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Stand: 02.05.2022 von Hannes Zipfel
Eine ereignisreiche Woche liegt vor den Anlegern. Mit den Einkaufsmanagerindizes aus China wurden bereits am Wochenende wichtige Daten veröffentlicht. Sowohl der Dienstleistungs- als auch der Industriesektor rutschen im Reich der Mitte deutlich unter die Expansionsschwelle.
US-Zinsanhebung, Öl-Embargo, China-Abschwung

Gleichzeitig wird für Mittwoch ein „großer“ Zinsschritt in den USA erwartet. Am gleichen Tag will die EU den Mitgliedsstaaten neue Sanktionen inklusive eines Öl-Embargos gegen Russland vorschlagen.

Damit steht den Märkten eine hoch spannende Woche bevor.

Besonders beachtenswerte Termine für Anleger in der KW 18:

  • Samstag (30.04.): China Einkaufsmanager-Gesamtindex April (akt.: 42,7 | März: 48,8)
  • Montag: Einzelhandelsumsatz Deutschland März auf Jahresbasis (akt.: -2,7 % | Feb.: +7,0 %)
  • Dienstag: Arbeitslosenzahlen Deutschland April
  • Mittwoch: Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed (e: +0,5 Prozentpunkte)
  • Donnerstag: Entscheidung der OPEC zur Anpassung der monatlichen Ölfördermenge
  • Freitag: „Große“ Arbeitsmarktdaten USA (NFPR)
(Details und ergänzende Termine finden Sie in der Tabelle ganz unten)

Märkte im Staccato-Modus

Staccato ist eine musikalische Artikulationsform, bei der Noten nur sehr kurz gespielt werden. Aufgrund der hohen Dichte an Nachrichten kann es in dieser Woche an den Edelmetall- und Wertpapiermärkten sinnbildlich zu einem schnellen Wechsel zwischen hohen und tiefen Tönen kommen.

Selten zuvor mussten Anleger so viele kursrelevante Entwicklungen gleichzeitig beobachten und bewerten.

Von der geopolitischen Front wird mit der Vorlage des sechsten Sanktionspaketes der EU am Mittwoch ein Ölembargo gegen Russland mit dem Einverständnis der Bundesregierung nun konkret. Am Donnerstag wird die Opec bekanntgeben, ob sie die Normalisierung der Rohölförderquoten, die sie im Zuge der Covid-Pandemie deutlich gesenkt hatte, beschleunigen wird.

Bisher hat das Öl-Kartell wenig Bereitschaft erkennen lassen, gegen die Preisexplosion im Zuge des Ukraine-Krieges vorzugehen. Erst die Freigabe der strategischen Rohölreserven v. a. der USA konnten den Anstieg der Kurse für das „Schwarze Gold“ stoppen. Doch die US-Reserven werden bis zum Spätherbst aufgebraucht sein.

Während der Pandemie waren der Ölpreis und damit die Einnahmen der Opec-Staaten eingebrochen.

Viele ölproduzierende Länder sind zur Deckung ihrer Staatsausgaben aber auf relativ hohe Preise angewiesen und wollen ihre Staatshaushalte nun sanieren. Auch Russland hat als zweitgrößtes Ölförderland der Welt (2021) kein Interesse an sinkenden Preisen. Russland ist in dem Opec-Format „Opec+“ nach wie vor vertreten und stimmberechtigt.

Aktuell kostet ein Barrel (159 l) der Sorte „Brent“ 105 US-Dollar.

Break Even Rohölpries

Der Ölpreis ist aktuell einer der stärksten Treiber für die Inflation. Allerdings ist es unter Ökonomen sehr umstritten, wie effektiv Zinsanhebungen durch Zentral- und Notenbanken den Ölpreis und damit die hohen Teuerungsraten beeinflussen können.

Die Angst vor der Zinsrezession

Anders als die Zentralbanken Japans, Chinas und der Eurozone ist die einflussreichste Notenbank der Welt, die US-Fed, in den Zinsanhebungsmodus übergegangen. Gleichzeitig kühlt sich die Wirtschaft aber deutlich ab: Im 1. Quartal 2022 schrumpfte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA saisonbereinigt und hochgerechnet auf das Jahr (annualisiert) um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Die laufende Berichtssaison der US-Aktiengesellschaften liegt bisher zwar noch über den Erwartungen und stützt den Aktienmarkt, aber die während der Pandemie auch bei den US-Unternehmen weiter gestiegenen Schulden drücken mit jedem Prozentpunkt mehr Zinskosten auf die Gewinne oder gefährden sogar die Existenz hoch verschuldeter Unternehmen.

Schuldenquoten der Unternehmen in Relation zum BIP

Das Gleiche gilt für die rekordhohen Hypothekenschulden in den Vereinigten Staaten, die Ende letzten Jahres einen Stand von 17,6 Billionen US-Dollar erreichten.

Ausstehende rekordhohen Hypothekenschulden in den Vereinigten Staaten

Da viele Immobilien in den USA variabel verzinst sind, wirken sich höhere Kreditkosten zeitnah in den Portemonnaies der Verbraucher aus.

Die extreme Verschuldung mit einer aktuellen Gesamthöhe (privat und öffentlich) von 90,2 Billionen US-Dollar bzw. 392 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist auch der Grund dafür, warum der Leitzins der US-Notenbank trotz einer ersten Zinserhöhung im März bei lediglich effektiv 0,2 Prozent p. a. liegt (Effective Federal Funds Rate).

Im Vergleich dazu rangiert die Inflationsrate aktuell bei 8,55 Prozent auf Jahresbasis deutlich höher.

US-Leitzins vs. US-Inflation und Leitzins-Prognose für MIttwoch

Die Erwartungen in Sachen Zinsanhebung am Mittwoch reichen von 50 bis zu 100 Basispunkten (0,5 bis 1,0 Prozentpunkte). Da der Aktienmarkt aber schon jetzt angeschlagen ist und die Vermögenspreise (Aktien, Immobilien etc.) für die US-Konsumenten und damit die gesamte US-Wirtschaft eine enorme Bedeutung haben, erscheint ein Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte näher an der Realität.

Ein zu großer Zinsschritt könnte zu einem Zins-Schock an den Märkten führen und sogar ein Aktiencrash durch die Fed ausgelöst werden. Es wäre nicht das erste Mal.

Daher werden die Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich Inflation) tief im negativen Bereich verharren, was grundsätzlich unterstützend für die Preise der Edelmetalle ist.

Chinas Wirtschaft kühlt sich ab

Im April brach die Stimmung in den chinesischen Unternehmen weiter ein. Wegen der Lockdowns in über 60 Städten, zu denen auch die Hauptstadt Peking und die Industriemetropole Shanghai gehören, fiel der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe im April von zuvor 49,5 Punkte im März auf 47,4 Punkte zurück.

Das bedeutet, dass die Mehrheit der befragten Unternehmen (52,6 Prozent) mit einem rückläufigen Geschäft zu kämpfen hat. Noch deutlicher fiel der Rückgang im Dienstleistungssektor aus, der von den Pandemie-Beschränkungen stärker betroffen ist.

Hier viel der Indexwert im April auf nur noch 41,9 Punkte von zuvor 48,4 Punkten zurück.

Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex (Gesamtindex) für das verarbeitende Gewerbe und das nicht-verarbeitende Gewerbe misst die Lage in der Industrie und im Dienstleistungssektor im Reich der Mitte. An den Finanzmärkten gilt diese Befragung von Einkaufsleitern und Firmenchefs als einer der einflussreichsten Wirtschaftsindikatoren, weil sie die Wirtschaftsentwicklung zu einem frühen Zeitpunkt aus mehreren Winkeln abbildet: Der Index enthält Informationen zur Geschäfts-, Beschäftigungs-, Auftrags-, Lagerbestands- und Preisentwicklung im verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungsgewerbe.

Gegenüber März rutschte der Gesamtindex deutlich weiter unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten.

China: Einkaufsmanager Gesamtindex April

Weitere wichtige Konjunkturdaten in dieser Woche

Für Deutschland relevante Konjunkturdaten werden mit den Einzelhandelsumsätzen für März sowie dem Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe für April am Montag und den Arbeitslosenzahlen für April am Dienstag sowie der Industrieproduktion für März am Donnerstag veröffentlicht.

In den USA werden am Freitag die „großen“ Arbeitsmarktdaten mit den Stellenveränderungen außerhalb der Landwirtschaft für den Monat April vermeldet. Besondere Beachtung wird hier neben den absoluten Job-Zahlen auch wieder die Lohnentwicklung finden, die ein Indikator für die Dynamik der Lohn-Preis-Spirale ist, die wiederum Rückschlüsse auf die Nachhaltigkeit der hohen Inflation zulässt.

In China bleiben die Märkte wegen der Feierlichkeiten zum Tag der Arbeit bis einschließlich Mittwoch geschlossen.

In der folgenden Tabelle finden Sie weitere wichtige Daten-Termine für die KW 18:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 9:55 Uhr DE: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe April akt.: 54,6 56,9
Dienstag 9:55 Uhr DE: Veränderung der Arbeitslosen April gegenüber Vormonat -15k -18k
Dienstag 11:00 Uhr Euro-Zone: Veränderungsrate Erzeugerpreisindex März (Monat) 4,9 % 1,1 %
Dienstag 11:00 Uhr Euro-Zone: Veränderungsrate Erzeugerpreisindex März (Jahr) 36,2 % 31,4 %
Dienstag 15:00 Uhr EZB: Präsidentin Lagarde mit Rede zur Inflation und Geldpolitik - -
Mittwoch 9:55 Uhr DE: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen April 56,9 57,7
Mittwoch 13:00 Uhr USA: Index für den Hypothekenmarkt - 343,1
Mittwoch 16:00 Uhr USA: ISM Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen April 58,5 58,3
Mittwoch 20:00 Uhr USA: Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed +0,5 PP +0,25 PP
Mittwoch 20:30 Uhr USA: Pressekonferenz mit Fed-Präsident Jerome Powell - -
Donnerstag 3:45 Uhr CHN: Caixin Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen April - 42,0
Donnerstag Offen OPEC: Pressekonferenz zur Anhebung der monatlichen Förderquoten in Barrel - +432k
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe 180k 180k
Freitag 8:00 Uhr DE: Industrieproduktion März (Monat) -0,8 % 0,2 %
Freitag 14:30 Uhr USA: Veränderung der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft April 380k 431k
Freitag 14:30 Uhr USA: Veränderung der durchschn. Stundenlöhne April (Jahr) 5,5 % 5,6 %
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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