Stand: 31.03.2016  1 Kommentare

Venezuela hat in den ersten drei Monaten des Jahres fast 60 Tonnen seiner Goldreserven in die Schweiz exportiert und dort entweder dem Markt übergeben oder für einen so genannten Gold Swap bereit gestellt. Das ergibt sich aus den Statistiken der Schweizer Zollverwaltung.

Weil Venezuela die liquiden Mittel fehlen, um seine internationalen Verbindlichkeiten zu bedienen, geraten die Goldreserven des Landes abermals unter Druck. Jetzt ist bekannt geworden, dass sich die Zentralbank von Venezuela (Banco Central de Venezuela - BCV) im ersten Quartal 2016 bereits von weiteren 60 Tonnen ihrer Goldreserven getrennt hat. Damit geht die Monetarisierung des venezolanischen Staatsgoldes auch in diesem Jahr weiter.

Venezuela schickt Goldreserven an Veredler in der Schweiz

Wie der Goldanalyst Koos Jansen auf der Plattform Seeking Alpha am Dienstag (22.03.16) unter Berufung auf Daten der Eidgenössischen Zollverwaltung berichtete, verteilten sich die bisherigen diesjährigen Goldexporte aus dem Bestand der staatlichen Goldreserven von Venezuela auf insgesamt drei Sendungen zu je 36, 11 und 12,5 Tonnen. 36 Tonnen Gold sollen bereits im Januar in der Schweiz angekommen sein. 11 Tonnen folgten demnach im Februar, und weitere 12,5 Tonnen aus den heimischen Goldreserven in Caracas wurden wie vom Branchenportal BullionStar (am 16.03.16) berichtet am 8. März am Pariser Flughafen Charles de Gaulle an die Sicherheitsfirma Brinks Global überstellt, die den Weitertransport zu einem Veredler in der Schweiz, wahrscheinlich Valcambi, übernommen haben soll. Für die letzte bislang bekannte Lieferung beruft sich BullionStar auf das Ladungsmanifest des Fluges von Caracas nach Paris am 8. März, aus dem zuerst die venezolanische Tageszeitung El Cooperante zitiert haben soll. Demzufolge befand sich auf dem Flug eine Gesamtmenge von insgesamt 12.561 kg Gold, verstaut in 318 Paketen. Im Durchschnitt müsste sich jedes Paket also aus 39,5 kg Gold zusammengesetzt haben, hieß es. Eine Menge, die darauf schließen lasse, dass es sich dabei nicht um Good Delivery-Barren gehandelt haben konnte, sondern um alte amerikanische Assay Office-Barren, die jeweils mehr als 430 Unzen auf die Waage bringen.

Goldbarren im Wert von 2 Milliarden Dollar für Gold Swap umgeschmolzen

Um Gold in dieser Form auf dem freien Markt zur Verfügung stellen zu können, müssten diese Goldbarren also zuerst veredelt beziehungsweise umgeschmolzen werden. Vorstellbar wären einerseits die Produktion von 1 kg Goldbarren, die im Anschluss auf den asiatischen Markt weiter geleitet und dort zu Marktpreisen direkt verkauft werden könnten. Beim gegenwärtigen Goldpreis entsprechen 60 Tonnen Gold einem Gegenwert von zirka 2,124 Milliarden Euro. Andererseits, und das ist wohl die wahrscheinlichere Variante, könnten die angelieferten Goldbarren auch zu Good-Delivery-Barren umgeschmolzen worden sein, um sie für einen geplanten Gold Swap mit der Deutschen Bank vorzubereiten. Über diese Möglichkeit hatte Gold.de bereits Anfang Februar berichtet. Für diese Vorgehensweise spricht zudem die im Januar und Februar aus Venezuela in die Schweiz gelieferten Mengen Gold - zusammen knapp 47 Tonnen - im Wert von zirka 1,663 Milliarden Euro. Diese Summe entspricht in ihrer Größenordnung in etwa dem Umfang der internationalen Verbindlichkeiten (1,5 Milliarden Dollar) in Form einer ablaufenden Staatsanleihe, die Venezuela bis Ende Februar zu begleichen hatte. Dass jetzt die Goldlieferungen der BCV im März weitergeführt werden, deutet zudem darauf hin, dass es sich nicht um den einzigen Gold Swap gehandelt haben dürfte, der in diesem Jahr zwischen Venezuela und internationalen Bankhäusern ausgehandelt werden wird.

Goldreserven bleiben in Bilanz der Zentralbank erhalten

Gegenüber einem direkten Verkauf des Staatsgoldes von Venezuela hätte ein Gold Swap darüber hinaus den Vorteil, dass das Gold nicht sofort unwiederbringlich verloren wäre, sondern dass immer noch die Möglichkeit bestünde, dass das Gold in besseren Zeiten - also falls der Ölpreis wieder steigen sollte - wieder von Venezuela zurück gekauft werden könnte. Darüber hinaus wäre das Gold faktisch auch nicht verkauft, sondern verliehen, weshalb es auch nicht aus der Bilanz der Zentralbank in Caracas gestrichen werden müsste. Nach wie vor weist diese nämlich Goldreserven in Höhe von 361 Tonnen aus. Doch tatsächlich dürften diese spätestens nach den jetzt bekannt gewordenen Goldlieferungen noch höchstens bei rund 300 Tonnen liegen (Gegenwert zirka 10,62 Milliarden Euro). Allerdings dürfte der darin befindliche unbelastete Goldbestand noch weit geringer ausfallen. Denn schon im März vergangenen Jahres hatte sich Venezuela bei internationalen Geldgebern frisches Geld gegen ein Goldpfand von fast 44 Tonnen Gold besorgt. Und auch im letzten Quartal 2015 sind wahrscheinlich bis zu 80 Tonnen aus den staatlichen Goldreserven entnommen worden. Koos Jansen schätzt den schuldenfreien Anteil der venezolanischen Goldreserven mittlerweile sogar nur noch auf 152 Tonnen (Gegenwert zirka 5,58 Milliarden Euro).

Geld "von einem Peter leihen um einen Paul zu bezahlen"

Neben den jüngst beglichenen 1,5 Milliarden Dollar hat Venezuela bis zum Jahresende allerdings noch weitere rund 8 Milliarden Dollar an internationalen Verbindlichkeiten zu bedienen. Diese Summe ließe sich also auf Basis der genannten Zahlen durch eine Monetarisierung der noch verbleibenden Goldreserven nicht mehr vollumfänglich aufbringen. Dem widerspricht jedoch der venezolanische Handelsminister, Jesus Faria, energisch. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg von Ende Februar zufolge sagte der Minister: "Alle Schuldenzahlungen sind garantiert, einschließlich jener im Oktober und November. Wir haben die Ressourcen". Es gebe nicht das geringste Risiko eines Zahlungsaustalls, ergänzte Faria. Das überzeugt aber nicht alle. Laut Bloomberg besteht eine fast 70-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Venezuela dieses Jahr nicht überstehen wird. Der Vermögensverwalter Ray Zucaro sagte demnach: "Sie (die Venezolaner) kämpfen wirklich, aber die tatsächlichen wirtschaftlichen Ungleichgewichte sind nicht angegangen worden". Die im Februar ablaufende Staatsanleihe hätte man zwar noch bedienen können, ergänzte Zucaro, aber in den kommenden sechs Monaten würden sie sich Geld "von einem Peter leihen müssen, um einen Paul damit bezahlen zu können".

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Kommentare [1]
  • von KK | 31.03.2016, 16:35 Antworten

    Venezuela bringt in einem Quartal 60t in die Schweiz und Dtl. schaftt es nicht, in einem Zug sein Gold zu holen - ein Lacher (ein schlechter).

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