Stand: 12.11.2019 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

In der vergangenen Woche war es wieder einmal so weit: Der World Gold Council veröffentlichte aktuelle Daten zum Goldmarkt für das dritte Quartal 2019. In so manchem Marktsegment gab es eine überraschende Entwicklung zu vermelden.

ETF-Sektor und Notenbanken in Kauflaune

Für das dritte Quartal 2019 meldete der World Gold Council (WGC) übergeordnet betrachtet einen signifikanten Zuwachs der globalen Goldnachfrage. Diese hat sich gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode von 1.079,0 auf 1.107,9 Tonnen um 2,7 Prozent erhöht (siehe Tabelle).

Gold: Angebot und Nachfrage im dritten Quartal 2019

globale Nachfrage: Q3 2018 (Tonnen) Q3 2019 (Tonnen)
Schmuckbranche 546,2 t 460,9 t -15,6 %
Technologie 85,4 t 82,2 t -3,7 %
Notenbanken 253,1 t 156,2 t -38,3 %
Investment 194,4 t 408,6 t 110,2 %
davon:
Barren & Münzen 298,2 t 150,3 t -49,6 %
ETFs und ähnliche Produkte minus 103,8 plus 258,2 -
insgesamt: 1.079,00 t 1.107,90 t 2,7 %
globales Angebot:
Minenangebot 883,3 t 877,8 t -0,6 %
Hedging (Preissicherung) -24,1 t -9,2 t -
Recycling 320,6 t 353,7 t 10,3 %
insgesamt: 1.179,70 t 1.222,30 t 3,6 %
Quelle: World Gold Council; Stand: 30.09.2019

In den verschiedenen Marktsegmenten gab es allerdings Licht und Schatten zu beobachten. Als hauptverantwortlich für das gestiegene Goldinteresse kann man zweifellos den ETF-Sektor ausmachen. 

Solche Wertpapiere, die aufgrund ihrer Besicherung bzw. ihres Lieferversprechens grundsätzlich als Papiergold einzuordnen sind, zeichnen sich dadurch aus, dass sie Kapitalzuflüsse mit physischem Gold hinterlegen.

Nachdem im Vorjahresquartal Abflüsse in Höhe von 103,8 Tonnen zu Buche schlugen, sind in den Monaten Juli, August und September 2019 die Goldbestände dieser Finanzprodukte um 258,2 Tonnen aufgestockt worden. 

Starkes Kaufinteresse war in Q3 2019 aber auch im Notenbankensektor auszumachen. Mit Nettokäufen im Volumen von 156,2 Tonnen wurde sowohl der vergleichbare Vorjahreswert (253,1 Tonnen) als auch die Käufe im Vorquartal (234,3 Tonnen) massiv unterschritten.

Zur Erinnerung: Diese beiden Extremwerte fielen seit Beginn der Datenerhebung (Q1 2010) niemals höher aus. Die Chance, dass die Notenbanken im Jahr 2019 einen neuen Rekord aufstellen stehen nicht schlecht, schließlich wurde auf Neunmonatssicht mit bislang 547,5 Tonnen der Vorjahreswert um fast 12 Prozent übertroffen. Derzeit deutet wenig darauf hin, dass der Goldappetit von China, Russland & Co. deutlich nachlassen wird.

Nachfrageeinbruch bei Schmuck und Barren/Münzen

Kräftig bergab ging es mit der Goldnachfrage hingegen im wichtigsten Marktsegment Schmuck. Konjunkturängste in China und Indien haben dazu geführt, dass mit 460,9 Tonnen das Vorjahresquartal um 15,6 Prozent unterschritten wurde und zudem der niedrigste Wert seit über neun Jahren zu Buche schlug.

Auf Neunmonatssicht fällt die Lage aber weniger dramatisch aus, schließlich wurde mit insgesamt 1.520,9 Tonnen lediglich ein Minus von 4,6 Prozent erzielt.

Deutlich stärker hat die globale Nachfrage bei Kapitalanlagegold in Form von Goldbarren und Goldmünzen nachgelassen. Mit aktuell 150,3 Tonnen kam es hier gegenüber dem Vorjahreswert immerhin zu einer Halbierung.

In den ersten neun Monaten beläuft sich mit 628,7 Tonnen das Minus auf 22,2 Prozent p.a. Dank der massiven Goldzuflüsse in ETFs hat sich im Investmentsektor in Q3 2019 die Nachfrage von 194,4 auf 408,6 Tonnen mehr als verdoppelt.

Seit dem Jahreswechsel errechnet sich im Investmentbereich ein Plus von 31,3 Prozent auf 1.005,9 Tonnen.

Innerhalb des Industriesektors, der seit Jahren als kleinstes Teilsegment mit relativ geringen Schwankungen gilt, führten die aktuellen Konjunktursorgen zu einem leichten Rückgang um 3,8 Prozent auf 82,2 Tonnen. 

Auf Neunmonatssicht fällt mit 243,2 Tonnen das Jahresminus 3,0 Prozent sogar etwas geringer aus.

Ausblick für die laufende Woche

Aus charttechnischer Sicht hat sich mit dem Verletzen einer markanten Unterstützung und dem Unterschreiten der 100-Tage-Linie die Lage spürbar eingetrübt. Unter fundamentalen Gesichtspunkten gibt es aber weiterhin triftige Argumente, die für ein Goldinvestment sprechen.

Selbst Notenbanken (siehe oben) vertrauen auf Gold. Die einen kaufen zu, die anderen geben ihre in den Jahrzehnten zuvor gehorteten Bestände nicht mehr her. Und auch die Kauflaune im ETF-Sektor sollten Privatanleger als wichtiges Indiz sehen, das für Gold spricht.

Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass in die Blockbusterprodukte XETRA-Gold und SPDR Gold Shares vor allem institutionelle Investoren, dass gemeinhin auch als „smart money“ bezeichnet wird, eingestiegen sind.

Die Goldkäufe der Notenbanker und vieler Finanzinstitutionen, deren Expertise besonders ausgeprägt sein dürfte, sollten den ganz normalen Privatanleger sensibilisieren und dazu bewegen, selbiges zu tun und dabei einen langfristigen Anlagehorizont verfolgen.

Überraschende Daten vom WGC zum Goldmarkt
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von Goldhamster | 12.11.2019, 15:48 Antworten

    Wenn die Notenbanken kaufen, dann ist mit Höchstpreisständen zu rechnen und bei Niedrigpreisen werfen die das Gold auf den Markt. Kapitalvernichter ohnesgleichen und also nichts neues.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"