| GOLD | 4.348,91 $/oz | 3.749,65 €/oz | 120,55 €/g | 120.554 €/kg |
| SILBER | 64,48 $/oz | 55,61 €/oz | 1,79 €/g | 1.787,90 €/kg |
Hinter den steigenden Renditen stehen neben Inflationssorgen zunehmend Zweifel an der Tragfähigkeit der Staatsfinanzen. In den USA hat die Gesamtverschuldung erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten – vor weniger als zehn Jahren waren es noch nicht einmal 20 Billionen (siehe Grafik). Die wachsende Schuldenlast zwingt Washington zu immer größeren Anleiheemissionen, wofür Investoren höhere Renditen verlangen.
Entwicklung der US-Staatsschulden in den vergangenen zehn Jahren
Quelle: TradingEconomics.com
Zuletzt warnte Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, besonders eindringlich. Seinen Berechnungen zufolge wird die US-Regierung dieses Jahr rund 5,5 Billionen Dollar einnehmen, aber etwa 7,5 Billionen ausgeben, was einem Fehlbetrag von rund zwei Billionen Dollar entspricht. Allein die Zinskosten veranschlagt er auf rund eine Billion Dollar.
Ein anderer Vergleich zeigt die Dimension: Amerikas Zinsausgaben übersteigen inzwischen die Verteidigungsausgaben. Ein immer größerer Teil der Einnahmen fließt allein in den Schuldendienst. Sollten die Renditen weiter steigen, würde sich die Refinanzierung zusätzlich verteuern – es entstünde ein Kreislauf aus höheren Zinskosten, größeren Defiziten und wachsender Verschuldung. Dalio hält eine US-Schuldenkrise in den kommenden Jahren für möglich, sollte die Politik nicht gegensteuern.
Mit seinen Sorgen steht Dalio nicht allein. Christopher Wood, Aktienstratege bei Jefferies, sieht in der Verschlechterung der US-Staatsfinanzen einen wichtigen Grund für den Renditeanstieg. Überschreitet die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen die Marke von fünf Prozent, könnte dies seiner Einschätzung nach erheblichen Druck auf die Aktienmärkte ausüben. Zuletzt war sie bereits auf rund 4,75 Prozent gestiegen.
Auch Charles Schwab bewertet die Lage kritischer als früher: Entscheidend sei weniger die Schuldenhöhe als der strukturelle Charakter der Defizite. Anders als früher nimmt Washington nicht nur in Rezessionen massiv neue Schulden auf – trotz robuster Wirtschaft liegen die Defizite bei rund sechs Prozent der Wirtschaftsleistung. Steigende Zinskosten schränken den finanziellen Spielraum des Staates zunehmend ein. Investoren könnten dafür dauerhaft höhere Renditen verlangen.
Noch weiter geht Edelmetallanalyst David Morgan: Für ihn ist die 40-Billionen-Marke ein weiteres Warnsignal für das schuldenbasierte Geldsystem. Er bezweifelt, dass sich die Zinsbelastung ohne stärkere Eingriffe in den Anleihemarkt beherrschen lässt, und hält sogar eine Neuordnung des Währungssystems mit einer stärkeren Rolle von Gold für denkbar – eine weitreichende, keineswegs konsensfähige Prognose.
Für Goldanleger ergibt sich zunächst ein widersprüchliches Bild: Steigende Anleiherenditen sind normalerweise negativ für das zinslose Edelmetall, da sich dessen Opportunitätskosten erhöhen. Steigen die Renditen jedoch, weil Anleger höhere Risikoprämien für Staatsanleihen verlangen, kann sich die Wirkung umkehren.
Genau dieses Spannungsfeld dürfte erklären, warum der Goldpreis trotz hoher US-Renditen zuletzt kräftig zulegen konnte. Der Markt richtet den Blick zunehmend auf die Ursachen des Renditeanstiegs: hohe Haushaltsdefizite, eine US-Staatsverschuldung über 40 Billionen Dollar und wachsende Zinskosten. Verlieren Investoren langfristig Vertrauen in Staatsanleihen oder den Dollar, könnten Anlagen ohne Gegenparteirisiko stärker gefragt sein. Dass zuletzt sowohl Gold als auch Bitcoin profitierten, passt zu dieser Entwicklung – eine Garantie für weiter steigende Kurse lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Der zurückgekehrte Optimismus am Goldmarkt dürfte angesichts der jüngsten Entwicklung an der „Zinsfront“ durchaus nachvollziehbar sein. Investoren haben mittlerweile erkannt, dass die gestiegenen Anleiherenditen kein Grund zur Freude, sondern eher Grund zur Sorge sind.
In den Medien fallen in diesem Zusammenhang immer häufiger vor allem Begriffe wie „Schuldenfalle“ bzw. „Schuldenspirale“.
Die Politik der US-Notenbank Fed dürfte daher weiterhin im Fokus der Finanzwelt stehen. Neue Hinweise könnte Fed-Chef Kevin Warsh beim vom 27. bis 29. August stattfindenden Notenbanker-Treffen in Jackson Hole (Wyoming) liefern. Sollten seine Statements „falkenhafter“ als erwartet klingen, darf man gespannt sein, ob sich die Goldbesitzer davon erneut verunsichern lassen. Zuletzt haben sie steigende Zinsen eher ignoriert.
Dies liegt vor allem daran, dass im Zuge der höheren US-Renditen vor allem die gestiegenen Risiken und weniger die höheren Renditechancen wahrgenommen worden.
Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.
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