Stand: 21.02.2020 von Egmond Haidt
DAX und S&P500 steigen von einem Rekordhoch zum nächsten. Auf den ersten Blick erscheint es bemerkenswert, dass der Goldpreis dennoch auf Höhenflug ist. Auf den zweiten Blick macht das allerdings umso mehr Sinn. 
Trotz Aktienhausse steigt Gold auf 7-Jahres-Hoch

Ein neuer Tag, ein neues Rekordhoch bei DAX und S&P500: So läuft es derzeit an den Börsen – und das obwohl es mit der Corona-Pandemie die schwerste Pandemie seit Jahrzehnten gibt, die die chinesische Wirtschaft und damit die Weltwirtschaft so schwer belasten dürfte wie letztmals während der 2008er-Schuldenkrise in den USA. 

Viele Experten vergleichen die Corona-Pandemie mit früheren Pandemien, wie SARS, und behaupten andauernd, dass China die Corona-Krise bis Ende März in den Griff bekommen dürfte und es ab dem zweiten Quartal zu einer V-förmigen wirtschaftlichen Erholung kommen sollte. 

Woher die Zuversicht der Experten kommt, bleibt allerdings deren Geheimnis. 

Denn die Zahl der Infizierten und Toten ist diesmal viel höher als bei SARS, weshalb die chinesische Wirtschaft aufgrund zahlreicher Maßnahmen, wie Ausgangssperren und Quarantäne, praktisch stillsteht. 

Apple und Adidas warnen vor Folgen der Pandemie

Dabei sollte die jüngste Umsatzwarnung des iPhone-Herstellers Apple doch eigentlich ein starker Weckruf sein. Apple hat gewarnt, dass einerseits die Auftragsfertiger für das iPhone die Produktion langsamer hochfahren würden als geplant.

Andererseits belaste die schwache Konjunktur in China die Nachfrage nach Apple-Produkten. 

Gleichzeitig hat der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller Adidas gewarnt, dass die Geschäftstätigkeit in China seit dem chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar um horrende 85 Prozent unter dem Vorjahresniveau liege. 

Zwar haben viele chinesische Unternehmen die Produktion wieder aufgenommen. Weil allerdings viele Arbeiter nicht zu ihrem Arbeitsplatz kommen, wegen der Ausgangssperren und weil der öffentliche Verkehr weitgehend eingestellt ist, ist die Kapazitätsauslastung gegenüber dem Vorjahresniveau kollabiert. 

US-Zinsen senden starke Warnsignale

Eine schwache Konjunktur in China würde auch die US-Wirtschaft enorm belasten. So sind die Zinsen für zehnjährig US-Anleihen auf knapp über 1,5 Prozent eingebrochen und liegen damit nur noch rund 15 Basispunkte (0,15 Prozentpunkte) über dem Rekordtief vom Juli 2016. 

Der Anleihenmarkt schätzt damit die langfristigen Perspektiven der US-Wirtschaft als so schlecht ein wie selten zuvor und signalisiert damit die Erwartung der Investoren, dass die Fed schon bald zu Zinssenkungen zurückkehren und ihr Gelddruckprogramm kräftig aufstocken dürfte.

Derzeit kauft die Fed für 60 Mrd. Dollar pro Monat US-Staatsanleihen.

Wegen der zunehmenden Konjunktursorgen flüchten Investoren neben US-Staatsanleihen auch in den sicheren Hafen Dollar, wie es Anleger in Krisenzeiten üblicherweise tun. Daher ist der Euro mit knapp unter 1,08 Dollar je Euro auf das niedrigste Niveau seit April 2017 gesunken. 

Bei schlechten Nachrichten aus China, gerade zur dortigen Konjunktur, sollte sich daher die Talfahrt des Euro beschleunigen. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Goldpreis trotz des Anstiegs des Dollars kräftig auf dem Weg nach oben ist, oder?

Wieso steigen dann S&P500 und DAX trotz der zunehmenden Konjunkturängste von einem Rekordhochs zum nächsten? Das hat längst nichts mehr mit den Fundamentaldaten zu tun, sondern spiegelt nur noch die Erwartung auf das gigantische Gelddrucken der Fed und der anderen Notenbanken wider. Das ist einzig und allein der Grund für die Rekordfahrt von S&P500 und DAX. 

Die Investoren wetten also darauf, dass die Fed die Aktienmärkte oben halten, oder sogar auf neue Rekordhochs treiben kann, selbst wenn die USA in eine Rezession abrutschen sollte. Das ist eine extrem riskante Wette! 

Gelddrucken der Fed beflügelt den Goldpreis

Genau diese Erwartung auf eine enorme Geldschwemme der Fed und der anderen Notenbanken treibt allerdings auch den Goldpreis nach oben. Dadurch entwertet die US-Notenbank die Fiat-Währung Dollar aber immer mehr, weshalb im Gegenzug der Goldpreis steigt. Das können Sie in dem Beitrag „Fed bereitet den Boden für noch gigantischeres QE-Gelddrucken“ nachlesen.

Viele Leute sagen „Der Goldpreis steigt.“ Man könnte es allerdings auch anders und damit trefflicher formulieren:

„Der Dollar verliert gegenüber Gold an Wert.“

Da gleichzeitig der Euro gegenüber dem Dollar auf Talfahrt ist, steigt der Goldpreis auf Euro-Basis von einem Allzeithoch zum anderen. Zudem nähert sich der Goldpreis auch in anderen Währungen, wie dem Yen, oder dem britischen Pfund, seinen früheren Spitzenwerten. Das zeigt, dass auch diese Fiat-Währungen gegenüber Gold rapide an Wert verlieren. 

In den USA droht das größte Gelddrucken aller Zeiten

Obwohl US-Präsident Donald Trump ständig behauptet, dass es der US-Wirtschaft besser gehe als jemals zuvor, reagieren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen bei überraschend guten US-Konjunkturdaten, wie zuletzt zu den Neubaubeginnen und Baugenehmigungen, nur mit einem kleinen Sprung nach oben, und drehen anschließend schnell und umso kräftiger nach unten. 

Denn viele Investoren wissen, dass gute US-Daten nur Ausreißer sind und die hochverschuldete US-Wirtschaft alles andere als stark ist. Sie ist nur stark beim Schuldenmachen, und sonst bei absolut gar nichts. 

Vielmehr dürften in der nächsten Rezession, die meiner Meinung nach in Meilenschritten näher rückt, die Amerikaner - also Staat, private Haushalte, Unternehmen und Banken - vielmehr Schulden machen als je zuvor, weshalb die Fed mehr Geld drucken müsste als je zuvor, um einen kräftigen Zinsanstieg zu verhindern. Ansonsten würde das gigantische Schuldenhaus mit einem großen Knall zusammenbrechen. 

In den USA beläuft sich die Bilanzsumme der Fed auf „nur“ knapp 20 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, während es bei der EZB herbe 40 Prozent und bei der japanischen Notenbank horrende 104 Prozent sind. Da hat die Fed noch eine Menge „Potenzial“ um Geld zu drucken, zumal der Dollar weiterhin die mit weitem Abstand führende Weltreservewährung ist. 

Dann wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis in dem Umfeld entwickeln wird.

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Autor: Egmond Haidt
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von Mr.Silver | 24.02.2020, 10:05 Antworten

der 10 Jahreszyklus sagt uns das im Jahr 0,1,2 dies Aktien fallen werden. Nur im letzten Jahrzehnt sind die Aktien gestiegen, weil die Finanzkrise etwas zu früh kam. Mal sehen was die Wahlen in den USA ergeben.

von Maddoxx | 23.02.2020, 09:36 Antworten

Danke für den Top Artikel...ist immer wichtig Kompetente Meinungen Aussagen für die Gegenwärtige und Zukuenftige Entwicklung zu haben.

von Commander Crash | 21.02.2020, 19:27 Antworten

Wenn Klopapier unter Bewaffnung gestohlen wird ist doch eigentlich und uneigentlich alles klar.

1 Antwort an Commander Crash anzeigen
von Homo-homini-lupus | 22.02.2020, 01:06 Antworten

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Kurse der Aktien, sowohl in Europa, besonders aber in den Vereinigten Staaten, wieder auf ein angemessenes Niveau fallen. Gold kann, muss aber wahrscheinlich nicht in gleichem Maße leiden, weil es oft gegen den Zyklus läuft...
Danke Herrn Haidt für den wieder einmal gelungenen kritischen Artikel, einer der wenigen der Journalisten, die sich eine kritische Distanz zum Kapitalmarkt und seiner Funktionsweise in den verrückten, modernen Zeiten bewahrt haben.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"