Stand: 23.10.2015  0 Kommentare

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr wird sich Venezuela gezwungen sehen, in großem Stil auf seine Goldreserven zurückzugreifen. Jetzt könnte sich das Land von bis zu 80 Tonnen des Edelmetalls trennen.

Venezuela braucht dringend frisches Geld. Aber die Wirtschaft des Erdöl exportierenden Landes leidet unter den anhaltend niedrigen Ölpreisen und einer nachhaltig ungezügelten Inflation. Derweil zehren Schulden und drückende Zinslasten an den internationalen Reserven des OPEC-Landes. Weil liquide Mittel fehlen, mit denen die Verbindlichkeiten bedient werden können, geraten deshalb vor allem die Goldreserven von Venezuela weiter unter Druck. Noch vor Jahresende werden voraussichtlich weitere 80 Tonnen Gold monetarisiert werden müssen. Das berichteten Financial Times (FT) und das Branchenportal Mining.com am Mittwoch (21.10.15) unter Berufung auf Analysten der Barclays Bank.

Internationale Goldreserven von Venezuela fallen auf 12-Jahrestief

Erst vier Jahre ist es her, da hatte Venezuela noch rund 180 Tonnen Gold aus Tresoren in London und anderen Lagerstätten in die Heimat zurück geholt. Damit sind heute fast die gesamten venezolanischen Goldreserven in Höhe von rund 361 Tonnen in der Zentralbank der Hauptstadt Caracas eingelagert. Mit dieser Menge steht Venezuela international an 16. Stelle. Insgesamt stehen die Goldreserven von Venezuela für etwas mehr als 67 Prozent der internationalen Reserven des Landes gerade. Anfang Oktober hatten diese einen Gegenwert von 15,35 Milliarden Dollar. Das entspricht allerdings dem tiefsten Stand seit mehr als 12 Jahren. Zum Vergleich: Im Dezember des letzten Jahres waren es noch über 6 Milliarden Dollar mehr. Allein in den vergangenen vier Jahren sind die Reserven des Landes aber bereits um mehr als 40 Prozent geschmolzen. Um dem jahrelangen Sinkflug etwas entgegen zu halten, hatte die Maduro-Regierung deshalb vergangenes Jahr schlicht die Definition von internationalen Reserven ausgeweitet und damit begonnen, auch Diamanten und andere Edelmetalle in die Reserven mit einzurechnen , was von Beobachtern mitunter sehr kritisch bewertet wurde.

Finanzloch über 10 Milliarden Dollar tut sich in Venezuela auf

Geholfen hat das freilich nichts, oder zumindest nicht viel. Denn nach wie vor hängt Venezuela am Tropf der Erlöse aus seinen Ölexporten. Fast 95 Prozent aller Ausfuhren des Landes bestehen aus Rohöl. Doch da die Ölpreise bereits seit mehr als einem Jahr im Keller sind, wird nicht annähernd ausreichend frisches Geld ins Land gespült. Zu allem Übel gesellt sich noch ein unangenehm heftiger Wertverfall der Landeswährung Bolivar. Der FT zufolge hat er in den vergangenen 12 Monaten 88 Prozent seines Wertes eingebüßt. Im Jahr davor waren es 64 Prozent. Für internationale Verbindlichkeiten steht deshalb keine Liquidität zur Verfügung. Und als ob die finanzielle Not nicht schon bereits den Schlaf vieler Venezolaner raubt, werden der Regierung in Caracas in den verbleibenden zwei Monaten des Jahres noch Rechnungen für fällig werdende Schulden und Zinszahlungen über rund fünf Milliarden Dollar ins Haus flattern. Zusammen mit ausstehenden Verbindlichkeiten für Importe von dringend benötigten Gütern zur Grundversorgung könnte dies laut der FT auf ein finsteres Finanzloch von gut 10 Milliarden Dollar hinauslaufen.

Goldreserven werden deutlich abgespeckt

Wie das gestopft werden soll, steht bei derzeit maximal 500 Millionen Dollar an liquiden Reserven in den Sternen - beziehungsweise lagert in den Katakomben der Zentralbank von Caracas. Denn um einen totalen Zahlungsausfall abzuwenden, muss die venzolanische Regierung den Berichten zufolge zumindest einen Teil der dort ruhenden Goldreserven anzapfen. Das hatte Präsident Maduro bereits auch schon im vergangenen April getan. Da hatte er sich bei amerikanischen Banken frische Gelder in Höhe von einer Milliarde Dollar gegen ein Goldpfand besorgt. Das Pfand soll 1,4 Millionen Unzen Gold - also deutlich unter Marktwert - betragen haben. Dieses Mal dürfte es sich aber um einen deutlich höheren Betrag handeln. Beobachter gehen davon aus, dass Caracas Goldreserven im Wert von drei Milliarden Dollar monetarisieren wird. Dies entspricht knapp 2,6 Millionen Unzen oder rund 80 Tonnen. Dieses Gold wird im Gegensatz zum April aber direkt auf die internationalen Märkte fließen. Denn für ein Goldpfand, das in den Kellern einer Zentralbank mit nachhaltig rückläufigen (Gold-) Reserven liegt, dürfte sich so schnell kein Geldhaus mehr finden lassen.

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