Stand: 13.09.2018 von Egmond Haidt 3 Kommentare

Während der S&P500 in der Nähe des Rekordhochs notiert, sind der DAX und die Aktienmärkte der Emerging Markets seit einigen Monaten auf Talfahrt. Die Schere klafft damit weiter auseinander als selten zuvor. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der US-Aktienmarkt dem Rest der Welt nach unten folgen wird.

Der Goldpreis ist zuletzt über die Marke von 1.200 Dollar geklettert. Dafür hatte die Meldung gesorgt, die USA habe China im Zollstreit neue Gespräche vorgeschlagen. Daraufhin war der Dollar gegenüber dem Renminbi gesunken, woraufhin der Goldpreis etwas gestiegen ist. Die Erleichterung der Investoren dürfte allerdings nicht lange anhalten. Immerhin gab es in den vergangenen Wochen wiederholt derartige Berichte. Allerdings dürfte US-Präsident Donald Trump weiterhin absolut kein Interesse an einer Lösung dieses Konflikts haben. Ich habe in den vergangenen Monaten wiederholt geschrieben, dass Trump unter allen Umständen den Aufstieg Chinas zur weltgrößten Volkswirtschaft verhindern will.

Deshalb dürfte er in den nächsten Monaten den Handelskrieg weiter anheizen, zumal Trump behauptet, dass die USA den Handelskrieg gewinne, weil der S&P500 am Rekordhoch sei, während der chinesische Aktienmarkt eingebrochen sei. Zuletzt hat der US-Präsident gesagt, dass er bereit ist, jederzeit Strafzölle auf weitere chinesische Güter im Wert von umgerechnet 267 Mrd. Dollar zu verhängen. Dabei arbeitet seine Regierung bereits an Strafzöllen von 25 Prozent auf chinesische Produkte von 200 Mrd. Dollar. Sollte Trump zum Äußersten gehen, was ich klar erwarte, würden sämtliche Exporte Chinas in die USA mit Strafzöllen belegt werden.

Die Schere ist enorm weit geöffnet

Bislang gehen Investoren davon aus, dass die US-Wirtschaft den Handelskrieg viel besser verkraften wird als exportabhängige Volkswirtschaften wie China oder Deutschland. Deshalb haben Anleger in den vergangenen Monaten Aktien aus Deutschland und den Emerging Markets kräftig verkauft. 

Während der DAX um rund 10 Prozent unter dem Rekordhoch von Ende Januar liegt, ist der MSCI Emerging Markets Index bereits um mehr als 20 Prozent eingebrochen und damit in einem Bärenmarkt. Er liegt bei einem Kursrückgang um mehr als 20 Prozent gegenüber dem vorherigen Hoch. Damit ist die Lücke zwischen dem S&P500, der in der Nähe des Rekordhochs notiert, und dem Aktienmarkt im Rest der Welt, gemessen am MSCI All Country World Index ex US, größer als selten zuvor. Letzterer notiert um 13,6 Prozent unter dem Januar-Hoch.

Allerdings trüben sich bei einer weiteren Eskalation des Handelskriegs nicht nur die Perspektiven für die chinesische Wirtschaft, sondern auch für die US-Wirtschaft deutlich ein, werden doch chinesische Produkte in den USA erheblich teurer, was die Nachfrage der Verbraucher und der Unternehmen kräftig dämpfen sollte. Das würde auch die Unternehmen aus dem S&P500 spürbar belasten.

Analysten mahnen zur Vorsicht

Vor einer derartigen Entwicklung haben zuletzt die Analysten einiger Banken gewarnt. So schrieben die Analysten von Goldman Sachs, dass US-Strafzölle von 25 Prozent auf sämtliche chinesischen Produkte dazu führen werde, dass der Indexgewinn des S&P500 für 2019 bei lediglich 159 Punkten liegen werde. Das wäre ein Rückgang gegenüber dem Basisszenario von 170 Punkten. Damit würden die Gewinne gegenüber 2018 nur stagnieren, anstatt deutlich zu steigen. 

Sollten die USA hingegen Strafzölle von "nur" 10 Prozent auf sämtliche, also auch aus anderen Ländern, importierten Produkte einführen, würde der Profit auf 145 Indexpunkte einbrechen. Laut den Prognosen der Goldman-Profis könnte der S&P500 in diesem Negativszenario auf 2.200 Punkte einbrechen, womit ein Börsenwert von 6 Billionen Dollar ausradiert werden würde. Bei einer derart gigantischen Blase bedeutet ein Kursrückgang von "nur" rund 25 Prozent, dass ein Börsenwert von horrenden 6 Billionen Dollar vernichtet wird.

Die Analysten von JPMorgan stießen ins gleiche Horn. Sie haben gewarnt, dass der Indexgewinn des S&P500 im kommenden Jahr um bis zu 10 Dollar sinken könnte, falls die USA und China gegenseitig Strafzölle von 25 Prozent einführen würden. "Die Eskalation des Handelskrieges könnte erheblich auf die künftigen Gewinne drücken, vor allem im nächsten Jahr", sagte Dubravko Lakos-Bujas, Stratege bei JPMorgan.

Viele Anleger hoffen immer noch, dass sich der Handelskrieg irgendwie in Wohlgefallen auflösen wird, und der DAX daraufhin dem S&P500 noch oben folgen wird. Ich bin genau gegenteiliger Meinung. Der S&P500 hat bereits viel zu lange dem Handelskrieg getrotzt. 

Da die US-Konjunkturdaten wegen der zunehmenden Abkühlung der Weltwirtschaft in den nächsten Monaten deutlich den Rückwärtsgang einlegen sollten, dürfte der S&P500 dem DAX und den Aktien aus den Emerging Markets deutlich nach unten folgen. In dem Umfeld wird sich zeigen auf welche sicheren Häfen Investoren setzen werden, auf Gold, oder möglicherweise wieder auf US-Staatsanleihen?

US-Aktienmarkt wird Handelskrieg nicht mehr lange trotzen
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [3]
  • von don john | 15.09.2018, 01:31 Antworten

    und der goldpreissinktund inkt undsinkt... hoffe er sinkt auf 800$ de unze! so wie in den 1970er

    • von Wolga66 | 15.09.2018, 17:34 Antworten

      Don UNSINN

    • von Christian G | 15.09.2018, 13:47 Antworten

      Das wäre nicht auszuschließen, wenn durch die trump'sche Politik der Dollar zu einem Höhenflug ansetzt.

      Wichtiger für unsereins ist allerdings der Goldpreis in Euro, da bei einem starken Dollar auch mehr Euro benötigt werden, um Dollar zu kaufen.

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