Stand: 19.02.2021 von Egmond Haidt
Die Sorgen vor einer kräftig steigenden US-Inflation nehmen rapide zu. Dennoch ist der Goldpreis auf Talfahrt, während Bitcoin von einem Rekordhoch zum nächsten eilt.
US-Zinssprung lässt Goldpreis einbrechen

Die Inflationsangst ist plötzlich eines der Top-Themen an der Börse, wie der kräftige US-Zinsanstieg klar widerspiegelt. So sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen zuletzt auf mehr als 1,3 Prozent nach oben geschossen, das ist das höchste Niveau seit Ende Februar 2020.

Das ist ein Anstieg um 40 Basispunkte (0,4 Prozentpunkte) seit Jahresanfang.

Im Gegenzug ist der Goldpreis unter die Marke von 1.800 Dollar je Unze eingebrochen und liegt damit in der Nähe des Sieben-Monats-Tiefs.

Für deutlichen Auftrieb bei den US-Zinsen haben die jüngsten US-Konjunkturdaten gesorgt, die auf eine kräftige Beschleunigung des Wirtschaftswachstums hindeuten, was wiederum die Inflation weiter anheizen würde.

Die Einzelhandelsumsätze waren im Januar um herbe 5,3 Prozent gegenüber dem Vormonat nach oben geschossen. Das lag meilenweit über den Schätzungen der Volkswirte von 1,1 Prozent. Nachdem die Regierung im Januar Erwachsenen und Kindern Stimulus-Schecks von jeweils 600 Dollar hat zukommen lassen – was den Amerikanern knapp 170 Mrd. Dollar in die Kasse gespült hat – haben die Konsumenten das Geld mit vollen Händen ausgegeben, gerade für Elektronikgeräte.

Zudem sind im gleichen Monat die Produzentenpreise, also die Preise die Unternehmen untereinander bezahlen, um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat geklettert. Das ist der höchste Anstieg aller Zeiten.

Verantwortlich dafür war vor allem der Anstieg der Energiekosten.

Steigender Realzins drückt den Goldpreis

In dem Umfeld ist der Realzins auf Basis zehnjähriger Inflationsgeschützter US-Anleihen – üblicherweise ein starker Einflussfaktor für den Goldpreis - auf minus 0,92 Prozent gestiegen.

Sollten die Zinsen kurzfristig weiter klettern – was sehr wahrscheinlich ist – dürfte der Abwärtsdruck auf den Goldpreis anhalten. Zudem haben die steigenden Zinsen für eine leichte Erholung des Dollar gesorgt, was die Notierung des Edelmetalls zusätzlich belastet hat.

Gleichzeitig hatte Gold auch noch von einer dritten Seite aus Gegenwind, von der Rekordfahrt am US- und weltweiten Aktienmarkt.

Da sind offenbar viele Investoren der Überzeugung, dass sie kein Gold brauchen.

Allerdings hat sich der Silberpreis zuletzt deutlich besser entwickelt als jener des großen Bruders. So liegt der Silberpreis trotz des zwischenzeitlichen Rückgangs um lediglich rund 10 Prozent unter den Mehr-Jahres-Hochs.

Silber profitiert von der Aussicht auf eine deutliche Belebung der Weltwirtschaft, schließlich ist Silber nicht zuletzt ein Industriemetall, stammt doch rund die Hälfte der weltweiten physischen Nachfrage nach dem Metall aus Industrieanwendungen, wie Solar, Elektro und Batterien.

Daher ist das Gold-Silber-Ratio zuletzt auf 64,9 gesunken – das ist das niedrigste Niveau seit 2014. Dabei wird der Goldpreis durch den von Silber dividiert.

Kein Ende der Bitcoin-Hausse in Sicht

Hingegen eilt Bitcoin von einem Rekordhoch zum nächsten – zuletzt waren es mehr als 52.000 Dollar - und spiegelt damit die immer schnellere Entwertung des Dollar unmissverständlich wider. Schließlich wächst die US-Geldmenge M1 – angetrieben durch immer neue Billionenschwere Konjunkturprogramme und das massive Gelddrucken der Fed – derzeit um rund 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das ist mit weitem Abstand Rekord.

Selbst in Krisenzeiten ist die Geldmenge früher nicht stärker als um rund 20 Prozent gewachsen – nun sind es aber astronomische 70 Prozent – und das in Zeiten eines Wirtschaftswachstums! Die Geldmenge M1 umfasst den Bargeldumlauf plus die Sichteinlagen der Nichtbanken bei Banken.

Nachdem der US-Elektroautobauer Tesla zuletzt für 1,5 Mrd. Dollar Bitcoin gekauft hat fragen sich viele Investoren, welche Unternehmen als nächstes bei der Kryptowährung einsteigen und für wieviel sie kaufen könnten.

Damit wird das quasi zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

Je mehr Unternehmen beziehungsweise Investoren Bitcoin kaufen, umso mehr zusätzliche Nachfrage löst das wiederum aus, was den Preis weiter nach oben treiben würde.

Zuletzt hat der Investmentchef des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, Rick Rieder, gesagt, dass sich die Firma damit „beschäftige“, zumal Investoren nach einem Wertaufbewahrungsmittel suchen würden, dass unter der Annahme steigender Inflation und zunehmender Schulden im Wert steigen könnte.

Offenbar werden diese Anleger immer öfter bei Bitcoin fündig.

Die Investmentfirma ARK Invest hat zuletzt angedeutet, dass Bitcoin auf rund 90.000 Dollar steigen könne, falls sämtliche Unternehmen aus dem S&P500 ein Prozent ihres Cash-Bestands in die Kryptowährung investieren würden.

Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"