Stand: 18.01.2019 von Egmond Haidt 1 Kommentare

Häufig laufen die US-Inflation und der Goldpreis in die gleiche Richtung, womit das Edelmetall ein Schutz gegen den Kaufkraftverlust ist. Nun ist die Inflation aber weltweit im Rückwärtsgang. Offenbar beflügeln etliche andere Faktoren den Goldpreis.

Ein Thema beschäftigt derzeit die Medien und die Börse: der Brexit und die möglichen Folgen. Dabei ist nach der katastrophalen Niederlage der britischen Premierministerin Theresa May alles genau so ungewiss wie vorher. Niemand weiß, wie es weitergehen wird. Können sich die Abgeordneten über die Parteigrenzen hinweg auf einen Plan B einigen?

Oder kommt es möglicherweise zu einem zweiten Referendum oder gar Neuwahlen? Oder wird das Austrittsdatum vom 29. März um ein paar Monate oder gar Jahre verschoben?

Von alledem lassen sich die Investoren am Markt für Gold-Futures kaum ablenken. Trotz der kräftigen Erholung beim S&P500 notiert der Goldpreis mit knapp unter 1.300 Dollar je Unze am Sieben-Monats-Hoch.

Das ist umso bemerkenswerter, ist doch die US-Inflationsrate zuletzt auf nur mehr 1,9 Prozent gesunken - das war der niedrigste Wert seit August 2017. Verantwortlich dafür ist vor allem der vorherige Einbruch der Ölpreise, woraufhin die Benzinpreise kräftig abgerutscht sind. Noch im Juli 2018 waren die Verbraucherpreise um 2,9 Prozent geklettert, anschließend ging es abgesehen von dem Ausreißer im Oktober schnurstracks nach unten.

Sorgen vor möglicher US-Rezession schwelen

In China ist die Inflationsrate zuletzt ebenfalls auf 1,9 Prozent zurückgegangen, das war ein Sechs-Monats-Tief. In der Euro-Zone ging es auf 1,6 Prozent abwärts, das war der niedrigste Wert seit April. In Deutschland ist die Rate auf 1,7 Prozent gesunken, wobei jeweils vor allem der Rückgang des Ölpreises durchgeschlagen hat.

Dennoch steigt der Goldpreis - bemerkenswert, oder? Zumal die US-Inflationsrate in den nächsten Monaten trotz der jüngsten kräftigen Erholung des Ölpreises weiter sinken dürfte. Wieso? Weil die US-Wirtschaft auf dem Weg in eine Rezession sein dürfte.

Der anhaltende Government Shutdown erhöht das Risiko, dass es eher früher als später zu einer Rezession kommt, weil 800.000 Staatsdiener kein Gehalt bekommen und daher auf die Ausgabenbremse treten müssen, oder noch mehr Schulden machen müssen, um ihre Rechnungen bezahlen zu können.

Je länger der Shutdown anhält, umso mehr müssen die Unternehmen ihre Preise senken, um Einnahmen zu generieren - das würde auf die Inflationsrate drücken. Für viele Investoren ist die Sache klar: während eine steigende Inflationsrate auf ein starkes Wirtschaftswachstum hindeutet, signalisiert eine sinkende Inflationsrate eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums.

Inzwischen dämmert allerdings der US-Notenbank FED, dass eine Rezession heraufziehen dürfte, weshalb die Zinserhöhung vom 19. Dezember 2018 die letzte in diesem Zyklus gewesen sein dürfte. Vielmehr dürften Fed-Chef Jay Powell und seine Kollegen allmählich den Markt darauf vorbereiten, dass der Abbau der Bilanzsumme durch den Verkauf von Staats- und Hypothekenanleihen innerhalb weniger Monate auf Eis gelegt werden könnte. Das entspräche einer Lockerung der Geldpolitik. Das belastet den Dollar, weshalb er zuletzt nach unten gedreht ist. Im Gegenzug bekommt der Goldpreis Rückenwind.

Chinesische Konjunktur hat sich deutlich abgekühlt

Neben der Gefahr einer heraufziehenden US-Rezession haben Inverstoren noch eine andere Sorge: dass sich die Konjunktur in China deutlich stärker abgekühlt haben könnte, als viele Experten bislang erwartet hatten.

Der Einbruch der chinesischen Exporte im Dezember um 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr lässt bei mir alle Warnlampen angehen. Zwar dürfte sich China im laufenden Jahr mit kräftigen Steuer- und möglichen Zinssenkungen gegen die Konjunkturabkühlung stemmen. Allerdings dürfte es sehr schwer sein, die hochverschuldete Wirtschaft in Schwung zu bringen. Gerade die Unternehmen sind extrem hoch verschuldet. Sie dürften sich daher mit Investitionen zurückhalten, was das Wirtschaftswachstum erheblich belasten dürfte.

Eine schwächelnde Konjunktur in China in Kombination mit dem gleichzeitigen Heraufziehen einer US-Rezession wären  ein extrem schlechtes Umfeld für den weltweiten Aktienmarkt, und damit den S&P500 und den DAX - zumal auch viele Konjunkturdaten aus den Ländern der Euro-Zone zuletzt ziemlich schwach waren.

Das Risiko ist daher nicht zu unterschätzen, dass der S&P500 nach der kräftigen Erholung schon sehr bald nach unten drehen dürfte. In dem Umfeld könnten Investoren erneut in den sicheren Hafen Gold flüchten.

Ich werde weiterhin die Aussagen der Fed-Mitglieder, die Entwicklung beim Dollar und die Konjunkturdaten aus den USA, China und der Euro-Zone genau verfolgen. Sollte mein oben aufgezeigtes Szenario richtig sein, hätte das erhebliche Auswirkungen auf den Goldpreis.

Trotz deutlich sinkender Inflation steigt der Goldpreis
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [1]
  • von Macht Sinn | 19.01.2019, 23:26 Antworten

    Gold wiegt schwer und löst sich nicht auf...

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