Stand: 08.03.2019 von Egmond Haidt 2 Kommentare

Viele Investoren sind davon ausgegangen, dass der kräftige Anstieg des Aktienmarktes seit Jahresanfang auf eine Konjunkturbelebung hindeuten könnte. Zuletzt sind allerdings erneut Zweifel hochgekocht. Wie sie sich weiter entwickeln, davon könnte die Entwicklung des Goldpreises abhängen.

Der Goldpreis ist mit 1.285 Dollar je Unze in die Nähe des Sechs-Wochen-Tiefs gesunken. Daher fragen sich viele Gold-Fans, ob sich der Kursrückgang von vier Prozent gegenüber dem Februar-Hoch ausweiten könnte.

Zuletzt hatte das Edelmetall vor allem von zwei Seiten Gegenwind: vom steigenden US-Aktienmarkt und steigenden Zinsen, gerade für zehnjährige US-Anleihen. In dem Umfeld war Gold nicht gefragt, woraufhin die Spekulanten Futures am Derivate-Markt verkauft haben.

Wegen Fortschritten im Handelskrieg zwischen den USA und China, sowie einigen wenigen guten US-Konjunkturdaten hatten viele Investoren gehofft, dass die US-Wirtschaft nicht in eine Rezession abrutschen würde, weshalb sie kräftig bei Aktien aus dem S&P500 zugegriffen haben.

In dem Umfeld waren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen zwischenzeitlich gestiegen, was eine Konjunkturbelebung signalisiert hatte.

Weltwirtschaft ist schwächer als erwartet

Zuletzt sind allerdings die Konjunkturängste der Investoren zurückgekehrt, weshalb der S&P500 und die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen nach unten gedreht haben. Für Verkaufsdruck am Aktienmarkt hat zuletzt die OECD gesorgt. Sie hat die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft für 2019 von 3,5 Prozent auf 3,3 Prozent gesenkt und gleichzeitig jene für zahlreiche Länder, wie Deutschland, kräftig gestutzt.

Obwohl eine derartige Nachricht nach einer Serie schwacher Konjunkturdaten aus der Euro-Zone, Japan, China und den USA eigentlich kaum einen Investor überrascht haben dürfte, haben die Anleger dennoch mit dem Verkauf von Aktien reagiert und sind in US-Anleihen geflüchtet.

Bemerkenswerterweise hat die OECD die Prognose für das Wachstum der US-Wirtschaft lediglich minimal reduziert von 2,7 Prozent auf 2,6 Prozent. Woher der Optimismus der Volkswirte stammt, ist allerdings deren Geheimnis, schließlich hat die US-Wirtschaft zuletzt kräftige Bremsspuren gezeigt, wie nicht zuletzt die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie sowie das Verbrauchervertrauen, das die Universität Michigan veröffentlicht, klar gezeigt haben.

Für zusätzliche Verunsicherung bei Investoren hat gesorgt, dass sich die Wirtschaft in Kanada und Australien zuletzt deutlich schwächer entwickelt hat als erwartet. Das zeigt, dass die Abkühlung der Weltwirtschaft deutlich stärker sein dürfte als viele Experten bislang erwartet hatten.

Strafzinsen soweit das Auge reicht

Ins Bild passen auch die Nachrichten von der EZB. Sie reagiert auf die deutliche Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone und dem Risiko eines Abrutschens in eine Rezession und hat angekündigt,

die Null- und Strafzinsen bis „mindestens Ende 2019“ beizubehalten, anstatt „nur“ bis „über den Sommer 2019.“

Damit steht endgültig fest, dass EZB-Chef Mario Draghi der erste Chef der Notenbank sein wird, der nie die Zinsen angehoben hat. Offensichtlich war die Strafzinspolitik nicht besonders erfolgreich, sonst würde es der Wirtschaft der Euro-Zone besser gehen und sie könnte höhere Zinsen verkraften.

Gleichzeitig hat die EZB neue langjährige Kredite für die Banken, sogenannte Targeted Longer-Term Refinancing Operations, kurz TLTROs, angekündigt. Die neuen Kredite sollen zwischen September 2019 und März 2021 vergeben werden und eine Laufzeit von jeweils zwei Jahren haben.

Der Grund für die Darlehen ist offensichtlich: die wegen den Strafzinsen schwer angeschlagenen Institute zu stützen. Allein die Bundesbank hat im Jahr 2018 mit Strafzinsen herbe 2,45 Mrd. an Zinserträgen von Banken generiert und damit die Geldhäuser erheblich belastet.

Vor dem Hintergrund der obigen Fakten macht es absolut keinen Sinn, dass der S&P500 um lediglich fünf Prozent unter dem Rekordhoch vom September notiert und damit weiterhin sehr hoch bewertet ist.

Sollten trotz der Fortschritte im Handelskrieg die Konjunkturdaten für die USA noch deutlicher nach unten drehen, während die Zahlen aus der Euro-Zone und Japan noch schwächer werden dürften, könnten sich die Konjunkturängste verstärken, was den S&P500 belasten würde, während gleichzeitig die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen sinken sollten. In dem Umfeld wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis entwickeln wird.

Trotz Rückkehr der Konjunkturängste schwächelt der Goldpreis
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [2]
  • von Sofia | 11.03.2019, 09:07 Antworten

    Experten, Hahaha. Der war gut. Glauben, hoffen, wetten. Der Blödheit Vertrauen.

  • von blingbling | 08.03.2019, 17:47 Antworten

    TILT!

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