Stand: 13.01.2019 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Trotz der deutlichen Erholung bei S&P500 und DAX ist der Goldpreis auf dem Weg nach oben. Für Rückenwind sorgen vor allem die Ankündigungen der US-Notenbank. Damit fällt ein wichtiger Belastungsfaktor für den Goldpreis weg.

Der Goldpreis ist in die Nähe des Sieben-Monats-Hochs geklettert. Beflügelt wurde er zuletzt von den Ankündigungen der US-Notenbank, die den Dollar nach unten gedrückt haben. Laut der Mitschrift der Fed-Sitzung haben es die Fed-Mitglieder mit weiteren Zinserhöhungen bei Weitem nicht mehr so eilig, wie die Notenbanker es bislang angekündigt hatten.

Laut dem Fed-Protokoll hätten sich die Perspektiven für die US-Wirtschaft wegen einer Reihe von Faktoren, wie dem Handelskrieg zwischen den USA und China, und dem geringeren Wachstum der Weltwirtschaft, eingetrübt. Zudem hätte sich das Finanzumfeld wegen des zwischenzeitlichen Kurseinbruchs am US-Aktienmarkt und dem Hochschießen der Zinsen für Unternehmensanleihen deutlich verschlechtert.

Diese Aussagen waren Musik in den Ohren der Investoren, gehen sie doch davon aus, dass es im laufenden Jahr keinerlei Zinserhöhung mehr geben wird.

Während die Fed immer behauptet sie sei „datenabhängig“ und reagiere also bei der Geldpolitik auf die Daten dürfte jedermann klar sein, welche „Daten“ damit gemeint sind: nicht etwa Konjunkturdaten, sondern vor allem die Entwicklung am Aktienmarkt.

Wenn der S&P500 einbricht, dann schiebt die Fed Zinserhöhungen schnell auf die lange Bank.

US-Wirtschaft auf dem Weg in eine Rezession?

Wenige Tage zuvor hatte bereits Fed-Chef Jay Powell gesagt, die US-Notenbank sei bereit, ihre Politik jederzeit schnell und flexibel anzupassen. Dazu gehöre auch der Abbau der Bilanzsumme. Derzeit baut die Fed die Bilanzsumme durch den Verkauf von Staats- und Hypothekenanleihen um insgesamt 50 Mrd. Dollar pro Monat ab.

Das sind herbe 600 Mrd. Dollar pro Jahr, die dem Finanzkreislauf und damit der Wirtschaft entzogen werden, was sie erheblich belastet. Künftig könnte die Fed also deutlich weniger Papiere verkaufen oder möglicherweise überhaupt keine mehr.

Ich gehe weiterhin davon aus, dass die US-Wirtschaft im Sommer in eine Rezession abrutschen dürfte. In dem Umfeld könnte die Fed bereits im Frühjahr andeuten, dass der Abbau der Bilanzsumme auf Eis liegt und die Fed stattdessen jederzeit eine neue QE-Gelddruckrunde starten könnte. Dann sollte auch dem allerletzten Investor klar sein, wie „stark“ die US-Wirtschaft ist.

Wegen des gigantischen Schuldenbergs kann sie nur kurz auf Geldspritzen der US-Notenbank verzichten, und braucht schon bald daraufhin die nächste Spritze. Sollte es so kommen wie ich erwarte, dürften die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen und in deren Fahrwasser der Dollar nach unten rauschen. Das würde dem Goldpreis deutlichen Rückenwind geben.

Einkaufsmanagerindex sendet starkes Warnsignal

Der Blick auf den Dollar Index, der die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen, vor allem dem Euro, widerspiegelt, zeigt, dass er bereits Mitte Dezember 2018 begonnen hat, eine Kehrtwende nach unten einzulegen. Bereits damals waren viele Investoren der Überzeugung, dass die Pläne der Fed, im Jahr 2019 die Leitzinsen zwei Mal zu erhöhen, reine Makulatur sind.

Diese Einschätzung dürfte sich in den nächsten Monaten verstärken, zumal wenn die US-Konjunkturdaten zusehends schlechter werden sollten. Zuletzt hatte bereits der Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie den größten Einbruch seit Oktober 2008 verbucht. Das hat viele Investoren ziemlich verunsichert, ist doch der Einkaufsmanagerindex für die Industrie ein hervorragender Frühindikator für die Gesamtwirtschaft.

Vor dem Hintergrund behalte ich die Entwicklung am US-Aktienmarkt genau im Auge. Sollte er sich kurzfristig weiter erholen, weil Investoren hoffen, dass es eine Lösung im Handelskrieg zwischen den USA und China gibt und die Fed mögliche Zinserhöhungen auf Eis liegt, könnte das etwas Gegenwind für die Goldpreisentwicklung bedeuten. Hingegen wäre das Umfeld für Gold umso besser, wenn der S&P500 nach der Erholung wieder deutlich nach unten drehen sollte.

Dann wäre der sichere Hafen Gold umso gefragter, zumal er vom sinkenden Dollar Rückenwind bekäme.
Trendwende des Dollars beflügelt den Goldpreis?
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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