Stand: 23.11.2018 von Egmond Haidt 3 Kommentare

Viele Experten sind der Überzeugung, dass der Anstieg der US-Zinsen den Goldpreis deutlich belastet. Allerdings gab es in der Vergangenheit durchaus Phasen, in denen beide gleichzeitig geklettert sind. Wie könnte es diesmal laufen?

Der Goldpreis steckt weiterhin in der Zwickmühle: Einerseits bekommt er Rückenwind vom Kurseinbruch des S&P500 auf Sieben-Monats-Tiefs, weshalb einige Investoren etwas Geld in das Edelmetall umschichten. Andererseits hat dessen Notierung weiterhin Gegenwind vom steigenden Dollar.

Zinsanstieg bei US-Unternehmensanleihen sendet Warnsignale

Der jüngste Kursrutsch beim S&P500 macht viele Investoren allmählich nervös, zumal ein weiterer Belastungsfaktor zusehends in den Fokus der Anleger rückt: der Zinsanstieg bei US-Unternehmensanleihen. Die fast zehn Jahre lang andauernden Nullzinsen der US-Notenbank haben viele US-Unternehmen genutzt, um massiv Schulden zu machen und das Geld in Aktienrückkäufe, oder in Fusionen und Übernahmen zu stecken.

Mit den anhaltenden Zinserhöhungen der Fed läuft die Spirale nun allerdings in die andere Richtung, weshalb bei Investoren plötzlich die Sorge vor einer möglichen US-Rezession hochkocht.

Wieso? Nachdem die Zinsen für US-High Yield-Anleihen (Ramschanleihen), also die Papiere von Firmen mit hoher Verschuldung, seit Jahresanfang im Gleichschritt mit den Renditen für US-Staatsanleihen gestiegen sind, klettern die Zinsen für High Yield-Anleihen seit Anfang Oktober deutlich stärker als jene für Staatsanleihen.

Während die Zinsen für Ramschanleihen zuletzt auf 7,23 Prozent geklettert sind, ist der Zinsaufschlag gegenüber Staatsanleihen seit Anfang Oktober um 100 Basispunkte (einen Prozentpunkt) auf 433 Basispunkte nach oben geschossen. Das schürt bei Investoren die Angst, dass die Fed mit ihren anhaltenden Zinserhöhungen die Wirtschaft schwer belastet und möglicherweise in die Rezession schickt. Das belastet die hochverschuldeten Unternehmen überdurchschnittlich stark. Gleichzeitig ziehen die steigenden Zinsen für Ramschanleihen auch jene von Investment Grade-Anleihen mit nach oben.

Leitet die Fed eine Kehrtwende ein?

Vor dem Hintergrund zweifeln Investoren zusehends, ob die Fed im nächsten Jahr ihre geplanten Zinserhöhungen fortsetzen wird. Immerhin hat die Fed für 2019 drei Erhöhungen angekündigt. Am Derivate-Markt, also am Markt für Fed-Funds-Futures (Futures auf den US-Leitzins) ist kaum mehr als ein Schritt eingeplant.

Sollte die Fed die Zinsen dennoch weiter deutlich erhöhen, wächst das Risiko, dass die US-Wirtschaft umso schneller in die Rezession abrutscht, was zu einem Crash am Aktienmarkt führen würde. Daraufhin müsste die Fed schnell zurückrudern und die Geldpressen wieder anwerfen.

Damit würde eine wichtige Stütze für den Dollar - die anhaltenden Zinserhöhungen - wegfallen. Dessen Anstieg ist derzeit der wichtigste Gegenwind für die Goldpreisentwicklung. Sollte die Fed tatsächlich einen Schwenk in der Geldpolitik einleiten, gerade weil es einen Kurseinbruch am US-Aktienmarkt gibt, dürfte der Dollar deutlich nach unten drehen. In dem Umfeld würde der Goldpreis von mehreren Seiten Rückenwind bekommen.

Noch ist es allerdings längst nicht soweit. Wie für viele Investoren ist es für mich ausgemachte Sache, dass die Fed bei der nächsten Sitzung am 19. Dezember die Zinsen erneut erhöhen wird. Umso spannender wird es sein in den nächsten Wochen und Monaten zu beobachten, ob die Zinsen und gerade der Zinsaufschlag für US-Unternehmensanleihen, vor allem für Ramschanleihen weiter kräftig steigen.

In dem Umfeld könnte sich die Korrektur beim S&P500 deutlich ausweiten, was dem Goldpreis Rückenwind geben sollte. Das werde ich in den nächsten Wochen genau verfolgen.  

US-Zinsanstieg könnte Gold beflügeln
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [3]
  • von Minenfan | 23.11.2018, 08:52 Antworten

    Sehr gut dokumentiert und bewertet, Ich fürchte jedoch für meine Minen eher eine Lockerung der Geldpolitik und einen Zinsstopp. Der Dollar könnte nachgeben aber die Aktien weiter steigen Das würde dem Gold nicht unbedingt helfen. Mittelfristig erwarte ich dann einen Abstieg Den Banken in Europa geht es nicht gut In den USA werden sie durch Kreditausfälle leiden. Von da aus könnte die nächste Krise eingeleitet sein. Wenn dann Banken ins Trudeln kommen wird Gold steigen.

    • von Hoffnung-ist-keine-Strategie | 24.11.2018, 06:14 Antworten

      Hallo Minenfan, Sie liegen leider falsch mit der Annahme, dass ein nachgebender Dollar dem Gold nicht unbedingt helfen wird. Das was Sie befürchten wird den Minen helfen.
      Ich erwarte mittelfristig und eventuell sogar schon im Dezember eine veränderte Tonlage der Fed. Sobald es zu erneutem erneutem QE und Zinssenkungen kommt wird sich jeder Minenfan freuen.

      • von Minenfan | 26.11.2018, 10:45 Antworten

        Danke für Ihre Antwort, ja das ist auch eine Variante- Ich habe schon viele durchgedacht. Wäre schön, ich könnte Gewinne auch gerne früher realisieren. Liebe Grüße
        p.s. Ich bin nur in Minen investiert aber schon ziemlich heftig.

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