Stand: 06.04.2020 von Jörg Bernhard
Derzeit sieht es danach aus, dass wir am Anfang einer Wirtschaftskrise stehen, welche sämtliche in den Jahrzehnten zuvor gesehenen in den Schatten stellen dürfte. Der US-Arbeitsmarkt verbreitet derzeit ein besonders hohes Maß an Schrecken.
USA-Horror-Arbeitsmarkdaten sprechen für Gold

Enorm hohe Arbeitslosigkeit droht

Die erste Hiobsbotschaft wurde bereits am 26. März verbreitet: Die wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe explodierten gegenüber der Vorwoche von 282.000 auf den Negativrekord von 3,283 Millionen Arbeitslose.

Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten war mit einem Anstieg auf „lediglich“ eine Million gerechnet worden – das amerikanische „Hire and Fire-Prinzip“ lässt grüßen.

Eine regelrechte Datenflut vom US-Arbeitsmarkt mussten die Investoren in der vergangenen Woche über sich ergehen lassen. Auch hier überwogen eindeutig die negativen Überraschungen. Eröffnet wurde der Zahlenreigen vom auf Personalwirtschaft spezialisierten IT-Service-Unternehmen Automatic Data Processing (ADP). 

Dieses meldete für den Monat März einen Rückgang neu geschaffener Stellen um 27.000 nachdem im Monat zuvor noch 179.000 neue Jobs geschaffen wurden. Damit rutschte dieser Arbeitsmarktindikator erstmals seit Herbst 2017 wieder in den negativen Bereich. Insgesamt rechneten die Analysten jedoch mit erheblich schlimmeren Zahlen, schließlich lag der Analystenkonsens bei minus 150.000. 

Erstanträge der US-Arbeitslosenhilfe Stand 26 März 2020

Am Donnerstag standen gleich zwei Events zum Thema „US-Arbeitsmarkt“ auf der Agenda. 

  • Erstens: So beinhaltete zum Beispiel der Challengerbericht über Stellenstreichungen gegenüber Februar einen Anstieg von 56.660 auf über 222.000 und fiel damit deutlich schlechter als erwartet aus.

  • Zweitens: Auch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe machten wenig Mut. Diese haben sich nämlich von 3,283 Millionen auf 6,65 Millionen (siehe Grafik) mehr als verdoppelt. Dies alles deutet darauf hin, dass die US-Wirtschaft und vor allem die Bevölkerung wohl noch durch ein „langes Tal der Tränen“ wird gehen müssen. 

Desaströser Märzbericht vom US-Arbeitsministerium

Mit großer Spannung und mit Argusaugen beobachtet wurde dann am Freitag der Monatsbericht des Arbeitsministeriums zur Lage am US-Arbeitsmarkt. 

Und dieser lieferte ebenfalls keinen Anlass zur Hoffnung: So kletterte bspw. die Arbeitslosenrate von 3,5 auf 4,4 Prozent deutlich stärker als erwartet und bei der Stellenanzahl (ohne Landwirtschaft) war ein Minus in Höhe von 701.000 Jobs zu beklagen.

Damit wurden die Analystenprognosen um das Siebenfache übertroffen. Somit besteht die akute Gefahr, dass der Corona-Crash eine schlimmere Rezension verursachen könnte als die Finanzkrise 2008/2009. 

Zur Erinnerung: Im Jahr 2009 schrumpfte die US-Wirtschaft um 2,8 Prozent.

Ausblick für die laufende Woche

Auch an den Goldmärkten kann man bislang keineswegs von einer Rückkehr zur Normalität sprechen. Die Outperformance von physischen Gold- und Silbermünzen lässt sich besonders gut an einem Performancevergleich mit Papiergold bzw. Papiersilber erkennen. 

Bei der Krügerrand-Unzenmünze in Gold beläuft sich die Outperformance auf 20 Prozentpunkte und beim silbernen Maple Leaf beläuft sie sich sogar auf 40 Prozentpunkte – in beiden Fällen allerdings nur auf Basis der höheren Briefkurse (also inkl. Prämie). Diese Verspannungen dürften sich erst lösen, wenn sich ein Ende der Pandemie und ein Wiederhochfahren der Weltwirtschaft abzeichnet. 

Ein großes Problem stellt dabei vor allem der Umstand dar, dass sich viele Banken und das globale Finanzsystem noch gar nicht von den vorherigen Finanzkrisen nachhaltig erholt haben. 

Eine solche Vollbremsung, wie sie ein großer Teil der Realwirtschaft in den vergangenen Wochen erlebt hat, kann man wohl als Worst-Case-Szenario bezeichnen. Weil niemand weiß, welche wirtschaftlichen, politischen und gesundheitlichen Konsequenzen die Pandemie haben wird, haftet Prognosen ein noch höheres Maß an Unsicherheit an als in „halbwegs normalen Marktphasen“.

Apropos Unsicherheit – hier kann vor allem Gold weiterhin Pluspunkte sammeln, schließlich zeigt der CBOE-Goldvolatilitätsindex mit 31,9 Prozent eindrucksvoll auf, dass ein Investment in den marktbreiten S&P-500-Index (VIX: 46,8 Prozent) ein deutlich höheres Risiko in sich birgt.
Autor: Jörg Bernhard
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von Gottfried | 06.04.2020, 20:00 Antworten

"Derzeit sieht es danach aus, dass wir am Anfang einer Wirtschaftskrise stehen" ???? Wo war der Autor die letzten Jahre, wenn dies so niedlich dastehen soll? Durch ein sinkendes BIP werden viele Almosenempfänger des Staates den Gürtel enger schnallen müssen. Teilweise dürften ganze Branchen des Sozialstaats zur Disposition stehen. Man kann sich nur den Luxus leisten, den man vorher erarbeitet hat oder fährt das ganze Land an die Wand. DDR 2.0?

2 Antworten an Gottfried anzeigen
von Commander C | 06.04.2020, 17:10 Antworten

Nüchterne Zahlen. Da hilft nur noch flüssiges, steuerbefreites Gold. Zum Wohle.

1 Antwort an Commander C anzeigen

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