Stand: 24.08.2021 von Jörg Bernhard
In der Vergangenheit sind zahlreiche Technologieunternehmen durch den Kauf von Bitcoins in Erscheinung getreten. Die US-Firma Palantir hat in der vergangenen Woche den Kauf von physischem Gold im Wert von mehr als 50 Millionen Dollar gemeldet.
US-Technologieunternehmen Palantir kauft Krisenwährung Gold

Palantir: Gold und Bitcoins als Zahlungsmittel

Um sich vor weiteren „Schwarzer-Schwan-Ereignissen“ zu schützen, hat sich das Management der auf Datenverarbeitung spezialisierten, börsennotierten Gesellschaft mit einer Marktkapitalisierung von aktuell fast 47 Milliarden Dollar für diesen Weg der Krisenvorsorge entschieden.

In der Finanzwelt gilt als „schwarzer Schwan“ ein unvorhersehbares, seltenes Ereignis mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen.

Corona kann zweifellos in diese Kategorie von Ereignis eingeordnet werden.

Gekauft wurden von Palantir 100-Gramm-Goldbarren, die im Nordosten der USA verwahrt werden und auf die man jederzeit Zugriff habe. Die in Denver beheimatete Firma ist mit Aufträgen diverser US-Behörden groß geworden und agiert in dem Zukunftsmarkt „Big Data“.

Laut aktueller Quartalszahlen belaufen sich die liquiden Mittel des Unternehmens auf über 2,3 Milliarden Dollar. Bislang wurde somit lediglich ein kleiner Teil des liquiden Firmenvermögens abseits des Dollars angelegt. In Zukunft könnten nach Angaben des Unternehmens allerdings neben Gold auch Start-Ups, SPAC-Vehikel sowie Bitcoins erworben werden.

Besonders interessant: Kunden von Palantir können bereits heute mit Gold und Bitcoins ihre Rechnungen bezahlen, wenngleich laut einer Unternehmenssprecherin bislang noch keiner davon Gebrauch gemacht habe.

Offensichtlich sind immer mehr Führungskräfte bereit, das Undenkbare zu denken und ungedecktes Fiat-Geld als Wertaufbewahrungsmittel in Frage zu stellen. Hightechs haben sich in den vergangenen Monaten jedoch eher für „digitales Gold“ in Form von Bitcoins begeistern lassen.

Laut Daten von Bitcoin.org halten derzeit zwei US-Firmen Bitcoin-Bestände im Milliardenbereich (MicroStrategy und Tesla) und immerhin sechs Gesellschaften verfügen über Bitcoin-Vermögen im dreistelligen Millionenbereich (siehe Tabelle).

Unternehmen mit den höchsten Bitcoin-Beständen

Unternehmen mit höchsten Bitcoin-Beständen in Mio. Dollar Anzahl Bitcoins
MicroStrategy 5.268 105.084
Tesla, Inc. 2.166 43.200
Square inc. 402 8.027
Marathon Digital Holdings 272 5.425
Coinbase Global, Inc. 225 4.487
Hut 8 Mining Corp 207 4.123
Galaxy Digital Holdings 201 4.000
Bitcoin Group SE 201 4.000
Quelle: Bitcoin.org
Der von Palantir eingeschlagene Weg zur Krisenvorsorge kann zweifellos als außergewöhnlich eingestuft werden.

Man darf gespannt sein, ob das Management diese Vorgehensweise weiterverfolgen wird, schließlich ist ein großer Teil der besonders umsatzkräftigen Kundschaft der öffentlichen Hand zuzurechnen und die dürfte dem Palantir-Goldkauf eher reserviert gegenüberstehen.

Fazit: Privatanleger sollten auf keinen Fall darauf verzichten, einen Teil des liquiden Vermögens in Gold zu investieren – sicher ist sicher. Denn eines sollte man beim Thema Krisenschutz auf keinen Fall außer Acht lassen: Selbst Notenbanken vertrauen weiterhin auf Gold.

Laut World Gold Council (WGC) haben die „Geldexperten“ im ersten Halbjahr 2021 ihre Goldreserven per Saldo um 333 Tonnen erhöht, was übrigens einem Gegenwert von mehr als 19 Milliarden Dollar entspricht.

Dagegen wirkt der Palantir-Goldkauf allenfalls wie ein „Tropfen auf den heißen Stein“.

Ausblick für die laufende Woche

Obwohl laut dem am vorigen Mittwoch veröffentlichten Fed-Protokoll bereits gegen Ende des Jahres ein Zurückfahren der Anleihekäufe von aktuell 120 Milliarden Dollar pro Monat möglich sei, blieb ein signifikanter Rückgang des Goldpreises bislang aus.

Dies dürfte vor allem an den rückläufigen US-Renditen und den damit verbundenen geringeren Opportunitätskosten (Zinsverzicht) bei einem Goldinvestment gelegen haben. Auch der Umstand, dass das gelbe Edelmetall den Flash-Crash vom 9. August ohne „bleibende Schäden“ überstanden hat, zeugt von relativer Stärke.

In den kommenden Handelstagen stehen mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex, dem Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter (USA), den revidierten Wachstumsraten der US-Wirtschaft (Q2) und dem Notenbanker-Symposium in Jackson Hole (Wyoming) einige wichtige Events an.

Überraschungen positiver oder negativer Art könnten dann dem Goldpreis neue Impulse verleihen.

Ein „schwarzer Schwan“ dürfte auf der Bildfläche der Börsianer aber eher nicht auftauchen, schließlich handelt es sich dabei eher um ein seltenes Phänomen. Und der letzte seiner Art (Corona) wirkt sich nach über eineinhalb Jahren bekanntlich immer noch negativ auf einen großen Teil der globalen Wirtschaft aus.

Autor: Jörg Bernhard
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von pappilon | 15.09.2021, 14:36 Antworten

Die ersten wirtschaftlichen Corona Ausfälle werden offensichtlich. In immer mehr Branchen leidet die Produktivität, Lieferengpässe werden langsam zur Tagesordnung, gefolgt auf Platz zwei kommen komplette Lieferausfälle Weltweit!
Verbraucher klagen beim Discounter immer öfter über leere Regale, die Holzwirtschaft rätselt über ausbleibende Importe. So manche käufliche Ware bewegt sich im Preis mit der Inflationsrate nach oben. Mancherorts kann man 30-50% Teuerungsraten (Inflation) feststellen aber... wir schaffen das. Wir leben in einem Land, in welchem man wie in 1984 gut und gerne Leben kann... wirklich, kann man DAS?

Der Rest ist unendlich Alternativlos...

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