Stand: 27.08.2019 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

Schon immer fungierte das gelbe Edelmetall als Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz. Trotz sinkender Inflationsraten genießt Gold unter Anlegern weiterhin einen hohen Stellenwert. Ungeachtet der diesjährigen Goldrally in Höhe von über 20 Prozent blieb es von nennenswerten Gewinnmitnahmen bislang verschont.

Notenbanken wollen stärkere Geldentwertung

Die seit über einem Jahrzehnt zu beobachtende Geldflut in den wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt hat bislang noch keine sonderlich ausgeprägte Geldentwertung (Inflation) verursacht. In den nächsten Handelstagen stehen aktuelle Augustzahlen zur Entwicklung der Inflation in folgenden Ländern zur Bekanntgabe an: Deutschland (Donnerstag), Frankreich, Italien und USA (Freitag). 

Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank strebt eine Inflationsrate von ungefähr zwei Prozent an. Vor allem in Europa wurde dieser Wunschwert in den meisten Ländern zuletzt wieder deutlich unterschritten. Insbesondere in Deutschland kann man trotz der niedrigen Teuerungsrate von einer massiven Geldentwertung sprechen, schließlich weisen Bundesanleihen bis zu einer Laufzeit von 30 Jahren aktuell negative Renditen auf.

Inflation in Europa und Nordamerika

August 2019 Dezember 2018
Deutschland 1,7 1,6
Frankreich 1,1 1,6
Italien 0,4 1,1
Großbritannien 2,1 2,1
Japan 0,7 0,3
Kanada 2,0 2,0
USA 1,8 1,9
Quelle: Trading Economics

Das heißt: Wir erleben derzeit eine Phase negativer Realzinsen, unter denen vor allem deutsche Anleger leiden. Sie gelten traditionell als eher risikoaverse Investoren, die riskantere und zugleich rentablere Aktienanlagen eher meiden. Obwohl Tagesgeld und Bargeld keine Zinsen bringen, "schwören" sie auf diese Anlageform. Der durch die Inflation vorprogrammierten Vermögensverlust hat lediglich einen begrenzten Abschreckungseffekt. 

Bei einer aktuellen Inflationsrate für den Monat Juli in Höhe von 1,7 Prozent (siehe Tabelle) sollte man aber wissen, dass man Jahr für Jahr um diesen Prozentsatz ärmer wird. Bei einem Betrachtungszeitraum von beispielsweise zehn Jahren führt dies dazu, dass angespartes Kapital bei einer unveränderten Inflationsrate einen Verlust von 17 Prozent erleiden würde. 

Sollte es den Notenbanken gelingen, ihren Wunschwert für die Inflation in Höhe von zwei Prozent zu erreichen oder die künftige Teuerung diesen Zielwert sogar übertreffen, würden die Vermögensverluste noch schmerzlicher ausfallen.

Den Werterhalt beim Euro kritisch hinterfragen

Aufgrund der seit über einem Jahrzehnt von der EZB betriebenen Politik des billigen Geldes sollte man sich fragen, ob auf lange Sicht die Funktion des Werterhalts beim Euro gewährleistet ist. Welchen Wert hat eigentliche eine Währung, die auf der einen Seite Sparern keine Zinsen über dem Inflationsniveau bietet und auf der anderen Seite Kreditnehmern rekordniedrige Konditionen bietet? 

Selbst bei lediglich leichten Zweifeln an der Werterhaltungsfunktion der Gemeinschaftswährung, sollten Anleger nicht nur Geldvermögen, sondern auch Sachvermögen wie Immobilien oder Edelmetalle besitzen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die Altersvorsorge in Form von Kapitalversicherungen in hohem Maße von der weiteren Entwicklung im Anleihesektor abhängt.

Ausblick für die laufende Woche

In der vergangenen Woche hat US-Präsident Trump wieder einmal bewiesen, dass er einen völlig unberechenbarer Risikofaktor darstellt. Seine Tweets gegen Chinas Wirtschaft und die US-Notenbank Fed haben mit seriöser und verantwortungsvoller Politik nicht mehr viel zu tun. 

Aufgrund der neuerlichen Eskalation im Handelskonflikt zwischen China und den USA haben sich die Rezessionsängste weiter verstärkt. Die US-Wirtschaft hat bislang weniger stark gelitten als die chinesische. Am Donnerstag werden die Investoren über die aktuelle Wachstumsrate der US-Wirtschaft und die US-Handelsbilanz im Juli informiert. Analysten prognostizieren ein BIP-Wachstum in Höhe von 2,1 Prozent und ein Handelsbilanzdefizit von mehr als 74 Milliarden Dollar (Quelle: Trading Economics).

Ebenfalls interessant: Am Freitag veröffentlicht die Universität von Michigan ihre Fünfjahres-Inflationsprognosen. Mit 2,6 Prozent dürften diese die Augustzahlen deutlich übertreffen. Das heißt: Mit US-Staatsanleihen würde man Jahr für Jahr bei unveränderten Renditen ebenfalls systematisch ärmer werden. Ein weiterer Grund, auf den seit Menschengedenken funktionierenden Inflationsschutz Gold zu setzen

Trotz rückläufiger Inflation: Gold stark gefragt
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [3]
  • von mathematischer Krümelkacker | 27.08.2019, 13:51 Antworten

    "Bei einem Betrachtungszeitraum von beispielsweise zehn Jahren führt dies dazu, dass angespartes Kapital bei einer unveränderten Inflationsrate einen Verlust von 17 Prozent erleiden würde." Leider falsch, denn negativer Zinseszins dürfte auch hier gelten.
    100€ * (10*0,983) oder 100 * 0,983 hoch 10. Verlust so bei 16,..%

    • von mathematischer Krümelbestätiger | 27.08.2019, 19:50 Antworten

      Halbwertszeit bei 1,7% ist übrigens bei 40 Jahren.
      Bei den angestrebten 2,0% Inflationsrate wären 100€ auf dem Konto in 34 Jahren nur noch 50€ wert.
      Wie war das mit Gold, dass man sich in der Römerzeit mit einer Unze eine Toga kaufen konnte und heute damit einen schnieken Anzug? Was hat mehr Werterhalt, obwohl es keine Zinzen abwirft??

    • von mathematischer Krümelbestätiger | 27.08.2019, 19:42 Antworten

      Interessant, ich kann Ihre Berechnungsmethode nicht nachvollziehen. Zum Vergleich, weil ich erst dachte, das Ergebnis sei falsch: Wenn ich 100€ bei einen Online Rechner für Berechnung mit Zinzeszinz einen Zinzsatz von -1,7% mit Zinzansammlung (kein Ein- oder Auszahlen) auf 10 Jahre eingebe, wird mir ein Endkapital von 84,24€ (was die 100€ dann real noch wert wären, um Waren zu erwerben) angezeigt. Entpricht 15,76% Kaufkraftverlust. Check, Endwert stimmt.

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