Stand: 15.11.2019 von Egmond Haidt 6 Kommentare

US-Präsident Donald Trump behauptet andauernd, dass die Wirtschaft in einem besseren Zustand sei als je zuvor. Dennoch kritisiert er die Fed scharf und fordert von ihr Strafzinsen. Die Taten und Worte von Fed-Chef Jay Powell passen ebenfalls überhaupt nicht zusammen. 

Von einem Rekordhoch zum nächsten steigt der S&P500. Die Massenmedien begründen das praktisch täglich mit „Optimismus im Handelskrieg“ zwischen den USA und China.

Ich bin hingegen der Überzeugung, dass das gewaltige Gelddrucken der Fed von 60 Mrd. Dollar pro Monat der wichtigste Antriebsmotor für den US-Aktienmarkt sein dürfte, weil es bislang keine Fortschritte im Handelskrieg gegeben haben dürfte und es auch keine geben werde.

Allerdings belasten die Rekordfahrt des S&P500 und die zwischenzeitlich kräftig gestiegenen Zinsen für zehnjährige US-Anleihen den Goldpreis kräftig, weshalb er mit rund 1.465 Dollar je Unze in der Nähe des Drei-Monats-Tiefs liegt. 

Haben Sie die jüngsten Meldungen zum Handelskrieg genau verfolgt? Zwar hat US-Präsident Donald Trump bei seiner Rede beim Economic Club of New York behauptet, dass die Handelsgespräche gut vorankämen.

Allerdings hat der US-Präsident betont, dass er bei einem Scheitern der Verhandlungen die Strafzölle auf chinesische Produkte „substanziell“ erhöhen werde. 

Das hört sich so gar nicht nach Fortschritten im Handelskrieg an, oder? Tags darauf kam die Meldung, dass sich China offenbar dagegen sträubt, eine konkrete Zahl zum Kauf von US-Agrarprodukten in die Vereinbarung aufzunehmen, da die USA der Forderung Chinas nicht nachkommen, die Strafzölle aufzuheben. Gleichzeitig gebe es noch keinen Durchsetzungsmechanismus, oder eine Vereinbarung zum erzwungenen Technologietransfer. 

US-Wirtschaft schwächelt beträchtlich

Das Problem dabei: je länger es keine nachhaltige Lösung im Handelskrieg gibt, umso mehr werden die US-Unternehmen ihre Investitionen senken, was unweigerlich die US-Wirtschaft belastet. Dabei hat sie zuletzt schon deutliche Bremsspuren gezeigt. 

Zwar war sie im dritten Quartal etwas stärker gewachsen als erwartet, allerdings lag das reale Wachstum – also unter Berücksichtigung der Inflation – im dritten Quartal bei lediglich 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das war der niedrigste Wert seit dem vierten Quartal 2016, also kurz vor Trumps Amtsantritt im Januar 2017.

Trumps Behauptung, dass die Wirtschaft besser laufe als je zuvor sind also Fake News – das sind Fake News!

Trump selbst hat bei seiner Rede vor dem Economic Club of New York einmal mehr Strafzinsen von der Fed gefordert. Laut Trump würde die Fed die Zinsen viel zu langsam senken, weshalb die USA im Nachteil gegenüber anderen Ländern sei. Wenn die US-Wirtschaft so sehr brummen würde, wie Trump bei jeder Gelegenheit behauptet, dann würde sie die aktuellen Leitzinsen von 1,5 bis 1,75 Prozent problemlos verkraften und bräuchte keinen Anschub, oder? 

Fed finanziert Schuldensause mit der Notenpresse

Trumps Wunsch nach Strafzinsen macht nur vor dem Hintergrund der gewaltigen Schuldensause in den USA, also von Staat, privaten Haushalten und Unternehmen, Sinn. So sind die Schulden der Regierung in Washington Ende Oktober auf den Rekord von 23,0 Billionen Dollar gestiegen – das ist ein Zuwachs um horrende 1,3 Billionen Dollar innerhalb von nur zwölf Monaten.

Das sind herbe sechs Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. So groß ist das Defizit üblicherweise nur in Rezessionszeiten.

Hinzu kommt der deutliche Schuldenanstieg des privaten Sektors: die Schulden von privaten Haushalten und Unternehmen außerhalb des Finanzsektors sind zwischen dem Ende des zweiten Quartals 2018 und dem des zweiten Quartals 2019 um horrende 1,2 Billionen auf den Rekord von insgesamt 31,6 Billionen Dollar gestiegen. 

Um in dem Umfeld einen starken Zinsanstieg zu verhindern, druckt die Fed 60 Mrd. Dollar pro Monat und kauft damit Staatsanleihen mit einer Laufzeit von maximal einem Jahr, und finanziert damit einen Teil der Schuldensause mit der Notenpresse.

Damit drückt die Fed auch die Zinsen für Auto-, Hypotheken- und Unternehmenskredite kräftig nach unten und hält so das gigantische Schuldenhaus am Leben. Allerdings entwertet die Fed durch ihre Dollar-Schwemme auf mittlere und lange Sicht den Dollar, was dem Goldpreis Rückenwind geben sollte. 

Powell will Zinspause einlegen

Wegen Trumps Schuldensause, seinen Forderungen nach Strafzinsen und der meiner Meinung nach deutlich schwächelnden US-Wirtschaft kommt Fed-Chef Jay Powell zusehends unter Zugzwang.

Er behauptet zwar ebenfalls dauernd, dass es der Wirtschaft gut gehe. Komischerweise hat er dennoch die Zinsen innerhalb von lediglich drei Monaten um insgesamt 75 Basispunkte (0,75 Prozentpunkte) gesenkt. Das sollen angeblich aber alles nur „Absicherungen“ gegen eine Konjunkturschwäche sein.

Zuletzt hat Powell angekündigt, dass die Fed eine Zinspause einlegen und bei der nächsten Sitzung am 11. Dezember die Zinsen nicht senken werde. Allerdings war die Fed mit ihren Vorhersagen in den vergangenen Jahren etliche Male völlig danebengelegen. 

Ich erwarte weiterhin, dass wegen des anhaltenden Handelskriegs in den nächsten Monaten zahlreiche US-Konjunkturdaten geradezu von der Klippe herunterfallen sollten und die Wirtschaft zügig in Richtung einer Rezession abgleiten dürfte. Dann schauen wir mal, ob es tatsächlich keine Zinssenkung im Dezember geben wird, oder ob die Fed einmal mehr umschwenken und doch eine Reduktion durchführen wird. Je nachdem was passieren wird, dürfte der Goldpreis darauf kräftig reagieren.

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Trump fordert immer öfter Strafzinsen
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [6]
  • von Jean Claude | 15.11.2019, 21:27 Antworten

    Wenn es ernst wird, muss man lügen.

  • von Kerstin | 15.11.2019, 09:04 Antworten

    Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis dieses auf Schulden und billigem Geld aufgebaute Kartenhaus zusammenfällt. In den USA genauso wie in Europa.
    Die Frage ist nur, welches Szenario dann eintreten wird: Deflation durch Platzen der Assetblasen und Bankenpleiten , hohe Inflation durch weitere Gelddruck-Orgien und Abwertung der Währungen oder eine Stagflation, in der Staaten und Zentralbanken sich in die Aktienmärkte einkaufen wie in Japan?
    Ich weiß es nicht. Aber es sieht nicht gut aus.

    • von Fritzthecat | 15.11.2019, 14:45 Antworten

      @kerstin. Mein Favorit ist die Stagflation. Japan macht es uns vor und so könnte es in der weslichen Welt auch viele Jahre funktionieren. Also nix mit Crash/ Inflation usw. Es gibt viele Gründe für das Japanmodell.
      Im Übrigen: Crash ist nicht, denn viele Superreiche erwarten Ihn und haben sich aus Aktien zurückgezogen.
      Ich werde auch einen gewissen Teil wieder in Aktien investieren, nachdem ich mehrere Jahre aufgrund meiner Crashbedenken aus diesem Geschäft entfernt war und nun eines Besseren belehrt bin.

    • von Commander Crash | 15.11.2019, 12:44 Antworten

      Ich tippe auf Kahlrasur der Sparer bis auf die Sicherungsgrenze von 1mm.

      • von Aurargint | 15.11.2019, 14:17 Antworten

        Optimist!

  • von Aurargint | 15.11.2019, 14:10 Antworten

    Ich befürchte, daß den Europäern und vor allem den Deutschen ihr(e) Vermögen/Ersparnisse gestohlen werden (Gut- und BestmenschInnen mögen dies Enteignung nennen), damit die Verschuldung auf ungefähr NULL gesetzt werden kann und das "Spiel" von Neuem beginnt...

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