Stand: 04.02.2021 von Egmond Haidt
Nachdem die massive Zockerei vieler US-Privatanleger mit Aktien etwas auf den Silbermarkt übergeschwappt war, hat die US-Derivatebörse CME Group die Sache schnell beendet. Danach bekamen die Edelmetalle zusätzlichen Gegenwind.
US-Derivatebörse löst Kurseinbruch bei Silber aus

Nur kurz währte die Freude vieler Silber-Fans: Nachdem der Preis noch am vergangenen Montag, 1. Februar mit knapp 30 Dollar je Unze in die Nähe des Acht-Jahres-Hochs nach oben geschossen war, ging es anschließend kräftig abwärts, woraufhin aktuell nur noch 26,50 Dollar zu Buche stehen.

Damit nähert er sich zügig dem Niveau von 25 Dollar vom vergangenen Donnerstag, 28. Februar, ehe die Spekulation der US-Privatanleger mit Silber begonnen hatte.

Was war genau passiert? In den Tagen zuvor hatten viele US-Privatanleger massiv mit Aktien angeschlagener US-Unternehmen, wie des Händlers von Videospielen GameStop und der Kinokette AMC Entertainment, gezockt, woraufhin die Kurse explodiert waren. Dabei haben die Firmen strukturelle Probleme und leiden massiv unter der Corona-Pandemie.

Durch die Kursexplosion hatten einige Hedgefonds, die auf sinkende Kurse bei diesen Aktien gewettet hatten, Milliardenverluste erlitten, woraufhin sogar ein Hedgefonds mit einer Milliardenspritze von zwei anderen Hedgefonds gerettet werden musste.

Zudem mussten die Hedgefonds einen Teil ihrer Aktienbestände liquidieren, um sich Geld zu beschaffen, woraufhin die Volatilität an den Aktienmärkten nach oben geschossen war und S&P500 und DAX eingebrochen waren.

Nachdem einige US-Wertpapierhändler, allen voran Robinhood, daraufhin den Handel mit den Zockeraktien eingeschränkt hatten – Privatanleger konnten zeitweise nur noch Papiere verkaufen, aber keine mehr kaufen -, und sich die Hedgefonds mit den Aktien eindecken konnten, war der Spuk schnell vorbei und S&P500 und DAX sind kräftig nach oben gedreht.

US-Privatanleger wetten auf steigende Silberpreise

Am Donnerstag hatten sich dann US-Privatleger über die Internetplattform WallStreetBets verabredet, den Silberpreis kräftig nach oben zu ziehen, was auch anfangs gut funktioniert hat. Das Problem ist allerdings, dass der Silbermarkt viel größer ist als der Börsenwert einiger angeschlagener US-Firmen, während die Spekulanten am Futures-Markt nicht etwa auf sinkende, sondern auf steigende Silberpreise gesetzt haben.

So lag die Netto-Long-Position bei Silber in der Handelswoche per 26. Januar – das sind die neuesten Daten – bei rund 54.500 Kontrakten und damit in der Nähe des höchsten Niveaus seit Anfang März 2020.

Die Netto-Position wird berechnet, indem man von der Zahl der Futures auf steigende Kurse (Long) jene auf fallende (Short) abzieht.

Dennoch wollte die US-Derivatebörse CME Group dem Treiben nicht lange zuschauen, sondern hat am Montagabend nach Börsenschluss die Margin für den Handel mit Silber-Futures um 18 Prozent erhöht, die Regelung ist am darauffolgenden Dienstag in Kraft getreten. Investoren und Spekulanten müssen also mehr Geld als Sicherheit hinterlegen, um das Edelmetall traden zu können.

Damit hat die weltgrößte Derivatebörse genau so reagiert wie schon in den vergangenen Jahren, wenn Gold oder Silber etwas nach oben gesprungen waren.

Zusätzlicher Gegenwind

Nach der Ankündigung der CME ist der Silberpreis eingebrochen und hat auch jenen von Gold mit nach unten gezogen. Mit Kursen von rund 1.810 Dollar je Unze nähert er sich zügig den Sieben-Monats-Tiefs.

Dabei haben die Edelmetalle zusätzlichen Gegenwind von drei Seiten bekommen:

  • dem Höhenflug am Aktienmarkt,

  • dem steigenden US-Zinsen

  • dem steigenden Dollar.

Wer braucht schon Gold, wenn der S&P500 auf Rekordfahrt ist? Das könnten viele Investoren denken.

Für deutlichen Aufwärtsdruck bei den US-Zinsen sorgt die Erwartung der Investoren, dass US-Präsident Joe Biden ein neues Billionenschweres Konjunkturprogramm im Kongress durchsetzen könnte, wodurch die Wirtschaft kräftig angekurbelt und die Inflation noch stärker angeheizt würde als ohnehin schon.

Allerdings könnte das Programm deutlich kleiner ausfallen, als die 1,9 Billionen Dollar die Biden anstrebt, schließlich lehnen die oppositionellen Republikaner im Senat wichtige Teile von Bidens Plänen ab.

Zur Erinnerung: Die US-Geldmenge M1 schießt derzeit um rund 70 Prozent nach oben – das ist mit weitem Abstand Rekord. Dadurch wird die Inflation kräftig angeheizt. Die Geldmenge M1 umfasst den Bargeldumlauf plus die Sichteinlagen der Nichtbanken bei Banken.

Allerdings ist in dem Umfeld der Realzins auf Basis 10jähriger Inflationsgeschützter US-Anleihen nicht etwa gestiegen, sondern im Rückwärtsgang und notiert mit minus 1,04 Prozent nur knapp über dem Rekordtief von minus 1,08 Prozent vom 4. Januar. Das müsste eigentlich den Goldpreis deutlich stützen, aber offensichtlich genügt das derzeit nicht, um den Goldpreis stabil zu halten.

Steigender Dollar belastet den Goldpreis

Die steigenden US-Nominalzinsen ziehen den Dollar mit nach oben, weshalb er sich beispielsweise gegenüber dem Euro deutlich erholt hat und der Euro mit 1,20 Dollar je Euro in der Nähe des Zwei-Monats-Tiefs notiert. Das belastet den Goldpreis.

Umso gespannter werde ich in den nächsten Wochen die Nachrichten zu dem geplanten US-Konjunkturprogramm verfolgen. Möglicherweise könnte es deutlich kleiner ausfallen als derzeit viele Investoren erwarten, was für Abwärtsdruck bei US-Zinsen und Dollar sorgen könnte.

Dann schauen wir mal, wie sich die Preise von Gold und Silber entwickeln werden.
Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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von Barrelshifter | 04.02.2021, 22:48 Antworten

Spätestens im Herbst ist Schluß mit lustig. Die FEDs pumpen Währung in den Markt als gebe es kein Morgen. Das wird sich in Kürze rächen. Denn diese Währung ( es ist ja kein Geld) ist ausser mit Luft mit nichts hinterlegt. Die Börse hat sich schon sehr lange vor Corona von der realen Wirtschaft verabschiedet.
Im Moment gilt eigentlich nur die Devise: Kaufen von Edelmetallen, so lange sie noch so günstig sind. Wer verkauft, hat den Schuss nicht gehört.

von Nico | 04.02.2021, 22:35 Antworten

Nachdem einige US-Wertpapierhändler, allen voran Robinhood, daraufhin den Handel mit den Zockeraktien eingeschränkt hatten – Privatanleger konnten zeitweise nur noch Papiere verkaufen, aber keine mehr kaufen -, und sich die Hedgefonds mit den Aktien eindecken konnten, war der Spuck schnell vorbei und S&P500 und DAX sind kräftig nach oben gedreht.

Ja, so macht man das als Hedgefond ! Alle anderen dürfen nicht verdienen !!
Zur Not werden , wie geschehen - die Regeln einfach mal geändert .

Keine Sternstunde des freien Marktes - Ich hoffe die SEC klopft ihren Kumpeln mal auf die Finger - wird aber wohl nichts - Alle verdienen zu gut bei dieser Umverteilung von unten nach oben !

von Goldsilberfressmonster | 04.02.2021, 20:09 Antworten

Ich sehe eine Delle. Genau da schlage ich zu.

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