Stand: 16.02.2018 von Egmond Haidt 1 Kommentare

Entgegen der Prognose vieler Experten ist der Goldpreis kräftig auf dem Weg nach oben. Dafür ist niemand mehr verantwortlich als US-Präsident Donald Trump. Experten wie Albert Edwards, Anlagestratege der Société Générale kritisieren ihn für seine Schuldenpolitik scharf.

In die Nähe des 52-Wochen-Hochs ist der Goldpreis gehüpft und notiert damit auf dem Niveau vom März 2014. Beflügelt wurde er zuletzt von den US-Inflationsdaten, die deutlich höher ausgefallen sind als Volkswirte vorhergesagt hatten, was bei Investoren Inflationssorgen schürt.

Gegenüber der Sitzung der US-Notenbank vom 13. Dezember 2017, als die Fed die Leitzinsen letztmals erhöht hat, ist die Goldpreisentwicklung um acht Prozent gestiegen.

Dabei hatten viele Experten prognostiziert, dass ein Umfeld steigender Zinsen schlecht wäre für den Goldpreis. Das ist aber ganz offensichtlich nicht der Fall.

Trump wirft das Geld mit vollen Händen raus

Der Hauptantriebsmotor für die Aufwärtsspirale beim Goldpreis ist Donald Trump. Im Dezember hat der Kongress eine Steuerreform verabschiedet, wodurch die Staatsschulden in den nächsten zehn Jahren um zusätzlich 1,5 Billionen Dollar steigen sollen.

US-Staatsschulden - Inflationsrate

Am 8. Februar 2018 haben sich die Republikaner und die Demokraten dann auf einen Haushalt für die nächsten zwei Jahre geeinigt, durch die die Schulden um weitere insgesamt 300 bis 400 Mrd. Dollar klettern werden. Dabei sind die Staatsschulden zuletzt bereits auf den Rekord von 20,7 Billionen Dollar gestiegen.

Das Weiße Haus prognostiziert, dass die Neuverschuldung in den nächsten fünf Jahren bei jeweils deutlich mehr als einer Billion Dollar pro Jahr liegen wird. Wo sind eigentlich jene Politiker von den Republikanern, die die ganze Zeit Trumps Vorgänger Barack Obama für dessen Schuldenpolitik scharf kritisiert haben?

Moody’s droht mit Abstufung des Ratings

Angesichts der dramatisch zunehmenden Schuldenlast hat es die Ratingagentur Moody’s gewagt, vor einer möglichen Abstufung des AAA-Ratings zu warnen. Dass die USA angesichts des bereits vorhandenen Schuldenbergs ein AAA-Rating keineswegs verdienen, sollte jedem normal Denkenden klar sein.

Sollte Moody’s tatsächlich das US-Rating abstufen, dürfte der Agentur eine Menge Ärger ins Haus stehen. Erinnern Sie sich noch, wieviel Ärger die Konkurrenten von Standard & Poor’s mit dem damaligen Finanzminister Tim Geithner bekommen haben, als die Agentur am 5. August 2011 das Rating auf AA+ herabgestuft hatte? Am 23. August 2011 musste der Präsident von Standard & Poor’s Deven Sharma zurücktreten.

Albert Edwards kritisiert Schuldenexplosion scharf

Die von Trump verursachte gewaltige Dollar-Schwemme führt dazu, dass der Dollar auf Talfahrt ist und weiter bleiben dürfte, was dem Goldpreis weiterhin Rückenwind geben sollte. Zumal der Niedergang des Dollar die Inflation weiter anheizt, weil ausländische Produkte in den USA teurer werden.

Albert Edwards, Anlagestratege der französischen Großbank Société Générale kritisiert Trumps maßloses Schuldenmachen scharf.

„Der Zeitpunkt des fiskalischen Stimulus ist völlig lächerlich und wird den Kollaps des US-Finanzmarktes nur beschleunigen, weil die US-Notenbank die Zinsen noch schneller anheben wird“, schrieb Edwards zuletzt.

Laut ihm mache es absolut keinen Sinn die Konjunktur just zu dem Zeitpunkt anzuschieben, da der Konjunkturzyklus, der seit Mitte 2009 läuft, ohnehin der zweitlängste aller Zeiten sei. Stattdessen hätte Trump warten müssen, bis die Wirtschaft in die Rezession abrutscht und dann hätte man die Steuerreform machen sollen.

Gigantische Verschuldung

Nun beschleunige Trump aber das Wirtschaftswachstum, weshalb die Fed umso kräftiger entgegensteuern werde, weshalb die nächste Rezession umso schneller kommen werde.

„Die Neuverschuldung wird im nächsten (Fiskal)Jahr auf mehr als sechs Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung steigen“, warnt Edwards.

Ein horrender Wert. Meine Prognose ist allerdings, dass die Marke bereits im laufenden Fiskaljahr, das im September endet, übertroffen werden wird.

„Ich bin ziemlich sicher, dass in der nächsten, nicht so weit entfernten US-Rezession das US-Haushaltsdefizit weit über jene 13 Prozent der Wirtschaftsleistung hinausschießen wird, der der Rekord im Jahr 2009 war. Ein ruinöses Haushaltsdefizit von mehr als 15 Prozent wird Trumps Erbe sein“, schrieb Edwards.

Gold-Fans werden weiterhin den Dollar genau im Auge behalten. Vor allem von ihm dürfte es abhängen, wie sich der Goldpreis in den nächsten Monaten entwickelt.

Sorge vor US-Schuldenexplosion treibt Goldpreis nach oben
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [1]
  • von Fritzthecat | 16.02.2018, 20:25 Antworten

    Guter Kommentar! Allerdings kann man bei den Zahlen schon den Überblick verlieren:
    Erst rechnet man für die nächsten zehn Jahre mit einer Neuverschuldung von 1,5 Billionen Dollar, dann wird von einem Haushaltsbeschluss berichtet mit einer Belastung von 300-400Mio. Dollar.
    Zum Schluß wird vom Weißen Haus berichtet, mit einer Staatsneuverschuldung von jährlich mehr als einer Billion Dollar für die nächsten fünf Jahre. Ja was denn nun?

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