenden Insolvenzen und Geschäftsaufgaben sichtbar werden.  Dies liegt an zeitlich begrenzt gültigen Sonderregelungen und Geldern, die im Rahmen von staatlichen Hilfspaketen flossen.

So müssen beispielsweise ab dem 1. Oktober Insolvenzen in Deutschland wieder angezeigt werden, dies gilt sowohl für Unternehmen und Selbstständige als auch für Privatpersonen.

Die Bankenaufsicht BaFin kippt ebenfalls zum 1. Oktober die Sonderregelung, dass Banken Kredite, die nicht mehr bedient werden können, nicht abschreiben müssen. Ab dem vierten Quartal wird die wieder in Kraft gesetzte Abschreibungspflicht die Bilanzen der Banken und deren Kreditvergabebereitschaft belasten.

In den USA können Unternehmen aus dem Bereich Luftfahrt (Airlines) ab 1. Oktober Massenentlassungen vornehmen, was sie in Anbetracht ihrer Geschäftseinbrüche auch bereits angekündigt haben.

Schon im August liefen zusätzliche Hilfszahlungen an Arbeitslose in den USA in einem Volumen von 600 US-Dollar pro Woche und Person aus. Diese Zahlungen wurden nur teilweise durch eine Präsidialverfügung von Donald J. Trump ersetzt.

Auch Einmalzahlungen in Höhe von 1.200 US-Dollar für Geringverdiener und mittlere Einkommensschichten wie im Sommer dieses Jahres wird es wegen des Streits um ein fünftes Konjunkturpaket im US-Kongress vor den Wahlen am 3. November wohl nicht mehr geben.

Zweite Welle der Pandemie ist längst Realität

Da sich in den weltweiten Neuinfektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus noch keine Entspannung zeigt und in Westeuropa die Covid-19-Welle zum zweiten Mal anschwillt, ist mit erneuten wirtschaftlichen Belastungen im Rahmen von Präventionsmaßnahmen zu rechnen.

Bereits jetzt droht Großbritannien ein zweiter landesweiter Lockdown. In Israel ist dieser bereits für weitere drei Wochen Realität. Länder wie Spanien, Frankreich, Russland, Tschechien, der Schweiz und Österreich droht ebenfalls eine zweite Corona-Welle. Diese dürfte auch vor Deutschland, den USA und Lateinamerika in der kalten Jahreszeit nicht halt machen.

Einen weltweit in der Breite einsetzbaren Impfstoff wird es vor Jahresultimo wohl ebenfalls nicht geben, nachdem die USA zuletzt ihre Sicherheitsauflagen für einen möglichen Impfstoff verschärft haben, um der geringe Impfbereitschaft in der Bevölkerung entgegenzuwirken.

Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass die Fiskalpolitik erneut gezwungen sein wird, die Wirtschaft mit schuldenfinanzierten Hilfsgeldern zu unterstützen, nachdem die globale Verschuldung von privaten und öffentlichen Haushalten erst im Jahr 2019 neue Rekordstände erreichte und seit dem zweiten Quartal dieses Jahres förmlich explodiert.

Dies wiederum zwingt die Notenbanken zu einer Fortsetzung ihrer desperaten Geldpolitik zur Wahrung der Schuldentragfähigkeit und zur Sicherstellung der Schuldenfinanzierung. Ein erneutes Anschwellen der Geldmengenaggregate im Zuge weiterer Rettungsprogramme ist daher ebenfalls sehr wahrscheinlich.

Eventuell sogar weitere Zinssenkungen. Auf jeden Fall wird das Umfeld für das zinslose, aber knappe Gold dadurch weiterhin konstruktiv bleiben.

Zusätzliche Unsicherheitsfaktoren

Auch wenn momentan, befeuert durch politisch motivierte Rhetorik diesseits und jenseits des Atlantiks, noch die Erwartung einer V-förmigen Erholung vorherrscht, dürfte sich im Herbst und Winter diesbezüglich rasch Ernüchterung breit machen.

Sowohl in Europa als auch in den USA, Japan und Großbritannien haben die Notenbankchefs bereits signalisiert, dass es weiterer fiskal- und geldpolitischer Unterstützung bedarf, um ein erneutes Abrutschen der Konjunktur zu verhindern.

Dies wird auch deshalb notwendig werden, weil neben der Pandemie noch drei andere Unsicherheitsfaktoren in den nächsten Wochen und Monaten relevant werden:

  1. Die US-Wahl am 3. November, deren Ausgang auch wegen absehbarer Verzögerungen bei den Briefwahlen unsicher ist. Donald J. Trump hat zudem bereits angekündigt, dass er bei einer Wahlniederlage und dem

      „Hauch eines Verdachtes von Wahlmanipulation“

    das Ergebnis anfechten wird. Es ist also gut möglich, dass die Wahl vor Gerichten entschieden wird – mit entsprechender zeitlicher Verzögerung und anhaltender Unsicherheit.

  2. Premierminister Boris Johnson hat mit seiner einseitigen Initiative zur Aufschnürung des Brexit-Abkommens das Risiko eines ungeregelten Ausscheidens des Vereinigten Königreichs aus der EU zum Jahresultimo heraufbeschworen.

    Auch das bedeutet Planungsunsicherheit und Investitionshemmnisse auf den Britischen Inseln und in Kontinentaleuropa.

  3. Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat zuletzt von mehreren Seiten neue Nahrung bekommen. So hat nun auch der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joseph Robinette „Joe“ Biden Junior (77 Jahre alt) erklärt, dass er die Strafzölle gegen China befürwortet und im Falle eines Wahlsieges beibehalten möchte.

    Zudem warf der amtierende US-Präsident Trump China in dieser Woche anlässlich der UN-Vollversammlung in New York erneut vor, die USA bewusst mit dem SARS-CoV-2-Virus geschädigt zu haben.

    Gleichzeitig wurde die weitere Vermarktung der in China und bei den in Amerika lebenden Bürgern chinesischer Abstammung sehr beliebte und stark verbreitete App „WeChat“ verboten.

    Auch die unter jungen Menschen sehr beliebte Musik-App „TikTok“ steht nach einem gescheiterten Übernahmeversuch durch Walmart und Microsoft in den USA vor dem Verbreitungsverbot. China hat bereits mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht.

    Auch militärisch und in der Taiwan-Frage nehmen die gegenseitigen Provokationen zu, was den gemeinsamen Handel ebenfalls belastet und neue Sanktionen heraufbeschwört.

Fazit und Ausblick

Sowohl die technische als auch die geopolitische und weltwirtschaftliche Ausgangslage spricht gegen ein Ende des Trends weiter steigender Goldpreise. Auch wenn aktuell noch die Unbekümmertheit vieler Marktteilnehmer überwiegt, so mehren sich doch die Anzeichen eines erneuten ökonomischen Rückschlags weltweit und eine Fortsetzung der nicht nachhaltigen Geld- und Fiskalpolitik.

In dem Maße, wie sich der konjunkturelle Nebel im vierten Quartal lichtet und die Daten wegen der genannten Belastungsfaktoren einen erneuten Abschwung anzeigen, so wie heute die deutlich schlechter als erwartet vermeldeten Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone, könnte der sichere Hafen Gold sehr schnell wieder an Attraktivität für die Anleger gewinnen.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Mr.Silver | 24.09.2020, 16:38 Antworten

Corona ist kein Killervirus. Der PCR Test ist nur eine klinische Referenz und keine Diagnose.
Jetzt werden pro Woche Millionen von Menschen in Europa ohne Syntome getestet. In Deutschland liegt die Falsch Positiv Rate bei 1% das sind bei 1 Millionen Test ca 10.000.
Bei einer einfachen Auswertung wie es in Frankreich und Spanien gemacht wird, gibt es eine Fehlerquote von 3 bis 4 %. In Spanien stiegen die Corona Zahlen seit 1. July um 400.000 Menschen, doch die verstorbenen nur um ca 2000. In Deutschland starben seit 1 July nur ca 4 bis 5 Menschen an Corona. Es sterben ca 2500 Menschen in Deutschland am Tag. Corona ist die größte Lüge. Und der Impfstoff wird der größte Völkermord der Geschichte. Man entwickelt jetzt Phase 3 in Indien, Brasilien, Afrika, dort wo man den Pharma Konzernen nicht auf die Finger schaut. Ein RNA Virus verändert sich ständig genauso wie ein Grippe Virus. So wie man eine Grippe nicht für immer wegimpfen kann wird dies bei Corona auch nicht gelingen

11 Antworten an Mr.Silver anzeigen
von Silberfuchs | 25.09.2020, 14:42 Antworten

Auch die Corona-Hysterie hat ihre guten Seiten für Nachzügler.
Silber hal ja massivst verloren und wie schreibt da jemand?
"Die starken Kursrückgänge führten am Mittwoch erstmals seit Mitte Juli wieder zu Silberpreisen unterhalb von 20 Euro am Spotmarkt. ......... Das nächsttiefere Kauflimit empfiehlt sich unterhalb von 17,50 Euro." dann wollen wir mal auf Kurs unter 17,50€ warten :-)

1 Antwort an Silberfuchs anzeigen
von Mr.Silver | 25.09.2020, 16:47 Antworten

Hallo Goldjunge,
Warum die Regierungen an der Labor Pandemie festhalten weiß ich auch nicht. Doch Politiker sehen nur auf Ihren Geldbeutel. Sieht man sich die Lebensläufe an, merkt man schnell, das Sie in der Wirtschaft keinen Fuß vor den anderen bekommen. In der Politik werden Sie reich.( Jens Spahn Villa ) Bei den 300 Corona Patienten in den Krankenhäusern in ganz Deutschland, braucht man nichts zum Stillstand bringen. Auch März April gab es nur knapp 3000 Corona Patienten in deutschen Krankenhäusern. Im April schwanke die Zahl zwischen 2600 bis fast 3000, und ab 21 April wurden pro Woche 500 Intensivbetten frei.( DIVI). Wenn Sie einem Impfstoff vertrauen wollen, der 5 Jahre Entwicklung überspringt, und die Phase 3 in Indien, Afrika und Brasilien getestet wird, dann ist das Ihre Sache. Die Pharma Firmen übernehmen keine Haftung. Das sollten Sie auch wissen. Für tieferes Wissen empfehle ich Ihnen das Interview von Radio München mit Proffessor Hockhertz. Wenn Sie das Interview hören, sind Sie vielleicht auch meiner Meinung, das es viel mehr Tote durch die Impfung geben wird, als Corona Tote.

2 Antworten an Mr.Silver anzeigen
von Stevo | 25.09.2020, 12:33 Antworten

Auf der Welt leben einfach zu viele Menschen. Wie hoch wäre die Bevölkerung ohne Kriege und Krankheit?
Einfach schon lange überbevölkert.
Eigentlich muss das reguliert werden.......da kommen Viren und Bakterien ins Spiel.
Nur so ein Gedanke........

2 Antworten an Stevo anzeigen
von Salazarrr | 26.09.2020, 00:50 Antworten

Silber ist hygienisch.
Aber gegen Angst vor dem Tttoooth hilft Lithium...

Copyright © 2009-2020 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"