Stand: 24.04.2018 von Jörg Bernhard 4 Kommentare

Die Türkei hat laut Medienberichten in den USA gelagerte Goldreserven im Volumen von 28,6 Tonnen abgezogen. Eine starke Affinität zu Gold wird jedoch nicht nur Erdogan und seiner Familie nachgesagt, generell räumen Türken dem raren und teuren Gut traditionell einen hohen Stellenwert ein.

Erdogan und das „liebe Gold“

Angesichts von Inflationsraten in Höhe von aktuell mehr als zehn Prozent und angesichts der politisch labilen Lage in dem Land am Bosporus, die der türkischen Lira gegenüber dem Euro im April ein neues Rekordtief beschert hat, ist eine Vorliebe der Bevölkerung für Gold mehr als nachvollziehbar.

Aber auch der türkische Staat verspürt einen starken Goldappetit. Die Türkei gehört nämlich zu den Schwellenländern, deren Notenbanken in den vergangenen Jahren regelmäßig durch signifikante Goldkäufe in Erscheinung treten.

Laut World Gold Council hat die Türkei ihre Goldbestände seit 2010 von 116,1 Tonnen auf 564,8 Tonnen (siehe Tabelle) vervielfacht. Damit gehört das Land zwischen Orient und Okzident mittlerweile zu den zehn Staaten mit den höchsten Goldreserven.

Top Ten der offiziellen Goldreserven

Land Gewicht in Tonnen in % der Währungsreserven
USA 8133,5 t 75,0 %
Deutschland 3373,6 t 70,4 %
IWF 2814,0 t -
Italien 2451,8 t 68,0 %
Frankreich 2436,0 t 66,2 %
Russland 1880,5 t 17,6 %
China 1842,6 t 2,4 %
Schweiz 1040,0 t 5,3 %
Japan 765,2 t 2,6 %
Niederlande 612,5 t 67,1 %
Türkei 591,0 t 21,9 %

Quelle: World Gold Council, IWF, Stand: April 2018

Gemäß Berichten türkischer Medien hat die Türkei aus den USA 28,6 Tonnen Gold abgezogen, um diese künftig bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und der Bank of England (BoE) zu deponieren.

Die politischen Spannungen zwischen beiden Ländern sollen hierfür der Auslöser gewesen sein. So fordert die Türkei zum Beispiel seit Längerem die Auslieferung des 1999 in die USA geflohenen Fethullah Gülen, den Erdogan für den Militärputsch im Juli 2016 verantwortlich macht. Aber es gibt noch diverse weitere Streitigkeiten zwischen den USA und der Türkei.

Besonders interessant: In einem US-Gerichtsprozess gegen den türkisch-iranischen Goldhändler Reza Zarrap belastete dieser vor wenigen Monaten  – neben dem damaligen Wirtschaftsminister Caglayan – auch Erdogan schwer.

Der Vorwurf: Erdogan habe ihn angewiesen, von 2010 bis 2013 Gold gegen Gas-Geschäfte mit dem Iran durchzuführen. Die US-Justiz sieht dies als Verstoß gegen die damals gegen den Iran verhängten US-Finanzsanktionen. In der Türkei gab es in diesem Fall bereits 2013 Ermittlungen wegen Korruption. Diese wurden auf Betreiben Erdogans allerdings eingestellt.

Türkei auf riskantem Wachstumspfad

In dieses Bild passt auch die Forderung Erdogans, internationale Kredite künftig auf Gold-Basis zu vergeben. Der Wunsch ist verständlich, schließlich können in Dollar oder in Euro aufgenommene Kredite im Falle einer Kursschwäche der eigenen Landeswährung zu einer massiven Belastung werden.

In den vergangenen Jahrzehnten verzeichnete die Türkei zwar signifikantes Wirtschaftswachstum, das hohe Handelsbilanzdefizit deutet aber auf eine besonders stark ausgeprägte Auslandsabhängigkeit hin. Auch Länder wie Russland und China versuchen, sich gegenüber der Weltleitwährung Dollar unabhängiger zu machen. Ob die Vorhaben dieser autokratisch geprägten Staaten erfolgreich sein werden, bleibt abzuwarten.

Ausblick für die laufende Woche

Weder der globale Schuldenberg noch die deutlich gestiegenen geopolitischen Risiken haben dem Gold zu einer deutlichen Verteuerung verholfen. Markante charttechnische Widerstände im Bereich von 1.360 Dollar haben den Krisenschutz immer wieder ausgebremst.

Die Diskussionen um einen drohenden globalen Handelskrieg sind zwar noch nicht vom Tisch, an den Finanzmärkten scheint man derzeit aber mit einem „Happy-End“ zu rechnen. Die relativ freundlichen Aktienmärkte rund um den Globus sind hierfür der beste Beweis.

„Eitel Sonnenschein“ herrscht angesichts zahlreicher ungelöster Probleme aber dennoch nicht. Die globale Konjunktur weist bislang noch keine markanten Anzeichen von Schwäche aus.

In den USA fällt zum Beispiel das BIP-Wachstum derzeit höher als die Inflationsrate aus. Sollte sich diese Entwicklung markant ins Gegenteil verkehren, könnte das Interesse an Gold wieder spürbar zunehmen.

Und selbst für den Fall, dass wir in den kommenden Jahren mit Blick auf die globale Wirtschaft weiterhin ein breit angelegtes Wachstum sehen werden, sollte man Gold auf keinen Fall verkaufen. Und sollte der Goldpreis zu einer markanten technischen Korrektur ansetzen, würde dies dessen Funktion als Vermögensschutz nicht nachhaltig verschlechtern.

Ein solches Szenario sollten verantwortungsbewusste Investoren dann eher als interessante Kaufgelegenheit interpretieren.

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Türkei „schwört“ auf Gold
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [4]
  • von Goldmann | 25.04.2018, 08:54 Antworten

    Die deutschen Gold Experten bekommen es ja nicht einmal zu sehen.

  • von Edeltraut Flick | 24.04.2018, 18:39 Antworten

    Sehr interressant, Deutschland gelingt es nicht das Gold zurückzuholen !!!!!!!!!
    Bei der Türkei kappt es!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    • von Dr. Gold | 24.04.2018, 21:52 Antworten

      Na klappen ist doch etwas zu viel gesagt oder? und der Artikel zuvor hat ja echt infos über wieso warum weshalb das noch im Amiland liegt

      "https://www.gold.de/artikel/bundesbank-buch-das-gold-der-deutschen/"

      sollte man erst lesen evtl. sogar das Buch kaufen
      klingt interessant

    • von Peter | 24.04.2018, 18:49 Antworten

      Na die Türkei ist ja auch kein Staat der an den Fäden der USA hängen.

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