Stand: 05.02.2014  1 Kommentare

Nach dem enttäuschenden Arbeitsmarktbericht für Dezember und dem Einbruch bei den Aufträgen langlebiger Wirtschaftsgüter lieferte der extrem schwache Einkaufsmanagerindex der amerikanischen Industrie am 3. Februar 2014 nun den dritten deutlichen Hinweis dafür, dass der Zustand der US-Wirtschaft vielleicht doch nicht so robust ist, wie von den meisten Analysten angenommen. Zusätzlich sorgen Währungsturbulenzen in Schwellenländern und eingetrübte Aussichten für die chinesische Industrie für Besorgnis unter den Anlegern. Zwei Profiteure der Serie schlechter Nachrichten sind derzeit zu erkennen: US-Anleihen und Gold. Die Aktienmärkte in aller Welt begeben sich derweil auf Talfahrt.

Einkaufsmanagerindex USA: stärkster Rückgang seit 1980

Der vom Institute of Supply Management gestaltete Einkaufsmanagerindex der amerikanischen Industrie (ISM Manufacturing Index) basiert auf Befragungen von mehr als 300 produzierenden Unternehmen und misst eine Reihe von Faktoren wie Beschäftigung, Lagerbestände und neue Aufträge der Firmen. Werte von über 50 weisen auf künftiges Wachstum hin, Werte von unter 50 zeigen eine mögliche Kontraktion der US-Industrie an. Der ISM-Index gilt als einer der wichtigsten Frühindikatoren für die Wirtschaftsentwicklung in den USA.

Für Januar 2014 hatten von Bloomberg befragte Analysten mit einem Wert von 56 gerechnet. Im Dezember hatte der ISM-Index mit 56,6 solide im Wachstumsbereich gelegen. Der tatsächliche Wert von 51,3 kam als ein Schock für die Marktbeobachter. Um den Rückgang seit Dezember ins Verhältnis zu setzen: Der letzte vergleichbare Absturz fand im Dezember 1980 statt.

Als Erklärung für den schwachen ISM-Index muss, wie schon beim enttäuschenden Arbeitsmarktbericht für Dezember und dem jüngsten Einbruch der anstehenden Hausverkäufe das Wetter herhalten. Tatsächlich wurden die USA im Dezember und Januar von einer Kaltwelle heimgesucht. So lassen sich enttäuschende Zahlen dann in einem letztendlich positiven Licht darstellen.

"Es ist schon ein Ausdruck für die Stärke der US-Wirtschaft, dass sie unter solchen (also kalten) Bedingungen überhaupt wächst", sagt zum Beispiel der Ökonom Russell Price gegenüber Bloomberg. Die Deutung wäre beruhigender, wenn nicht zugleich auch der Einkaufsmanagerindex in China, der nach den Vereinigten Staaten zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, mit einem Wert von 50,5 ebenfalls nur noch knapp auf industrielles Wachstum hinweisen würde - ganz ohne Rekordkälte.

Der nächste wichtige Prüfstein der US-Wirtschaft ist der Arbeitsmarktbericht für Januar, der am Freitag, dem 7. Februar veröffentlicht wird. Sollten die Zahlen ebenso schlecht ausfallen wie für Dezember, wird das Szenario einer echten konjunkturellen Trendwende hin zum Negativen wahrscheinlicher.

Turbulenzen in Schwellenländern

Noch schwerwiegender als in den USA und China sind die Probleme derzeit in einigen Ökonomien aus der zweiten und dritten Reihe, darunter Indien und Brasilien, Südafrika und die Türkei. Diese und noch einige andere Schwellenländer haben neben diversen hausgemachten Problemen mit einem Abzug von Geldern der Investoren zu kämpfen. Die inzwischen eingeleitete und voraussichtlich in den kommenden Monaten fortgeführte Reduzierung der Anleihekäufe durch die US-Notenbank Fed wirkt als Entzug von Liquidität, die bisher in großem Umfang in Schwellenländer geflossen ist. Als Folge stehen Währungen, Anleihen und Aktien in diesen Ländern gleichermaßen unter Druck.

Gold und US-Anleihen im Aufwind

Die Aktienmärkte in Industrienationen reagieren auf die Aussichten eines möglicherweise schwächeren Wirtschaftswachstums mit deutlichen Kursverlusten, die angesichts eines inzwischen knapp fünfjährigen Bullenmarktes kaum erstaunlich sind. Gewinnmitnahmen scheinen das Gebot dieser Tage zu sein. Der Rückgang des japanischen Index Nikkei beträgt seit Jahresbeginn bereits 13 %. Der Verlust im DAX legt inzwischen bei über 6 % und der Dow Jones gab seit dem Jahreswechsel um mehr als 7 % nach.

Die als sicher geltenden Formen der Geldanlage, vor allem US-amerikanische Anleihen, können hingegen von den schlechten Nachrichten an mehreren Fronten profitieren. Die Verzinsung für die 10-Jähren amerikanischen Staatspapiere war im Vorfeld des "Tapering" zunächst auf bis zu 3 % gestiegen und hatte damit den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2011 erreicht. Weniger Anleihekäufe durch die Fed, so die Vermutung, werde automatisch zu weniger Nachfrage nach festverzinslichen US-Papieren führen.

Ein solcher Ausblick lässt die Preise für Anleihen fallen und die Verzinsung ansteigen. Dieser Trend hat inzwischen jedoch wieder gedreht, zumindest vorläufig. Ein großer Teil der Gelder, die aus den Schwellenländern abgezogen werden, fließt in US-Anleihen und sorgt für ein fallendes Zinsniveau. Derzeit liegen die Zinsen für die 10-jähringen Treasury Notes wieder unter 2,6 %.

Der zweite Profiteur der neuen Unsicherheit ist Gold, das derzeit zu seiner klassischen Rolle als sicherer Hafen zurückfindet. Das gelbe Edelmetall hat seit Jahresbeginn alle wichtigen Indices outperformt. Am 3. Februar lag der Goldpreis in London bei 1.262 Dollar und da mit um fast 5 % über dem letzten Goldpreis des Jahres 2013.

Der Silberpreis kann der Goldpreisentwicklung hingegen derzeit nicht folgen. Das Edelmetall verzeichnete im selben Zeitraum einen allerdings sehr moderaten Rückgang um 1,68 %.

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Kommentare [1]
  • von carbi | 05.02.2014, 10:14 Antworten

    Gold ist und bleibt ein sicherer Hafen.

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