Stand: 02.09.2015  0 Kommentare

Noch im September wird die US-Notenbank ihre Leitzinsen moderat anheben müssen. Eine ruckartige Zinswende dagegen ist Experten zufolge äußerst unwahrscheinlich. Die Gründe dafür sind aber nicht ausschließlich konjunktureller Natur.

Ob sie nun möchte oder nicht: Die US-Notenbank-Chefin Yanet Jellen könnte sich gezwungen sehen, im September mit einer moderaten Erhöhung der US-Leitzinsen um 25 Basispunkte den ersten kleinen Schritt in Richtung einer langfristig angelegten, moderaten Zinswende zu machen. Tut sie dies nicht, könnte sich ein wichtiges Zeitfenster schließen und zugleich die Glaubwürdigkeit der Fed-Chefin großen Schaden nehmen.

Notenbank-Chefin muss Einflussnahme auf US-Wahlkampf vermeiden

Dies jedenfalls gibt der Geschäftsführer der DVAM (Deutsche Vorsorge Asset Management), Markus Schön, in einem Beitrag für das Manager Magazin zu bedenken. Denn nur, wenn bereits im September mit einer in kleinen Schritten durchgeführten Zinswende begonnen werde, bliebe der US-Notenbank ausreichend Zeit, Zinsanhebungen rechtzeitig vor Beginn des im nächsten Jahr anstehenden US-Präsidentschaftswahlkampfes durchzuführen und damit den Eindruck einer politischen Einflussnahme zu vermeiden. Und in der Tat, die Zeit drängt. Denn Präsident Barrack Obamas Amtszeit geht im Januar 2017 zu Ende, ohne dass er wiedergewählt werden kann. Spätestens Mitte des nächsten Jahres wird deshalb der Wahlkampf in den USA in die heiße Phase gehen.

Um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, den Wahlausgang beeinflusst zu haben, werde sich die US-Notenbank deshalb während des Wahlkampfes ruhig verhalten müssen, schreibt Schön. Denn sollte eine Anhebung der Zinsen negative Auswirkungen auf die Konjunktur zur Folge haben, könnte dies vor allem dem Präsidentschaftskandidaten des demokratischen Lagers, dem auch Amtsinhaber Obama angehört, Wählerstimmen kosten. Die Zinswende in kleinen Schritten müsse deshalb viel früher begonnen werden. Selbst Ende dieses Jahres wäre bereits zu spät, ist Schön überzeugt. Es müsse deshalb bereits noch in diesem Jahr zu zwei Erhöhungen der Leitzinsen in den USA kommen.

Yanet Jellen riskiert Glaubwürdigkeit - Zinsniveau steigt auf 0,75 Prozent

Da sich die USA derzeit aber kein allzu hohes Zinsniveau leisten könnten, werde es sich lediglich um moderate Erhöhungen um jeweils 25 Basispunkte handeln. Eine davon werde im September stattfinden, eine im Dezember, und schließlich eine weitere und vorerst letzte im März des kommenden Jahres. Damit würde das Zinsniveau in den USA bis Mitte nächsten Jahres und noch vor der heißen Phase des Wahlkampfes maximal auf 0,75 Prozent steigen. Dies wäre allerdings deutlich weniger als allgemein von den Märkten erwartet worden ist. Doch ein weiterer Grund, weshalb es noch in diesem September zu einem ersten, moderaten Anstieg des Zinsniveaus in den USA kommen wird, ist laut Schön die Tatsache, dass es seitens der Notenbank-Chefin Yanet Jellen bislang nur Ankündigungen, aber keine große Taten gegeben habe. Verpasst sie deshalb das jetzt vor ihr liegende Zeitfenster, riskiert sie demnach, massiv an Glaubwürdigkeit einzubüßen.

Unglaubwürdigkeit verunsichert die Märkte

Und wenn eine Notenbank erst einmal unglaubwürdig erscheint, führt dies nicht selten zu großer Verunsicherung auf den Märkten, was oftmals mit unabsehbaren Folgen verbunden ist. Dies hat sich erst wieder vor drei Wochen gezeigt, als die Zentralbank von China die chinesische Landeswährung Yuan überraschend und drastisch und entgegen ihrer eigenen Ankündigung mehrfach abgewertet hat. Die daraus resultierenden globalen Turbulenzen auf den Aktienmärkten haben in der Folge in einen "Schwarzen Montag" an den Börsen gemündet, in dessen Verlauf weltweit drei Billionen Dollar vernichtet wurden.

Auch wenn der Vergleich mit China nicht ganz wasserdicht ist: Fed-Chefin Yanet Jellen hat derzeit nicht nur konjunkturelle, sondern vor allem zwei gewichtige politische Gründe, sich eher heute als morgen auf den Weg in Richtung Zinswende zu machen.

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