Stand: 02.10.2020 von Egmond Haidt
In den vergangenen Monaten hatte die Fed mit ihrem gigantischen Gelddrucken den S&P500 von einem Rekordhoch zum nächsten getrieben. Nach dem zwischenzeitlichen Kursrutsch schauen Investoren nun gespannt, ob sich US-Präsident Donald Trump und die oppositionellen Demokraten noch vor der Präsidentschaftswahl auf ein Konjunkturprogramm einigen können.
US-Wahl hält Anleger in Atem

Das erste TV-Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer von den Demokraten, Joe Biden, am 29. September hat für große Ernüchterung bei Zuschauern und Investoren gesorgt.

Nachdem außer Streit nichts herausgekommen war, hat Trump einmal mehr klargemacht, dass er eine mögliche Niederlage bei der Präsidentschaftswahl am 3. November nicht akzeptieren werde, sondern er das Oberste Gericht einschalten werde, damit es das endgültige Urteil über die Wahl fälle. (Dazu gleich mehr)

Umso gespannter schauen Investoren, ob sich Trump und die Demokraten trotz der zunehmend aggressiven Stimmung dennoch kurzfristig auf ein neues Billionenschweres Konjunkturprogramm einigen können. Denn Fed-Chef Jay Powell hat zuletzt signalisiert, dass der Fed im Vorfeld der Präsidentschaftswahl die Hände gebunden seien, und sie erst einmal keine Aufstockung des QE-Gelddruckens beschließen dürfte.

Damit will die Fed signalisieren, dass sie parteipolitisch unabhängig ist und nicht etwa mit der Geldpolitik eine mögliche Wiederwahl Trumps befeuere.

Ein neues Stimuluspaket ist dringend notwendig, stünde doch ansonsten nach dem Auslaufen der bisherigen Programme im Volumen von insgesamt rund drei Billionen Dollar bei der stark vom Konsum abhängigen US-Wirtschaft eine Konjunkturflaute, oder gar ein Einbruch bevor.

US-Konjunkturprogramm vor der Wahl erscheint sehr unwahrscheinlich

Finanzminister Steven Mnuchin versucht andauernd Hoffnung zu schüren, dass es noch vor der Wahl zu einem Deal kommen könnte. Das treibt den S&P500 und in dessen Fahrwasser auch den DAX nach oben, würde die US-Konjunktur doch einmal mehr durch Liquidität in Billionenhöhe gestützt. Diese Aussieht zieht auch den Goldpreis mit nach oben, denn die zusätzlichen US -Staatsschulden müssten einmal mehr durch die Notenpresse der Fed finanziert werden, wodurch der Dollar entwertet wird.

Allerdings hat Mitch McConnell, Fraktionsvorsitzender der Republikaner im Senat, zuletzt gesagt, dass Republikaner und Demokraten bei den Gesprächen über das Konjunkturprogramm noch

„sehr, sehr weit auseinanderliegen.“

Er lehnt das Paket der Demokraten im Volumen von 2,2 Billionen Dollar vor allem deswegen ab, weil es Zuwendungen von 436 Mrd. Dollar für Städte und Gemeinden vorsieht, wovon vor allem jene hochverschuldeten profitieren würden, die von Demokraten regiert werden. Das will auch Trump unbedingt verhindern.

Trump will Macht der Republikaner im Obersten Gericht zementieren

Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass es noch vor der Wahl zu einer Einigung zwischen Trump und den Demokraten kommen wird. Dafür sind nicht zuletzt die Vorgänge um das Oberste Gericht verantwortlich.

Nachdem Ruth Bader Ginsburg, Richterin am Obersten Gericht, am 18. September gestorben ist, hat Trump nicht lange gezögert, sondern trotz des Widerstands der Demokraten Amy Coney Barrett als Ginsburgs Nachfolgerin nominiert und will damit die Macht der Republikaner im Obersten Gericht zementieren.

Barretts Anhörung im Kongress könnte am 12. Oktober starten, eine Abstimmung im Senat wird für den 26. Oktober, also wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl, erwartet. Läuft alles nach Trumps Wunsch und der Senat bestätigt Barrett, würde künftig das Oberste Gericht von sechs Anhängern der Republikaner gegenüber drei der Demokraten klar dominiert werden.

Wie in diesem Fall eine Entscheidung über den Sieger der Präsidentschaftswahl ausgehen dürfte, sollte jedermann klar sein. Daher gehen die Demokraten auf die Barrikaden, was die Einigung auf ein Konjunkturprogramm noch vor der Wahl sehr unwahrscheinlich macht.

Goldpreis ist auf dem Weg nach oben

Umso bemerkenswerter ist es, dass der Goldpreis trotz dieser Aussicht zuletzt nach oben gedreht ist und mit knapp über 1.900 Dollar je Unze in der Nähe des ehemaligen Allzeithochs vom August 2011 notiert. Offenbar sind viele Investoren der Überzeugung

 „aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“

Denn völlig egal ob Trump oder Biden die Wahl gewinnen, nach einem Wahlsieg wird der künftige Präsident Anfang nächsten Jahres ein weiteres Billionenschweres Konjunkturprogramm beschließen, um die Konjunktur weiter anzukurbeln.

Einerseits will Biden zwei Billionen Dollar in den klimafreundlichen Umbau der US-Wirtschaft investieren. Andererseits hat Trump, - von dem ich erwarte, dass er die Wahl klar gewinnen wird, - in den vergangenen Jahren unmissverständlich gezeigt, dass er beim Schuldenmachen keinerlei Maß und Ziel kennt.

Seit seinem Amtsantritt sind die Schulden der Regierung in Washington von 20,0 auf den Rekord von 26,8 Billionen Dollar explodiert, das sind horrende 137,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung - und es geht zügig Richtung 30 Billionen Dollar.

Die Republikaner und die Demokraten sind in einem Überbietungswettbewerb, wer von ihnen mehr Schulden machen kann, was wiederum in den nächsten Jahren noch viel mehr Gelddrucken und damit rekordniedrige Zinsen, und höchstwahrscheinlich Strafzinsen bedeutet. Das sollte ein gutes Umfeld für Gold sein.

Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"