Stand: 06.03.2020 von Egmond Haidt
Nach dem Einbruch am US-Aktienmarkt hat die Fed mit einer kräftigen Notfallzinssenkung versucht, die Lage zu stabilisieren. Die Reaktion am Aktien- und am Anleihenmarkt war allerdings völlig anders, als es sich die US-Notenbank erhofft hatte. Zuletzt haben weitere Notenbanken die Zinsen gesenkt, während die EZB bald nachziehen dürfte.  
Trotz US-Zinssenkung brechen Langfristzinsen auf Rekordtief

Die Kurserholung bei DAX und S&P500 nach dem überraschenden Erfolg des ehemaligen US-Vizepräsidenten Joe Biden bei den US-Vorwahlen am „Super Tuesday“ hat nur einen Tag gedauert, danach sind die Aktienmärkte wieder deutlich nach unten gedreht.

Investoren hatten gehofft, dass Biden mit dem kräftigen Rückenwind in den Folgemonaten die Nominierung der Demokraten als Präsidentschaftskandidat gewinnen kann, und er bessere Chancen haben könnte als der selbsternannte Sozialist Bernie Sanders, US-Präsident Donald Trump bei der Wahl im November zu besiegen.

Am „Super Tuesday“ finden die Vorwahlen in zahlreichen US-Bundesstaaten statt, womit rund ein Drittel der Delegiertenstimmen vergeben werden – mehr als an irgendeinem anderen Tag.

Inzwischen geht es aber an den Aktienmärkten wieder deutlich abwärts. Im Gegenzug ist der Goldpreis auf rund 1.650 Dollar je Unze gestiegen und nähert sich damit zusehends dem Sieben-Jahres-Hoch. 

Fed kann Folgen der Pandemie nicht lösen

Inzwischen konzentrieren sich die Investoren wieder auf die außerplanmäßige Zinssenkung der Fed um 50 Basispunkte (0,5 Prozentpunkte) auf 1,0 bis 1,25 Prozent vom 3. März 2020, die ihr geplantes Ziel völlig verfehlt hat.

Hätte sie bei Investoren die Erwartung geschürt, dass die Zinssenkung die US-Wirtschaft tatsächlich ankurbeln kann, wären die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen deutlich gestiegen, und hätten damit eine langfristige Belebung der US-Wirtschaft signalisiert, was wiederum den Aktienmarkt beflügelt hätte.

Stattdessen war genau das Gegenteil passiert:

Nach der Zinssenkung waren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf Rekordtiefs eingebrochen, was für einen deutlichen Kursrutsch beim S&P500 gesorgt hat. 

Aktuell notieren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen mit knapp unter 1,0 Prozent in der Nähe des Rekordtiefs.

Damit schätzt der Anleihenmarkt die langfristigen Perspektiven für die Hoch verschuldete US-Wirtschaft als schlechter ein als jemals zuvor! Das belastet den weltweiten Aktienmarkt und damit gerade den DAX mit seinen zahlreichen stark exportabhängigen Unternehmen erheblich. 

Wieso sind die US-Zinsen in den Keller gerauscht? Weil Investoren wissen, dass die Fed den Angebotsschock mit niedrigeren Zinsen nicht „lösen“ kann. Weil wegen der Corona-Pandemie in China die dortigen Lieferketten zusammengebrochen sind, fehlen die Vorprodukte für viele ausländischen Unternehmen, weshalb sie ihre Produktion deutlich drosseln müssen.

Diesen Effekt kann die Fed nicht in den Griff bekommen, egal wie tief die Leitzinsen gesenkt werden. 

Fed ist erneut auf dem Weg zu Nullzinsen

Verschärft wird die Lage dadurch, dass zu dem Angebots- zusehends ein Nachfrageschock hinzukommt. Weil viele Verbraucher völlig verunsichert sind und Hamsterkäufe tätigen, halten sich die Verbraucher bei Konsum und Anschaffungen zurück, wie bei Restaurantbesuchen, Reisen, Autos, Häusern. 

Auch wenn die Fed diese Probleme mit Zinssenkungen nicht lösen kann, gehen Investoren davon aus, dass die Fed bei der nächsten Sitzung am 18. März die Zinsen erneut um 50 Basispunkte reduzieren dürfte.

Diese Aussicht stützt den Goldpreis, zumal sich die Zinsen damit rapide der Nulllinie nähern würden.

Weltweite Zinssenkungen

Die Hoffnung vieler Experten, dass es in den nächsten Monaten zu einer V-förmigen Erholung der Weltwirtschaft kommt, halte ich für extrem unwahrscheinlich, weil die Pandemie die Stimmung der Unternehmen und der Verbraucher nachhaltig belasten dürfte.

Um sich gegen die deutliche Konjunktureintrübung zu stellen, hat daher die australische Notenbank zuletzt die Zinsen um 25 Basispunkte auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt. 

Die dortige Wirtschaft ist stark von den Exporten nach China, gerade von Rohstoffen, abhängig, weshalb die australische Wirtschaft zügig auf dem Weg in eine Rezession sein dürfte. In dem Umfeld dürfte die Notenbank die Zinsen sehr schnell auf null senken.

Zuletzt ist die kanadische Notenbank nachgezogen und hat die Zinsen überraschend um 50 Basispunkte auf 1,25 Prozent gesenkt – das war das niedrigste Niveau seit Juni 2018. 

Da die dortige Wirtschaft zusehends die sich abschwächende Konjunktur in den USA, dem mit weitem Abstand wichtigsten Handelspartner Kanadas, sowie den Verfall der Rohstoffpreise, gerade für Öl, zu spüren bekommt, sollten die Zinssenkungen auch in Kanada in den nächsten Monaten klar weitergehen.

In dem Umfeld ist das Volumen weltweiter Anleihen mit Strafzinsen zuletzt auf umgerechnet 14,3 Billionen Dollar gestiegen, und nähert sich damit dem Rekordhoch vom August 2019 von rund 17 Billionen Dollar.

Das gibt dem Goldpreis kräftigen Rückenwind.

Weltweite Notenbanken entwerten Fiat-Währungen immer weiter

Damit wächst das Risiko, dass die EZB bei der Sitzung am Donnerstag, 12. März nachzieht und die Zinsen um 10 Basispunkte auf das Rekordtief von minus 0,6 Prozent.

Damit müssten die Sparer noch mehr Strafzinsen zahlen – welcher Wahnsinn! 

Die möglichen Maßnahmen der EZB dürften zwar keineswegs die Wirtschaft ankurbeln, dennoch dürfte das EZB-Chefin Christine Lagarde, die eine Anhängerin von Strafzinsen ist, nicht davon abhalten, diesen Weg zu gehen. 

Zudem besteht das Risiko, dass die EZB das Gelddruckprogramm von aktuell 20 Mrd. Euro pro Monat kräftig aufstockt – welcher Irrwitz!

Die EZB und die Fed können die Konjunkturprobleme diesseits und jenseits des Atlantiks nicht lösen, weil die Notenbanken den Angebotsschock nicht bekämpfen können. Das hält die Fed, die EZB und viele andere Notenbanken allerdings nicht davon ab, die Zinsen immer weiter zu senken und immer mehr Geld zu drucken. 

Damit entwerten die Notenbanken allerdings die Fiat-Währungen, wie Dollar und Euro, immer mehr, während das Volumen von Anleihen mit Strafzinsen immer weiter steigt. Offenbar können die Notenbanken ihrer Meinung nach nur so verhindern, dass die weltweit gigantische Schuldenblase nicht platzt. 

Kein Wunder, dass der Goldpreis kräftigen Auftrieb hat, denn mit physischem Gold können sich Besitzer gegen den Irrwitz der Notenbanken und Strafzinsen schützen.

Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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von Commander Crash | 08.03.2020, 01:17 Antworten

Würde man das aufgeblähte Finanzsystem sezieren, statt analysieren, käme es zu einer Perfektion der Perversion. We need information in formation...

2 Antworten an Commander Crash anzeigen
von Klaus | 07.03.2020, 18:28 Antworten

Die "Fed kann Folgen der Pandemie nicht lösen", das ist richtig. Aber Gold oder der Erwerb von Gold auch nicht. Also etwas mehr gelassen bleiben.

von Glaskugelleserei bitte nie als technische Analyse verkaufen | 06.03.2020, 21:30 Antworten

Es brennt an allen Ecken und Schulden loest man nicht mit Schukldengeld.

2 Antworten an Glaskugelleserei bitte nie als technische Analyse verkaufen anzeigen

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"