Stand: 07.03.2017 von Egmond Haidt 1 Kommentare

Bis vor wenigen Wochen waren Investoren davon ausgegangen, dass die US-Notenbank die Zinsen weiterhin nur sehr langsam anheben wird. Zuletzt gab es allerdings einen kräftigen Stimmungsumschwung bei Anlegern, was den Goldpreis nach unten gedrückt hat. Weitet sich der Kursrückgang aus?

Welchen Unterschied doch ein paar Wochen ausmachen: Nachdem Investoren noch vor wenigen Wochen überzeugt waren, dass die US-Notenbank wahrscheinlich erst zur Jahresmitte die Zinsen erneut anheben und in der zweiten Jahreshälfte lediglich eine weitere Erhöhung durchführen könnte, gehen Investoren plötzlich davon aus, dass Fed-Chefin Janet Yellen bereits bei der Sitzung am 15. März zur Tat schreiten dürfte.

Genau das hatte Yellen zuletzt bei einer Rede in Chicago signalisiert. Zudem erwarten Anleger nun, dass die Fed im Lauf des Jahres die Zinsen zwei weitere Male anheben dürfte. Damit könnte die Fed tatsächlich jene drei Zinsschritte wahrmachen, die Yellen bei der Sitzung im Dezember 2016 angedeutet hatte. Bislang waren Investoren skeptisch, nachdem Yellen für 2016 ursprünglich vier Zinsschritte angekündigt hatte, am Ende war es aber nur ein einziger geworden.

Druck auf den Goldpreis von mehreren Seiten

Wegen der sich verschärfenden Zins-Ängste war der US-Dollar gegenüber etlichen Währungen gestiegen, während die Zinsen für US-Anleihen geklettert sind.

Damit hatte der Goldpreis aus zwei Seiten Gegenwind: vom steigenden Dollar und den steigenden US-Zinsen, weshalb sich der Kursrückgang bei dem Edelmetall etwas ausgeweitet hat. Dennoch notiert die Goldpreisentwicklung um lediglich zwei Prozent unter dem Drei-Monats-Hoch. Gegenüber dem Euro war der Dollar allerdings etwas gesunken, weil die Sorgen der Investoren wegen der Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23. April etwas abgenommen hatten. Je nach den Umfragen aus Frankreich kann sich das aber schnell wieder ändern.

US-Inflation steigt kräftig an

Könnte sich die Korrektur beim Goldpreis bei weiter steigenden US-Zinsen ausweiten? Immerhin wirft Gold keine Zinsen ab und wird von dieser Seite her etwas weniger attraktiv. Die steigenden Zinsen deuten aber vor allem auf die kräftig steigende Inflation hin und könnten dem Goldpreis aus dieser Perspektive Rückenwind geben. Zuletzt war die Inflation in den USA auf 2,5 Prozent geklettert - das war der stärkste Anstieg seit März 2012. In den nächsten Monaten dürfte die Inflation zügig Richtung drei Prozent laufen, zumal der Ölpreis der US-Sorte WTI derzeit um 40 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt und damit die Inflation weiter anheizt.

In dem Umfeld könnte die Fed zwar die Zinsen weiter erhöhen, allerdings möglicherweise langsamer als die Inflation steigt. Damit würden die realen Zinsen - sie werden berechnet, indem man von den Zinsen die Inflationsrate abzieht - sinken, was den Goldpreis stützen würde.

Wie geht es weiter beim Dollar?

Von großer Bedeutung ist zudem die Entwicklung des US-Dollar. Sollte er sich weiter erholen, würde das den Goldpreis belasten, weil sich Investoren dann nicht mehr so sehr wie bisher mit Gold gegen einen möglichen Rückgang des Dollar absichern würden. Steigende Zinsen sprechen für einen steigenden Dollar, weil verstärkt Geld in US-Anleihen fließen würde, weil sie einen hohen Zinsaufschlag gegenüber ausländischen Anleihen abwerfen, beispielsweise gegenüber deutschen. Allerdings trüben sich bei einem steigenden Dollar die Perspektiven für die US-Unternehmen ein, weil ihre Produkte im Ausland teurer werden, während ausländische Produkte in den USA billiger werden. Das geht US-Präsident Donald Trump aber völlig gegen den Strich, will er doch die Exportperspektiven der US-Unternehmen verbessern. Sollten daher Trump und sein Team den Dollar weiter nach unten reden, würde das den Goldpreis stützen.

Wegen der aufkeimenden Zins-Ängste hat der Goldpreis zuletzt etwas korrigiert. Je nachdem, wie Investoren in den nächsten Wochen und Monaten möglicherweise weiter steigende Zinsen am Anleihenmarkt interpretieren, wird der Goldpreis entweder steigen oder fallen. Wie es weitergehen dürfte, dürfte gerade der 15. März zeigen. An dem Tag werden nicht nur die Inflationsdaten für Februar veröffentlicht, sondern Yellen wird auf einer Pressekonferenz nach der Fed-Sitzung einen Ausblick auf die Geldpolitik der nächsten Monate geben. Die Unsicherheit diesbezüglich ist in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen - das sollten Anleger gut im Hinterkopf behalten.

US-Zins-Ängste belasten den Goldpreis
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [1]
  • von Goldmann | 07.03.2017, 12:33 Antworten

    Das bewusst unterbewertete Gold wie sich nicht ewig subventionieren lassen.
    Es ist der Feind des Papiegeldes.
    Hände weg von Aktien!

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