Gold: 1.729,35 € -0,01 %
Silber: 21,12 € +0,20 %
Stand: 08.08.2022 von Hannes Zipfel
Seit den jüngsten Tiefstständen am 21. Juli konnten sich die Gold- und Silberpreise nach der letzten US-Notenbanksitzung deutlich erholen. In dieser Woche stehen mit den Verbraucherpreisen sowie den Erzeugerpreisen wichtige Kennzahlen zur Inflation in den USA an. Fallen diese, wie prognostiziert, Im Juli etwas niedriger aus, würde das den Druck auf die Fed mindern, weiter deutlich die Zinsen anzuheben und die Kurserholung bei Gold und Silber könnte sich fortsetzen.
US-Inflationsdaten für Gold und Silber entscheidend

Weitere wichtige Datentermine für Edelmetallanleger in der 32. Börsenwoche 2022:

  • Montag: Inflationserwartungen der US-Konsumenten gemäß New York Fed (Jul.: 6,8 % | Jun.: 6,6 %)
  • Dienstag: NFIB Geschäftsoptimismus kleiner Unternehmen in den USA für Juli (e: 89,5 | Juni: 89,5)
  • Mittwoch: US-Verbraucherpreise USA ggü. Vorjahresmonat für Juli (e: 8,7 % | Juni: 9,1 %)
  • Donnerstag: US-Erzeugerpreise Juli (e: 7,7 % | Juni 8,2 %)
  • Freitag: US-Konsumentenvertrauen (erhoben durch die Uni Michigan), Terminmarktdaten (COT-Report) für Gold, Silber, Platin und Palladium (21:30 Uhr MESZ)

Edelmetallpreis im Bann der US-Notenbank

Auf ihrer letzten Sitzung am 20. und 21. Juli beschloss die US-Notenbank (Fed) die Zinsen zum vierten Mal in diesem Jahr anzuheben. Mit einem großen Zinsschritt hievte sie den Leitzins (Federal Funds Rate) um 0,75 Prozentpunkte auf eine Spanne von 2,25 – 2,5 Prozent (effektiv: 2,33 Prozent).

In der anschließenden Pressekonferenz gelang es dem Fed-Chef Jerome Powell, die Märkte zu beruhigen, indem er eine fortan weniger aggressive Gangart in Sachen Geldpolitik zumindest in Aussicht stellte. Davon profitierten nicht nur die Aktienmärkte und hier vor allem die Tech-Werte, sondern auch die Kurse der zinssensiblen Edelmetalle.

Goldpreis in US-Dollar

In dieser Woche stehen nun mit den US-Verbraucherpreisen für den Monat Juli am Mittwoch um 14:30 Uhr MESZ sowie den zeitlich in der Inflationskette vorlaufenden US-Erzeugerpreisen am Donnerstag um ebenfalls 14:30 MESZ zwei wichtige aktuelle Teuerungsdaten an.

Sofern sich die Prognosen einer leichten Abschwächung des Inflationsdrucks bestätigen, könnte der Goldpreis die 50-Tage-Linie überwinden und die psychologisch wichtige runde Marke von 1.800 US-Dollar pro Feinunze in Angriff nehmen.

Der Silberpreis in US-Dollar reagierte zwar auch auf die verbale Beruhigungspille der Fed, das Chartbild sieht gleichwohl weniger robust aus als beim großen Bruder Gold. Zwar hielten auch beim Silber wichtige Unterstützungsmarken, aber der jüngste Rückzug von der 50-Tage-Linie nach unten signalisiert nach wie vor Schwäche im Markt. Vorsicht bleibt also beim Silber geboten.

Silberpreis in US-Dollar

Steigende Zinsen sind Gift für eine überschuldete Volkswirtschaft

Mittlerweile ist hinlänglich bekannt, dass Fed-Chef Jerome Powell gegen seine eigene Überzeugung und seine früheren Bekundungen primär auf Druck des Weißen Hauses die Zinsen massiv anhebt.

US-Präsident Joe Biden sieht sich mit schlechten Stimmungswerten kurz vor den wichtigen Zwischenwahlen Anfang November konfrontiert und will die Inflation mit der Brechstange herunterbringen. Die Mehrheit der US-Amerikaner ist mit seiner Amtsführung seit geraumer Zeit mehrheitlich unzufrieden.

Biden mit schlechten Stimmungswerten

Doch dieses aggressive Zinssteigerungs-Manöver kann politisch voll nach hinten losgehen: Die Verschuldung in den USA und damit die Zinssensitivität der Wirtschaft war nie zuvor so hoch wie jetzt. Die Diskrepanz zwischen der Entwicklung des Bruttoinlandprodukts und der Verschuldung ist eklatant.

Die Diskrepanz zwischen der Entwicklung des Bruttoinlandprodukts und der Verschuldung ist eklatant.

Zudem mehren sich die Anzeichen von finanziellem Stress bei den durchschnittlichen Haushalten in den USA. Die Sparquote ist zuletzt auf den niedrigsten Stand seit 14 Jahren gefallen. Die zuvor vereinnahmten Pandemie-Nothilfen, Steuerrückzahlungen und Stimulus-Checks sind größtenteils aufgebraucht.

Gemäß den jüngsten Daten des U. S. Handelsministeriums sind die in den vergangenen zwei Jahren aufgebauten Rücklagen der durchschnittlichen amerikanischen Haushalte erschöpft und die laufenden Einkommen werden zunehmend von der eskalierenden Geldentwertung aufgezehrt, die zuletzt über neun Prozent pro Jahr betrug.

Wie das Handelsministerium letzte Woche weiter berichtete, sank die US-Sparrate auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2008. Nur noch 4,4 Prozent der Netto-Einkünfte können die US-Amerikaner aktuell auf die Seite legen.

Im Dezember des Vorjahres war die Sparrate noch gut doppelt so hoch.

Im September 2021 sogar dreimal höher. (Daten in der Grafik noch nicht auf dem aktuellsten Stand):

Sparrate USA

Um dennoch finanziell über die Runden zu kommen, greifen die US-Konsumenten verstärkt auf die extrem teuren Kreditkartenschulden zurück, die aktuell durchschnittlich 19 % Zinsen p. a. kosten. Die gesamten ausstehenden Kreditkarten-Schulden erreichten im zweiten Quartal 2022 über 890 Milliarden Dollar, rund 100 Milliarden Dollar mehr als im Vorquartal!

Zudem liegt die Anzahl der Kreditkarten-Konten mit 233 Millionen inzwischen wieder nahe den Höchstständen des Jahres 2008, also dem Jahr, in dem die Weltfinanzkrise begann.

Ein weiteres Alarmsignal kommt aktuell von dem US-Telekommunikationskonzern AT&T. Dieser registriert zunehmende Schwierigkeiten seiner Kunden, ihre Telefonrechnungen fristgerecht zu bezahlen. Dies sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, John Stankey im Rahmen der Vorstellung der Geschäftszahlen für das zweite Geschäftsquartal 2022.

„Was das Kundengeschäft betrifft, so sehen wir einen Anstieg schlechter Schulden auf etwas höhere Niveaus als vor der Pandemie und verzögerte Zahlungseingänge“, zitiert Business Insider John Stankey.

Das bedeutet, dass die Kunden von AT&T ihre Rechnungen verspätet oder überhaupt nicht mehr bezahlen können und so uneinbringliche Forderungen für den Telekommunikationskonzern entstehen.

Die Gefahr, dass Joe Biden mit seiner Anti-Inflationspolitik die US-Wirtschaft pünktlich zu den „Mid-Term-Elections“ massiv abwürgt und in eine Rezession stürzt, wächst von Tag zu Tag. Hätte er die Inflation laufen lassen, wäre jedoch das Gleiche passiert. Im Grunde hatten der US-Präsident und seine Berater keine echten Handlungsoptionen im Sinne einer Verbesserung der Wahlchancen für die Demokraten am 8. November.

Damit sehen die Handlungsmöglichkeiten der Demokraten im Senat und im Repräsentantenhaus ab November nicht gut aus. Mitten in eine mögliche Rezession hinein droht die Biden-Regierung nahezu handlungsunfähig zu werden („Lame Duck Regierung“).

Die einzige Institution, die dann noch helfen kann, ist erneut die US-Notenbank Fed mit einer wiederum ultralaxen Geldpolitik zur Rettung der Vermögensmärkte und der Realwirtschaft.

Für die Preise von Gold und Silber wären das, ebenso wie für andere zins- und Liquiditätssensible Vermögenswerte, gute Nachrichten.

Weitere wichtige Daten-Termine inklusive Prognosen und historischen Zeitreihen finden Sie hier.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.

Copyright © 2009-2022 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inkl. MwSt. (mit Ausnahme von Anlagegold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.