Stand: 17.05.2019 von Egmond Haidt 1 Kommentare

Für viele Investoren war es ausgemachte Sache, dass es im Handelskrieg zwischen den USA und China schon bald eine Einigung geben würde.

Diese Hoffnung löst sich allerdings zusehends in Luft auf, vielmehr nimmt US-Präsident Donald Trump nun auch Europa zusehends ins Visier. Obwohl Sorgen vor einer weltweiten Rezession aufkeimen, kommt der Goldpreis allerdings kaum vom Fleck.

Nach einer kleinen Korrektur ist der DAX wieder nach oben gedreht, und nimmt die Acht-Monats-Hochs ins Visier. Das ist mehr als verwunderlich, immerhin will US-Präsident Donald Trump laut einem Medienbericht Europa und Japan jeweils 180 Tage Zeit geben, um sich auf einen Deal zu einigen, demnach die Autoexporte in die USA deutlich eingeschränkt werden sollen.

Das ist eine sehr schlechte Nachricht für die deutsche Wirtschaft, ist der Autosektor hierzulande doch der wichtigste Industriezweig. Damit droht ein transatlantischer Handelskrieg zu jenem zwischen den USA und China hinzuzukommen, womit sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft immer weiter eintrüben.

Scheinbar interessiert das die Investoren bei DAX und S&P500 allerdings kaum, immerhin notiert der US-Index nur wenige Prozent unter dem Rekordhoch. Hingegen liegt der Goldpreis mit knapp 1.300 Dollar (Stand 16.05.2019)  je Unze nur knapp oberhalb der Mehr-Monats-Tiefs.

Daten aus China und den USA enttäuschen

Dabei wächst durch die Eskalation des Handelskriegs das Risiko, dass es zu einer weltweiten Rezession kommt, was zu einem Crash am Aktienmarkt führen könnte. Sie liegt vor, wenn das Wachstum der Weltwirtschaft auf weniger als zwei Prozent zurückgeht.

Dabei hatten die Konjunkturdaten aus China und den USA bereits vor der Eskalation des Handelskriegs zusehends Bremsspuren gezeigt. So waren die Einzelhandelsumsätze in China im April um lediglich 7,2 Prozent gestiegen, das war der niedrigste Wert seit Mai 2003. Damit lagen diese Zahlen ebenso wie jene zur Industrieproduktion unter den Vorhersagen der Volkswirte.

Die US-Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion waren ebenfalls schwächer als erwartet, woraufhin die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf unter 2,4 Prozent gesunken sind.

Damit liegen sie in der Nähe des niedrigsten Niveaus seit Dezember 2017. Das zeigt, wie sehr sich die Perspektiven für die mit weitem Abstand größte Volkswirtschaft der Welt eingetrübt haben, was sehr schlecht ist für die Weltwirtschaft.

Wann kehrt die Fed zum QE-Gelddrucken zurück?

Dennoch haben Investoren weiterhin Aktien gekauft, weil die Anleger darauf setzen, dass die US-Notenbank (Fed) auf die zunehmende Konjunkturabkühlung mit Zinssenkungen reagieren dürfte. Allerdings ist die Frage, ob die Fed rechtzeitig einschreiten wird, um eine Rezession zu verhindern.

Je länger die Fed mit Zinssenkungen und der Rückkehr zum QE-Gelddrucken wartet, umso größer werden die Risiken für die Konjunktur und damit den Aktienmarkt, nicht nur in den USA, sondern rund um den Globus.

Sollte es zu einem Kursrückschlag beim S&P500 kommen, dürften Investoren schnell in die sicheren Häfen flüchten, wie US-Staatsanleihen, Dollar, Yen und möglicherweise Gold. Das werden die nächsten Monate zeigen.

Neben der Entwicklung am Aktienmarkt dürfte auch jene des Dollar von großer Bedeutung für die Entwicklung des Goldpreises werden. Der Dollar ist zwar seit Anfang 2018 deutlich gestiegen. Wenn Investoren allerdings klar werden sollte, dass die sehr hochverschuldete US-Wirtschaft selbst den kleinsten Zinsanstieg nicht verkraften kann, und die Fed deswegen die Zinsen senken und zum QE-Gelddrucken zurückkehren muss, könnte das für eine deutliche Trendwende beim Greenback nach unten sorgen.

Die Lage beim DAX und S&P500 erinnert mich an die Ruhe vor dem Sturm. Ich halte es für sehr leichtsinnig, trotz der Eskalation des Handelskriegs und einer Serie schwacher Konjunkturdaten aus den USA, China und Deutschland weiter auf steigende Aktienkurse zu setzen. Nur ein paar Tweets von Trumps könnten genügen, um für eine erhebliche Stimmungsverschlechterung bei Investoren zu sorgen. Dann wird sich zeigen, in welche sicheren Häfen die Anleger flüchten.

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Trotz Eskalation des Handelskriegs schwächelt der Goldpreis
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [1]
  • von Karl Eduard von Schnitzel | 17.05.2019, 12:30 Antworten

    Das Weltgeschehen hat kaum Einfluss , allein die Manipulationen der Banken und Börsen
    sind wirksam

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