Stand: 27.01.2017 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Der Goldpreis korrigiert etwas. Die Phase dürfte allerdings nur von kurzer Dauer sein, nehmen doch durch die Politik von Donald Trump die Risiken für die Weltwirtschaft erheblich zu. Zudem gibt es eine Reihe von Risiken in Europa. In zunehmend unsicheren Zeiten dürfte Gold daher als sicherer Hafen gefragt sein.

Kleine Korrektur beim Goldpreis: Verantwortlich dafür sind vor allem die steigenden US-Zinsen und die Rekordfahrt am US-Aktienmarkt.

In den ersten Tagen seiner Amtszeit hat der neue US-Präsident Donald Trump etliches von dem in Angriff genommen, was er während des Wahlkampfs versprochen hatte. Er strebt ein Wirtschaftswachstum von vier Prozent an, und will „sehr bedeutende“ - gemeint sind natürlich sehr hohe - Grenzzölle einführen.

Im Gegensatz zu Einfuhrzöllen werden dadurch nicht nur ausländische Produkte in den USA teurer, sondern US-Produkte im Ausland billiger, weil die US-Unternehmen auf ausgeführte Produkte keine Gewinnsteuern bezahlen müssen. Gleichzeitig unternimmt Trump Schritte, um den Bau der Pipelines Keystone XL und Dakota Access voranzutreiben. Das euphorisiert Investoren, zumal sie darauf setzen, dass der Bau der Pipelines die US-Wirtschaft ankurbeln wird, weil Trump die Unternehmen dazu zwingen möchte, beim Bau verstärkt auf Rohstoffe und Maschinen aus den USA zu setzen. Die Euphorie treibt den Dow Jones zum ersten Mal über die Marke von 20.000 Punkten, während der S&P500 ebenfalls von Rekord zu Rekord läuft.

Gleichzeitig sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf 2,5 Prozent geklettert, weil Investoren erwarten, dass Trump das Wachstum der US-Wirtschaft deutlich beschleunigen und damit die Inflation kräftig anheizen wird. Deswegen sind die Inflationserwartungen kräftig gestiegen. In einem Umfeld haussierender US-Aktienmärkte und steigender Zinsen schichten etliche Investoren etwas Geld aus Gold in den Aktienmarkt um, weshalb der Goldpreis etwas korrigiert.  

Unsicherheit über die Entwicklung der Weltwirtschaft ist viel größer denn je zuvor

Die Frage ist allerdings, wie lange die Trump-Euphorie anhalten wird. Immerhin dürften Länder, wie China, mit eigenen Maßnahmen zurückschlagen, was den Welthandel und damit die Weltwirtschaft erheblich belasten dürfte, und damit auch die US-Wirtschaft. Deswegen ist der sogenannte Global Economic Policy Uncertainty Index, der die Unsicherheit über die weltweite Wirtschaftspolitik widerspiegelt, auf ein Rekordhoch nach oben geschossen. Zuletzt lag er bei knapp 280 Punkten und damit meilenweit über dem Wert von 200,67 Punkten vom September 2008, also im Zuge der Pleite von Lehman Brothers, und noch viel weiter über dem Stand von 135,5 Punkten vom Juli 2012, also vom Höhepunkt der Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone. Angesichts dieser extrem hohen Unsicherheit machen Rekordstände am weltweiten Aktienmarkt keinerlei Sinn.

Trump will einen schwachen Dollar

Dass die Unsicherheit in den nächsten Monaten hoch bleiben dürfte, dafür dürfte vor allem Trump sorgen. Er hat zuletzt klar gesagt, dass der Dollar „zu stark“ sei und deswegen die US-Unternehmen nicht mit den chinesischen Firmen konkurrieren könnten. Die Wahrscheinlichkeit ist daher groß, dass Trump in den nächsten Monaten versuchen wird, den Dollar nach unten zu reden, was dem Goldpreis Rückenwind geben würde. Wenn das Reden nicht viel helfen sollte, dürfte Trump innerhalb weniger Monate ein Treffen mit den Regierungschefs, beispielsweise Europas, einberufen und ihnen klar machen, dass der Dollar nach dem Höhenflug der vergangenen Jahre dringend abgewertet werden müsste.

Derartige Treffen hat es früher des Öfteren gegeben. Mittelfristig wird die Entwicklung des Dollar zwar vom Markt bestimmt. Wenn der Dollar aber zu weit nach oben oder unten ausschlägt, greifen die Regierungen ein, beispielsweise im Plaza-Abkommen 1985 oder dem Louvre-Abkommen 1987 - benannt jeweils nach dem Ort, wo die Treffen stattfanden, im Plaza Hotel in New York und im Louvre Museum in Paris. „Beim Plaza-Abkommen haben sich die führenden Offiziellen der USA, Großbritanniens, Westdeutschlands, Frankreichs und Japans am 22. September 1985 darauf geeinigt, den Dollar abzuwerten. Der Dollar ist anschließend in den nächsten zwei Jahren um 30 Prozent eingebrochen“, schrieb Jim Rickards. „Der Schaden war (aber) so groß, dass ein zweites Treffen einberufen wurde, am 22. Februar 1987 im Louvre….

Die Teilnehmer verständigten sich darauf, die Abwertung des Dollar zu stoppen. Daraufhin war der Dollar in den folgenden Jahren ziemlich stabil. Es ist ein Fehler zu glauben, dass der Wert des Dollars von den Marktkräften bestimmt wird. Das mag zwar kurzfristig stimmen, aber langfristig hat der Dollar den Wert, den die Regierungen haben möchten. Je stärker die Regierung, umso mehr kann sie bestimmen“, schrieb Jim Rickards im September 2016.

Rickards hat 35 Jahre lang an der Wall Street gearbeitet und ist der Autor von Bestsellern, wie „Currency Wars: The Making of the Next Global Crisis“ (auf Deutsch: Währungskriege: das Entstehen der nächsten weltweiten Krise), veröffentlicht 2011, „The Death of Money: The Coming Collapse of the International Monetary System“ (Der Tod des Geldes: Der bevorstehende Kollaps des internationalen Geldsystems), veröffentlicht 2014, und „The New Case for Gold (Ein neues Plädoyer für Gold) von 2016.

Sollte es entgegen der Erwartung vieler Investoren plötzlich zu einem deutlichen Rückgang des Dollar kommen, würden auch die Zinsen den Rückwärtsgang einlegen, weil bei einem schwächeren Dollar weniger Geld in den Dollar und in US-Staatsanleihen fließen würde. Die obigen Szenarien zeigen auf, wie so die von den USA ausgehenden Risiken und damit die Unsicherheit deutlich zunehmen. In dem Umfeld sollte der Goldpreis in den nächsten Monaten deutlich nach oben streben.

Bei der Frankreich-Wahl könnte es einen überraschenden Ausgang geben

Neben den möglichen Risikofaktoren aus den USA, gibt es auch eine Menge Risiken in Europa. So will die britische Regierungschefin Theresa MayGroßbritannien aus Europa herausführen und notfalls auf einen Zugang zum Binnenmarkt verzichten. Das wären nicht nur schlechte Nachrichten für Großbritannien, weil das Pfund weiter abwerten würde, wodurch die Kaufkraft der Briten weiter sinkt, sondern auch für Kontinentaleuropa. Denn Kontinentaleuropa exportiert Monat für Monat doppelt so viele Güter nach Großbritannien wie nach China. Wenn es zu einem „harten“ Austritt Großbritanniens aus der EU käme, würden sich die Exportperspektiven für deutsche Unternehmen, gerade für die Autobauer, wie Daimler oder BMW, und etliche andere Sektoren, wie Maschinenbau, oder Chemie deutlich eintrüben.

Für zusätzliche Risiken und Unsicherheit sorgen die bevorstehenden Wahlen am 15. März in den Niederlanden und die Präsidentschaftswahl am 23. April in Frankreich. Entgegen der Erwartung vieler Experten dürften die Chancen für Marine Le Pen, die Chefin des Front National, auf einen Wahlsieg nicht schlecht stehen. Le Pen hat zuletzt einmal mehr angekündigt, dass sie Frankreich aus dem Euro herausführen wolle und anschließend die französischen Staatsschulden in einer neuen nationalen Währung notieren sollen.

„Le Pen hat eine viel bessere Chance, die Wahl zu gewinnen, als viele Leute denken… Wenn Le Pen gewählt wird, wird sie die institutionelle Architektur Europas niederreißen und es wird Chaos folgen“, sagte der Schweizer Vermögensverwalter Felix Zulauf, Chef der Schweizer Investmentfirma Zulauf Asset Management, im Barron‘s Roundtable 2017. Dabei treffen sich jährlich renommierte Investmentprofis, wie der Anleihen-„König“ Jeff Gundlach, und eben Felix Zulauf, und geben am Jahresanfang ihren Ausblick auf die Konjunktur und die Finanzmärkte. Ohne Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, ist der Euro aber nicht vorstellbar.

Für Deutschland steht eine Menge auf dem Spiel

Dass die Krise in der Euro-Zone weiterhin schwelt, obwohl die Zinsen für italienische, spanische oder französische Anleihen noch extrem niedrig sind, zeigt die Entwicklung der Target2-Salden. Sie zeigen die Kapitalflucht aus dem Süden Europas in den Norden und zu dessen Banken. So hatte Italien zuletzt einen negativen Target2-Saldo von horrenden 362,99 Mrd. Euro, während er sich bei Spanien auf horrende 330,19 Mrd. Euro belief.

Target2-Salden der Länder des Eurosystems im November 2016

Land Target2-Salden (in Millionen Euro)
Deutschland 719.244
Luxemburg 169.146
Niederlande 115.896
Finnland 49.798
Belgien 7.688
Zypern 5.432
Estland 950
Malta 822
Slowenien -501
Litauen -1.825
Irland -2.047
Slowakei -4.600
Letland -5.039
Frankreich -30.188
Österreich -31.101
Portugal -71.860
Griechenland -72.360
Spanien -330.188
Italien -362.985

Quelle: de.statista.com/statistik/daten/studie/233148/umfrage/target2-salden-der-euro-laender

Target2-Salden der Länder des Eurosystems

Mit so viel Geld stehen die Länder bei der EZB in der Kreide - das massive Gelddrucken der EZB macht‘s möglich. Hingegen hat Deutschland als mit weitem Abstand größter Gläubiger einen positiven Saldo von 719,24 Mrd. Euro. „Wenn das Euro-System. beginnt zu zerfallen, und Europa eventuell zu seinen nationalen Währungen zurückkehrt, wird der italienische Anleihenmarkt zerstört werden“, sagte Zulauf. Angesichts der erheblichen Risiken in den USA und Europa verlieren etliche Investoren die enormen Risiken in China etwas aus den Augen. Dabei ist dort in den Jahren nach 2008 eine gigantische Schulden- und Immobilienblase entstanden. Die Regierung und die Notenbank versuchen mit immer neuen Schulden die Lage unter Kontrolle zu halten. Der Rückgang des Renminbi, der starke Rückgang der Währungsreserven und die Kapitalflucht zeigen aber, wie ernst die Lage ist.

Gold-Fans sollten den Dollar, die US-Zinsen und den US-Aktienmarkt genau im Auge behalten. Zwar könnten weiter steigende Zinsen und die Rekordfahrt am Aktienmarkt die  Goldpreisentwicklung kurzfristig belasten. Allerdings dürfte Trump energisch versuchen, den Dollar nach unten zu reden. Wenn er gerade gegenüber dem Yen den Rückwärtsgang einlegen sollte, dürfte der Goldpreis kräftig nach oben drehen. Wenn gleichzeitig etliche andere Risiken, wie ein weltweiter Handelskrieg, Sorgen über den Brexit oder möglicherweise gute Wahlumfragen für Le Pen, allmählich in den Fokus der Investoren rücken und sie sich der zunehmenden Risiken am Finanzmarkt bewusst werden, sollte Gold als sicherer Hafen verstärkt gefragt sein.

Trump will Grenzzölle und schwachen Dollar: Positiv für Goldpreis?
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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