Stand: 06.05.2014  0 Kommentare

Wochenlang bewegte sich der Goldpreis seitwärts, obwohl sich die Ukraine-Krise von Tag zu Tag mit neuen Drohkulissen und Todesopfern zuspitzte. Inzwischen macht sich die Angst um eine weitere Eskalation jedoch stärker bemerkbar: Am Montag ist der Goldpreis zeitweise auf 1.315 Dollar gestiegen. Die Lage wird zunehmend unberechenbarer, die Aktienmärkte geraten unter Druck - und der "sichere Hafen? Gold gewinnt wieder an Bedeutung.

Die Zeitschrift "Der Aktionär " hat die Notierungen verglichen und festgestellt, dass hiermit das höchste Niveau seit drei Wochen erreicht wurde. Die fortgesetzte Reduzierung der US-Notenbankkäufe hatte den Goldpreis zuvor deutlich unter die Marke von 1.300 Dollar gedrückt. Doch dieser Effekt war schnell verpufft, aktuell reagiert der Goldpreis wieder verstärkt auf die Krise in der Ukraine. Gold wird von vielen Anlegern wieder stärker als sicherer Hafen verstanden. Die Wahrscheinlichkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung in der Ukraine hat zum Wochenauftakt zugenommen.

Viele Marktbeobachter halten die Lage in der Ukraine für "unvorhersehbar", sodass der jüngste Anstieg des Goldpreises entsprechend zu erklären ist. Zuletzt waren 30 tote prorussische Separatisten und vier getötete ukrainische Soldaten zu beklagen. Außerdem erwarten viele Anleger dem Bericht zufolge noch im Mai eine größere Korrektur auf dem Aktienmarkt. Für Gold spricht durch den Anstieg auf über 1.300 Dollar auch die chart-technische Situation. Als nächster Widerstand liegt die Marke bei 1.330 Dollar greifbar nahe - wird sie überschritten, könnten laut "Der Aktionär" die Jahreshöchstkurse von 1.390 Dollar bald erreicht werden.

Keine Spur von Investment-Flaute in China

Gestützt wird die Nachfrage nach dem gelben Metall allerdings nicht nur durch die Kriegsangst und dem Bedarf an einem sicheren Hafen, auch viele institutionelle Anleger greifen wieder verstärkt zu. Beispiel China: Die Volksrepublik hat sich zum wichtigsten Goldmarkt der Welt entwickelt. Und obwohl viele Marktbeobachter ein Ende des chinesischen Goldhungers voraus gesagt haben, setzt sich der chinesische Gold-Boom auch im laufenden Jahr weiter fort. Die China Gold Group hatte für 2014 mit einem rückläufigen Nachfragetrend gerechnet. Im aktuellen Jahr soll der Verbrauch auf über 1000 Tonnen klettern, die eigene Goldförderung um sieben Prozent auf 430 Tonnen steigen.

Die Nachfrage nach Gold war durch den Goldpreisrutsch im ersten Halbjahr 2013 um mehr als die Hälfte nach oben gegangen. Damit hat China im Jahr 2013 erstmals Indien als größten Goldkäufer der Welt abgelöst. Im vergangenen Jahr kauften chinesische Anleger einem Bericht des Nachrichtensenders "n-tv " zufolge 1066 Tonnen Gold. Die Marktteilnehmer aus Asien nutzten offenbar die Kursschwäche, um ihre Bestände massiv aufzustocken.

Mehr als ein Viertel der weltweiten Goldnachfrage stammt dem Bericht zufolge inzwischen aus China. Ursprünglich wurde ein Rückgang des Booms prognostiziert. Doch tatsächlich wurden in diesem Jahr bis Mitte April bereits 635 Tonnen Gold an der Goldbörse in Shanghai gehandelt, was einem Anstieg um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Grund für den Goldhunger: Wie in Europa befinden sich die Anleger in China in einem dramatischen Anlagenotstand. Der Immobilienmarkt ist von einer bedrohlichen Preisblase betroffen. Und auch bei den als besonders sicher geltenden Unternehmensanleihen sind erste Ausfälle zu verzeichnen.

Dem Bericht zufolge könnte es in diesem Jahr zu einem Wettlauf zwischen China und Indien kommen - die Nachfrage in Indien legt wieder zu. Wenn die Oppositionspartei BJP bei den Wahlen am 16. Mai an die Macht gelangt, dürfte der Spitzenkandidat die staatlichen Repressionen gegen den Goldhandel wieder aufheben oder zumindest spürbar abschwächen könnte. Die dortige Niederlassung des World Gold Council glaubt, dass Indien auch 2014 der Nachfrage-Weltmeister auf dem Goldmarkt bleiben wird. Hier wird mit einem Run auf Gold gerechnet. Die Analysten von "n-tv" resümieren, dass höhere Notierungen so gut wie sicher sind, sobald der physische Goldhandel bei der Preisbildung wieder die Oberhand gewinnt.

Griechenland: Haushalt stabil, Schuldenberg weiter erdrückend

Wochenlang wurde in Athen gefeiert, die griechische Regierung präsentierte sich als großer Sieger der Finanzkrise - nach der erfolgreichen Anleiheauktion war Griechenland an die Finanzmärkte zurück gekehrt. Dieses Ergebnis ist aber offenbar nicht zwangsläufig als Zeichen für ein Ende der Griechenland-Krise zu verstehen. Im Gegenteil: In dieser Woche fordert das Land laut der "Wirtschaftswoche " beim Eurogruppen-Treffen indirekt einen weiteren Schuldenschnitt. Die Griechen verlangen Erleichterungen bei der Rückzahlung der gewährten Hilfskredite, damit die immense Schuldenlast tragbar wird.

Die Regierung geht davon aus, dass bereits 85 Prozent der Haushaltskonsolidierung geschafft sind. Doch die Schulden steigen immer weiter an, zuletzt lagen sie bei 320 Milliarden Euro. Das entspricht 175 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Und die Vorgaben beim Schuldenabbau wird Griechenland verfehlen. Nun soll Griechenland längere Laufzeiten für bilaterale Hilfskredite von 52,9 Milliarden Euro erhalten - diese sollten eigentlich innerhalb von 17 Jahren getilgt werden. Jetzt wird eine Verlängerung auf 50 Jahre diskutiert. Zudem sollen die Zinsen weiter gesenkt werden - dabei liegt der Zinssatz bereits jetzt auf einem Mini-Niveau von nur 0,83 Prozent. Jetzt will die Regierung in Athen einen Festzins auf 50 Jahre festschreiben. Zudem könnten die Zinszahlungen für zehn Jahre ausgesetzt werden.

Die "Wirtschaftswoche" kritisiert den Plan als verdeckten Schuldenschnitt, denn die Gläubiger müssen länger auf die Rückzahlung ihrer Darlehen warten und bekommen weniger Zinsen. Konkret würde die Schuldenlast Griechenlands dadurch um 16 Milliarden Euro verringert werden, die Schuldenquote um 3,5 Prozent gesenkt.

Die Meldung bestätigt damit auch die Vorahnung, die der frühere Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker jüngst geäußert hat - er geht davon aus, dass die Eurokrise noch nicht ausgestanden ist und demnach keine Entwarnung für Griechenland gegeben werden könne. Ein erneuter Schuldenschnitt für Griechenland sei weiterhin möglich. Juncker warnte vor übertriebener Euphorie rund um die erfolgreiche Anleiheauktion Griechenlands in diesem Monat. So sei der Primärüberschuss im Haushalt dadurch entstanden, dass die Zinslast einfach herausgerechnet wurde. Durch den ersten Schuldenschnitt wurde die Last der Verbindlichkeiten um rund 100 Milliarden Euro gedrückt, die Schulden sind seitdem aber um diesen Betrag wieder angestiegen.

Deutsche Politiker sprechen sich weiterhin gegen weitere Griechenland-Hilfen aus. "Die Talfahrt ist noch immer nicht gestoppt", sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Peter Ramsauer (CSU), gerade erst gegenüber der "Bild"-Zeitung. Er rät sogar von Schritten unterhalb eines Schuldenschnittes, beispielsweise Zinserleichterungen ab, um kein fatales Signal an Griechenland zu senden.

Frankreich verfehlt Defizit-Ziele

Und Griechenland ist wohl auch langfristig nicht der einzige Problemfall in der Eurozone - ein ökonomisches Schwergewicht gerät immer stärker unter Druck: Wie die Nachrichtenagentur "AFP " meldet, regt sich Kritik an der Sparpolitik der französischen Regierung: Sie schafft es Berechnungen der EU-Kommission zufolge trotz eines neuen Sparplans in Milliardenhöhe offenbar nicht, die europäischen Defizitvorgaben einzuhalten. Im kommenden Jahr werde Frankreich die Drei-Prozent-Hürde nicht einhalten, heißt es in Brüssel. Auch 2015 wird das Defizit bei 3,4 Prozent liegen, die EU-Kommission sieht zudem die Entwicklung der Wirtschaft des Landes skeptischer als die Regierung in Paris. Der umstrittene Sparplan im Umfang von 50 Milliarden Euro bis 2017 reicht offenbar nicht aus. Damit steigen auch die Zweifel an der Reformbereitschaft Frankreichs: "Die Zahlen der Kommission zeigen, dass Frankreich noch Arbeit zu erledigen hat", mahnt Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem dem Bericht zufolge. Die EU geht inzwischen auch von einem düsteren Ausblick für das Wachstum in der Eurozone aus - die Wirtschaft in den 18 Ländern der Währungsunion soll laut der Nachrichtenagentur "AFP" nach 1,2 Prozent in diesem Jahr nur noch um 1,7 Prozent im Jahr 2015 zulegen, zuvor wurde ein Plus von 1,8 Prozent im kommenden Jahr angepeilt. Die Inflation soll bis zum Jahr 2015 auf 1,2 Prozent steigen, von einer Deflation geht die EZB jedoch weiterhin nicht aus.

Initiative rund um Schweizer Gold gescheitert

In der Schweiz ist die Gold-Initiative im Nationalrat ins Stocken gekommen. Die Initiative «Rettet unser Schweizer Gold» der konservativen Schweizer Volkspartei wurde vom Nationalrat nun abgelehnt, das Volksbegehren ist damit vorerst gescheitert. Einem Bericht der Schweizer "Handelszeitung " zufolge sind strenge Regeln bezüglich der Goldreserven damit vom Tisch. Die Urheber des Begehrens wollten die Schweizerische Nationalbank dazu zwingen, mindestens 20 Prozent der Aktiva in Gold zu halten. Zudem sollte das Gold in der Schweiz gelagert werden, derzeit befinden sich 70 Prozent der Goldreserven in der Schweiz und 30 Prozent in Großbritannien sowie Kanada.

Doch die Initiative hat in der Schweiz wenig Rückhalt: Bereits der Ständerat hatte die Initiative in der Frühjahrssession ohne Gegenstimme abgelehnt, nun sagte der Nationalrat "nein" - mit 129 Gegenstimmen zu nur 20 positiven Voten und 25 Enthaltungen. Selbst in der SVP ist der Rückhalt also gering, denn weniger als die halbe Fraktion hat für den Vorsoß gestimmt.

Die Fürsprecher sehen Gold als das Fundament eines stabilen Frankens. Die Goldinitiative stelle sicher, dass neben Papier noch echte Werte vorhanden seien. Zudem sei das Gold, das im Ausland lagere, im Kriegsfall verloren. Doch die Mehrheit im Nationalrat wollte den Handlungsspielraum der Nationalbank nicht einschränken.

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