Stand: 09.11.2016 von Egmond Haidt 2 Kommentare

Kräftiger Anstieg beim Goldpreis: Grund ist der völlig überraschende Wahlsieg von Donald Trump, woraufhin eine hohe Unsicherheit, gerade bezüglich der Wirtschaftspolitik herrscht. In dem Umfeld flüchten Investoren in Gold, womit das Edelmetall seiner Funktion als sicherer Hafen einmal mehr hervorragend nachkommt.

Der neue Präsident tritt ein schweres Erbe an, erbt er doch einen immensen Schuldenberg. Mit massivem Gelddrucken hat die US-Notenbank nach der 2008er-Krise die Schuldensause am Laufen gehalten. In den nächsten Jahren wird sich die Schuldenspirale noch viel schneller drehen. Damit verbessert sich das ohnehin hervorragende Umfeld für Gold und Silber weiter.

Seit dem Amtsantritt von Barack Obama im Januar 2009 sind die Staatsschulden um herbe 9,1 Billionen auf aktuell 19,79 Billionen US-Dollar explodiert (www.treasurydirect.gov). Das sind horrende 106 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass noch vor dem Amtsantritt des neuen Präsidenten am Freitag, 20. Januar 2017 die Marke von 20 Billionen überschritten wird, steigen doch die Schulden seit Anfang 2015 im Schnitt um 75 Mrd. US-Dollar pro Monat. Möglich macht die Schuldensause die US-Notenbank (FED), die knapp 50 Mrd. US-Dollar pro Monat druckt, indem sie das Geld aus alten, auslaufenden US-Staats- und Hypothekenanleihen, nutzt, um damit neue Anleihen zu kaufen.

Ohne neue Schulden kein Wirtschaftswachstum

Trotz der sehr niedrigen Zinsen ist die Wirtschaft aber ziemlich schwach. So haben die Volkswirte die Prognose für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2016 auf nur mehr 1,5 Prozent gesenkt. Das ist der niedrigste Wert seit der 2009er-Schuldenkrise. Die Wirtschaft ist allerdings nicht „trotz“, sondern vielmehr „wegen“ der sehr niedrigen Zinsen so schwach. Denn ihretwegen entgehen den Sparern jährlich hunderte Millarden an Zinseinnahmen. Das Geld fehlt für den Konsum, weshalb die Wirtschaft schwächelt. Ohnehin beruhte das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre nur auf Schuldenmachen.

Zur Erinnerung: Seit dem Amtsantritt Obama sind die Staatsschulden um 9,1 Billionen explodiert. Im gleichen Zeitraum ist die US-Wirtschaft aber nur von 14,75 Billionen US-Dollar auf zuletzt 18,65 Billionen annualisiert gewachsen – das macht nur ein Plus von 3,9 Billionen. Die USA haben also horrende 2,33 US-Dollar an Schulden gebraucht, um ein Wirtschaftswachstum von einem US-Dollar zu erreichen. Wenn man die zunehmende Schuldensause im privaten Sektor, also bei privaten Haushalten und Unternehmen mit hinzunimmt, steigt der Wert sogar auf 2,7 US-Dollar Schulden auf einen US-Dollar Wirtschaftswachstum. Einfach gesagt: Ohne die gewaltige Schuldensause gäbe es kein Wirtschaftswachstum in den USA.

Neue Konjunkturprogramme mit der Notenpresse finanzieren

Weil das Wirtschaftswachstum so schwach ist, da sich der hoch verschuldete private Sektor, also Unternehmen und privat Haushalte, schwer tut, immer mehr Schulden zu machen und die Notenbank mit immer niedrigeren Zinsen die Wirtschaft nicht ankurbeln kann, haben Volkswirte und andere „Experten“ eine Lösung: Konjunkturprogramme. Der Staat soll also noch viel mehr neue Schulden machen, und mit dem Geld die Wirtschaft ankurbeln. So hat David Rosenberg, Chefvolkswirt und Stratege der kanadischen Bank Gluskin Sheff, zuletzt ein Konjunkturprogramm von zwei Billionen US-Dollar gefordert.

Sie lesen richtig: zwei Billionen Dollar! Rosenberg ist nicht irgendwer. Bevor er im Frühjahr 2009 zu Gluskinn Sheff gewechselt ist, war er sieben Jahre lang Chefvolkswirt für Nordamerika bei Merrill Lynch in New York und belegte in den Analystenrankings regelmäßig einen der vorderen Plätze. Deswegen sollte man sich darauf einstellen, dass die neue US-Regierung trotz des riesigen Schuldenbergs massive Konjunkturprogramme auflegen wird. Und wie sollen sie finanziert werden? Aus der Notenpresse, wie sonst?

Sozialausgaben und Ausgaben für das Gesundheitswesen treiben Verschuldung nach oben

Mit neuen Konjunkturprogrammen würden die Schuldenberge aber noch schneller wachsen als es ohnehin bereits geplant ist, denn die Staatsausgaben werden in den nächsten Jahren weiter massiv steigen. Das zeigen die Zahlen des Congressional Budget Office (CBO), also des Finanzausschuss des Kongress, unmissverständlich. So sind die Sozialausgaben im Fiskaljahr 2016, das im September endete, um 3,2 Prozent auf 905 Mrd. US-Dollar gestiegen, nach einem Plus von 4,4 Prozent für 2015. Gleichzeitig steigen die Kosten für das Gesundheitswesen, also Medicare (die öffentliche und bundesstaatliche Krankenversicherung innerhalb des Gesundheitssystems der USA für ältere oder behinderte Bürger) und für Medicaid (ein steuerfinanziertes Gesundheitsfürsorgeprogramm für Bürger mit geringem Einkommen) kräftig.

Im Fiskaljahr 2015 fielen für die beiden Programme insgesamt 960 Mrd. US-Dollar an – ein Plus von 7,4 Prozent. Die Ausgaben für das Gesundheitssystem werden in den nächsten Jahren massiv steigen, werden doch während der nächsten 20 Jahre jährlich 3,6 Mio. Arbeitnehmer in Rente gehen. Dass in dem Umfeld auch die Ausgaben für Rentenzahlungen kräftig steigen werden, versteht sich von selbst. Diese zwei Faktoren dürften dafür sorgen, dass das Haushaltsdefizit in den nächsten Jahren kräftig steigt. Ein umso größeres Risiko wäre es, wenn die Zinsen in den USA weiter steigen würden, denn dann würden die Zinsbelastungen des Staates allmählich zunehmen.

US-Wirtschaft kann Zinserhöhungen nicht verkraften

Derzeit geht der Finanzmarkt (FEDwatch Tool) davon aus, dass die FED bei der Sitzung am 14. Dezember die Zinsen um 0,25 Prozent erhöhen wird. Dennoch sollte dieser „Zinszyklus“ aber rapide zu Ende gehen, nachdem es zuvor nur eine Erhöhung im Dezember 2015 gegeben hatte. Wieso? Weil die US-Wirtschaft höhere Zinsen einfach nicht verkraften kann. Denn neben dem Staat stehen auch die privaten Haushalte und die Unternehmen tief in der Kreide. Die Schulden belaufen sich auf insgesamt 65 Billionen Dollar. Das sind horrende 350 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Eine Zinserhöhung um mickrige 100 Basispunkte (ein Prozentpunkt) bedeutet zusätzliche Zinsbelastungen von 650 Mrd. US-Dollar jährlich. Das sind herbe 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Selbst ein derart mickriger Zinsanstieg bedeutet, dass die Wirtschaft unweigerlich in die Rezession abrutschen, also schrumpfen würde. Deswegen preist der Finanzmarkt auch nur eine weitere Zinserhöhung bis Ende 2017 ein. Obwohl Fed-Chefin Janet Yellen andauernd von irgendwelchen Zinserhöhungen redet, glaubt offensichtlich kaum ein Investor ihrem Gerede.

Gold schützt hervorragend gegen Inflation

Ein Umfeld, in dem nicht nur die Schulden des Staates, sondern auch von privaten Haushalten und Unternehmen weiter steigen, ist ein hervorragendes Umfeld für Gold. Denn wenn es immer mehr US-Dollar gibt, sinkt der Wert des US-Dollar immer weiter, wie er es in den vergangenen Jahrzehnten seit dem Nixon-Schock getan hat. Nachdem etliche Länder den Umtausch von US-Dollar in Gold gefordert hatten, kam es am 15. August 1971 zum „Nixon-Schock“: Der damalige US-Präsident Richard Nixon kündigte damals völlig überraschend an, den Umtausch von US-Dollar gegen Gold „zeitlich befristet“ aufzuheben, woraufhin eine Schwemme an Papiergeld und Schulden ihren Lauf nahm. Aus „zeitlich befristet“ sind inzwischen 45 Jahre geworden. Das hat erhebliche Folgen für die Inflation und damit für den Goldpreis. Zuerst zur Inflation: So ist der Verbraucherpreisindex seit August 1971 von 40,7 Punkte auf 241,0 Punkte explodiert. Das ist ein Anstieg um fast 500 Prozent (492,1 Prozent). Und was hat der Goldpreis in der Zeit gemacht? Er ist in dem Zeitraum von 41 US-Dollar auf aktuell 1.300 US-Dollar je Unze nach oben geschossen: Das entspricht einem Anstieg um mehr als 3.000 Prozent (3.070,7 Prozent). Gibt es nach dieser Rechnung einen besseren Schutz gegen Inflation als Gold? Wohl kaum.

Gold-Fans sollten sich von den täglichen Kursschwankungen bei Gold nicht verunsichern lassen. Kurz- und mittelfristig können zwar die Notenbanken, und die im Sinne der Notenbanken agierenden Banken, den Goldpreis nach unten manipulieren. Je stärker und je länger der Preis aber nach unten gedrückt wird, umso stärker wird die Feder eines Tages nach oben schnalzen. Der Tag könnte viel früher kommen als viele Anleger erwarten, denn irgendwann wird der Großteil der Investoren feststellen, dass es aus dem immer gigantischeren Schuldenmachen und dem Gelddrucken der Fed keinen Ausweg gibt, außer noch gigantischere Schulden und noch mehr Gelddrucken. Die beste Versicherung dagegen ist und bleibt Gold.

Trump Sieg stützt Goldpreis
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [2]
  • von Mr. Silver | 12.11.2016, 12:48 Antworten

    Spike and legde machte der Goldpreis wie die Aktien. Vor und zurück. Natürlich ist Gold bei einer Währungsreform die in den nächsten Jahren kommen wird das beste, doch solange die Aktien laufen wird der Goldpreis fallen. Alle Rohstoffe sind gefallen. Schwingungen ausnutzen und beim nächsten neuen Tief kaufen, und beim Hoch wieder verkaufen, das man einen Teil für 0 Euro liegen hat Das ist das beste. 20% waren vom November 15 bis Oktober 16 drin. Heißt also jede 6te Unze liegt gratis im Bestand.

  • von Geldanalyst | 11.11.2016, 01:55 Antworten

    Der Goldpreis müsste gemessen an den Verschuldungen der USA und Europas deutlich höher sein, als er ist, da sowohl Dollar als auch der Euro täglich durch Schuldenerhöhung an Wert verlieren. Nur: Gold ist derzeit zwar etwas gefragt, Aktien sind aber noch das attraktivere Investment, da aufgrund der Niedrigzinspolitik sich alle da hinein flüchten, was wiederum die Kurse weiter nach oben treibt. Das alles spiegelt keine gesunde Situation wieder und muß irgendwann zusammen brechen. Nur wann, das weiß keiner.

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