Stand: 19.11.2017 von Egmond Haidt 4 Kommentare

Kaum steigt der Goldpreis mal ein paar Prozent, wird er gleich wieder nach unten gedrückt. Dabei gibt es etliche Gründe, die für steigende Notierungen sprechen.

Goldpreis in Dollar (USD) von 1973 bis aktuell 2017
Goldpreisentwicklung bis 2017

Selbst die zwischenzeitlich leichte Erholung der Goldpreisesentwicklung gefällt offensichtlich jemandem nicht. So gab es zuletzt immer mal größere Verkaufsaufträge, um den Preis wieder nach unten zu drücken.

Am Dienstag, 14. November, wurden kurz nach der Börseneröffnung in Europa (9 Uhr deutscher Zeit) an der Derivate-Börse Comex in New York innerhalb weniger Minuten 33.000 Kontrakte, die jeweils 100 Unzen Gold widerspiegeln, verkauft, woraufhin die Notierung eingeknickt ist. Das waren Papiere im Wert von 4,2 Mrd. Dollar.

Damit wiederholte sich das Spiel vom vorherigen Freitag, 10. November. Da hatte jemand ab 17.10 Uhr deutscher Zeit an der Comex innerhalb von nur zehn Minuten fast 40.000 Futures auf den Markt geworfen. Futures im Wert von mehr als 5,1 Mrd. Dollar – innerhalb von zehn Minuten!

Börsenturbulenzen verunsichern Investoren

Dabei gibt es etliche Gründe, die für einen Anstieg des Goldpreises sprechen, nicht zuletzt die jüngsten Börsenturbulenzen in Japan, die schnell auf deutsche und US-Aktien übergesprungen sind. Weil der S&P500 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18 höher bewertet ist als selten zuvor, debattieren inzwischen etliche Investoren, ob es wegen der extrem hohen Bewertung selbst dann zu einem deutlichen Kursrückschlag kommen könnte, wenn es keine Rezession in den USA geben sollte.

Bei den vergangenen zwei Börsen-Crashs in den Jahren 2000 und 2008 waren die Aktienmärkte jeweils wegen der heraufziehenden Rezession eingebrochen, die die US-Notenbank Fed mit ihren kräftigen Zinserhöhungen ausgelöst hatte.

Fondsmanager tanzen auf dem Vulkan

Bei einer derart hohen Bewertung wie derzeit sind viele Investoren ziemlich nervös, zumal laut der monatlichen Umfrage der Bank of America Merrill Lynch mehr Fondsmanager als jemals zuvor größere Risiken als üblich eingehen. Gleichzeitig sagt eine Rekordzahl von Fondsmanagern, dass die weltweiten Aktien überbewertet seien.

Dennoch ist die Cash-Quote der Fonds, also der Anteil des verwalteten Vermögens, das in Bargeld gehalten wird, auf 4,4 Prozent gesunken – das ist das niedrigste Niveau seit Oktober 2013.

Vereinfacht gesagt: die Fondsmanager wissen zwar, dass der Aktienmarkt völlig überbewertet ist. Dennoch bleiben sie aus Sorge, mögliche weitere Kursgewinne zu verpassen, im Markt drin und stocken ihre Positionen sogar noch weiter auf.

Das nenne ich Tanz auf dem Vulkan. Sollte sich die Korrektur nur ein wenig ausweiten, könnte die Nervosität der Fondsmanager schnell steigen, woraufhin sie den Verkaufsknopf drücken, und sich damit die Korrektur ausweitet. In dem Umfeld könnte Gold als sicherer Hafen in den Fokus der Investoren rücken.

Bringt Trump eine Steuerreform durch den Kongress?

Für Kursdruck auf den Aktienmarkt könnte sorgen, wenn sich bei Investoren zusehends die Überzeugung durchsetzen sollte, dass es US-Präsident Donald Trump kaum schaffen könnte, eine Steuerreform durch den Kongress zu bringen.

Zuletzt hat Ron Johnson, ein republikanischer Abgeordneter aus dem Senat gesagt, dass er der Reform nicht zustimmen werde. Damit schließt er sich drei anderen Senatoren an, die Widerstand gegen die Reform angekündigt hatten.

Trumps Problem: Die Republikaner haben im Senat nur eine Mehrheit von zwei Stimmen. Es wird daher zusehends unwahrscheinlich, dass Trump die Reform durchbringt.

Anleihenmarkt sendet Warnsignal

Deswegen und weil die US-Notenbank dennoch mit ihrem Zinserhöhungskurs weitermachen dürfte, trüben sich die Perspektiven für die US-Wirtschaft zusehends ein. Daher sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf 2,36 Prozent gesunken. Gleichzeitig wird die Zinsstrukturkurve immer flacher. So ist der Zinsaufschlag für zehnjährige Anleihen gegenüber zweijährigen auf 63 Basispunkte (0,63 Prozentpunkte) implodiert.

Das ist ein Zehn-Jahres-Tief – der Anleihenmarkt schätzt die Perspektiven für die US-Wirtschaft also so skeptisch ein, wie seit zehn Jahren nicht mehr. In dem Umfeld sind die Zinsen für US-High Yield-Anleihen (Ramschanleihen) auf 5,9 Prozent nach oben geschossen, weil die hochverschuldeten Unternehmen unter einer Konjunkturabkühlung am Stärksten leiden würden. Wenn es ihnen aber schwer fällt, neue Schulden zu machen, belastet das ihre Geschäftsperspektiven – womit wir wieder beim Aktienmarkt, sprich den Börsenturbulenzen wären.

Jemand versucht den Goldpreis nach unten zu drücken, obwohl es eine Menge Gründe für höhere Kurse gibt. Bleibt die Frage, wie lange der Preis unten gehalten werden kann. Inzwischen ist er wie eine Spiralfeder. Je größer der Druck auf sie ist und je länger er anhält, umso stärker könnte sie eines Tages nach oben schießen.

Trotz Börsenturbulenzen hält der Druck auf den Goldpreis an
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [4]
  • von bling bling | 19.11.2017, 15:24 Antworten

    danke für diese zusammenfassende info!

  • von Moses | 19.11.2017, 16:31 Antworten

    Börsenturbulenzen,Tanz auf dem Vulkan,
    übertreiben Sie nicht ein wenig?

  • von GOLDBUG | 20.11.2017, 11:34 Antworten

    Alles nur Werbung für den Edelmetallhandel - mit Fakten hat das hier nichts zu tun!!

  • von Klaus | 20.11.2017, 12:02 Antworten

    Alternative Fakten.

    Sicher hat jeder seine eigenen Bewertungsmaßstäbe. Doch bei der Herleitung und Begründung ist es nicht zulässig dem geneigten Leser – ich sage es mal so – alternative Fakten unterzujubeln. Und da gibt es einige in diesem Artikel.

    Zwei Beispiele aus diesem Artikel:
    „Bei den vergangenen zwei Börsen-Crashs in den Jahren 2000 und 2008 waren die Aktienmärkte jeweils wegen der heraufziehenden Rezession eingebrochen, …

    Ohne ins Detail zu gehen; das ist schlichtweg falsch!

    Der Crash 2000 lag an der völlig überzogenen Bewertung der gesamten .com Branche, in Deutschland dem Neuen Markt. Als diese kapitale Überbewertung ruckartig bereinigt wurde, riss das auch alle anderen Aktienmärkte weltweit mit nach unten.

    Für den Crash 2008 war die Subprime Krise in den USA der Auslöser. Diese mündete dann in eine Schieflage der Banken weltweit und zur Pleite von Lehman Brothers. Das hatte schwere Auswirkungen auf das weltweite Finanzsystem. Es drohte zu kollabieren. Um das abzufedern wurden, wie wir alle wissen, die Banken mit viel Steuergeldern gerettet.

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