Stand: 29.01.2019 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Wegen des mehrwöchigen Stillstands der Regierungsgeschäfte (Shutdown) in den USA mussten die Akteure an den Gold- und Silbermärkten auf wichtige Informationen über die aktuelle Stimmung an den Terminmärkten verzichten. Von der US Mint kommen derzeit ausgesprochen ermutigende Zahlen.

Kräftige Zuwächse nach miserablem Jahr

Das vergangene Jahr (2018) erwies sich mit Blick auf die Auslieferungen frisch geprägter American Eagles Münzen - sowohl bei Gold als auch bei Silber - als ausgesprochen enttäuschend.

Bei dem Gold Eagle wurden innerhalb von zwölf Monaten Münzen mit einem Gesamtgewicht von 191.000 Feinunzen ausgeliefert, bei den Silver Eagle belief sich der Jahresabsatz auf 15,7 Millionen Unzen.

Dies hat in der ersten Jahreshälfte zu der Anomalie geführt, dass der „American Eagle“ in Gold zeitweise günstiger zu haben war als der „Wiener Philharmoniker“. In der Vergangenheit war meist die US-Variante das teurere Exemplar. Summa summarum kann 2018 als ausgesprochen schlechter Jahrgang eingeordnet werden.

Zur Erinnerung: Im Jahr 2015 war mit 801.500 Feinunzen (Gold) bzw. 47 Millionen Feinunzen (Silber) ein Vielfaches mehr nachgefragt worden. Das geringe Nachfrageinteresse in 2018 dürfte sich nach den massiven Kursverlusten an den internationalen Aktienmärkten in diesem Jahr aber höchstwahrscheinlich nicht fortsetzen. Darauf deuten zumindest die bislang registrierten Januar-Umsätze der United States Mint (US Mint) hin.

American Eagles: Stärkster Absatz seit 23 Monaten

Obwohl der Monat noch nicht zu Ende ist, gab es einen ausgesprochen erfreulichen Jahresauftakt zu vermelden. Bis einschließlich 25. Januar wurden bei Gold und Silber die Absatzzahlen des Vormonats um ein Vielfaches übertroffen (siehe Tabelle).

Verkäufe von American-Eagles-Münzen in Gold und Silber

Monat Gold Silber
Jan 2018 58.500 oz 3.235.000 oz
Feb 2018 5.500 oz 942.500 oz
Mrz 2018 3.500 oz 915.000 oz
Apr 2018 4.500 oz 915.000 oz
Mai 2018 24.000 oz 380.000 oz
Jun 2018 24.500 oz 435.000 oz
Jul 2018 35.000 oz 885.000 oz
Aug 2018 21.500 oz 1.530.000 oz
Sep 2018 20.500 oz 2.897.500 oz
Okt 2018 24.500 oz 1.430.000 oz
Nov 2018 20.500 oz 1.645.000 oz
Dez 2018 3.000 oz 490.000 oz
Jan 2019 62.500 oz 3.931.000 oz
Quelle: US Mint

Beim Golden Eagle beliefen sich die Auslieferungen bislang auf insgesamt 152.000 Münzen mit einem Gewicht von insgesamt 62.500 Feinunzen. Beim Silver-Eagle war eine ähnliche starke Entwicklung zu beobachten. Hier war nämlich ein Absatz von 3,931 Millionen Feinunzen gemeldet worden.

Damit wurden bei Gold allein im Januar auf einen Schlag die Absatzzahlen der vergangenen drei Monate übertroffen und zudem der höchste Wert seit Januar 2017 registriert. Bei Silber stellten die fast vier Millionen Feinunzen ebenfalls den stärksten Absatz seit Januar 2017 dar. Auch hier wurden damit die Gesamtauslieferungen der Monate Oktober, November und Dezember übertroffen.

Luft nach oben ist bei Gold und Silber nach den mehrjährigen Seitwärtstrends reichlich vorhanden. Gemessen vom alten Rekordhoch eröffnet sich bei Gold ein Aufwärtspotenzial bis 1.900 Dollar und bei Silber bis 50 Dollar.

Prozentual betrachtet, wären hierfür Kurssteigerungen um 46 bzw. 217 Prozent notwendig. Als Zeithorizont für ein solches Szenario sollten Anleger aber durchaus mehrere Jahre einkalkulieren.

Ausblick für die laufende Woche

An den internationalen Aktienmärkten scheinen die Investoren wieder zur Normalität zurückgekehrt zu sein.

Soll heißen: Risiken werden ausgeblendet und Aktien als kaufenswert eingestuft. Doch in den kommenden Tagen steht eine regelrechte Datenflut an wichtigen Unternehmenszahlen zur Bekanntgabe an. Darunter befindet sich mit Amazon, Apple, Facebook und Microsoft das „Who is who“ der globalen Unternehmenslandschaft.

Sollten sie tendenziell enttäuschen und eine neuerliche Verkaufswelle bei US-Technologiewerten einsetzen, dürften sich viele Anleger wieder an den „langweiligen und in die Jahre gekommenen“ Krisenschutz Gold erinnern.

Für zusätzliche Spannung dürfte ab Mittwoch aber auch eine Datenflut vom US-Arbeitsmarkt sorgen. Vor allem der für Freitag anberaumte Monatsbericht des US-Arbeitsministeriums war in der Vergangenheit schon häufig für eine Überraschung gut.

Laut einer Umfrage unter Analysten (Quelle: Trading Economics) soll im Januar die Arbeitslosenrate mit 3,9 Prozent unverändert geblieben und die Zahl neu geschaffener Stellen von 312.000 auf 160.000 kräftig gesunken sein. Man darf daher gespannt sein, ob der Goldpreis die Marke von 1.300 Dollar erfolgreich verteidigen kann oder eine technische Korrektur einsetzen wird.

Wer das gelbe Edelmetall in erster Linie als „Stabilitätsanker“ seines Gesamt-Portfolios betrachtet, kann sich getrost zurücklehnen und das „tägliche Rauschen der Märkte“ ignorieren.

US Mint - Absatzboom bei American Gold und Silber Eagles
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"